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Kriminalität

Was ist der gefährlichste Stadtteil in Neubrandenburg?

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Nach einem weiteren Messerangriff in der Stadt fragen sich viele Menschen, wie sicher es in Neubrandenburg überhaupt  ist. Zahlen zeigen, wo es die meisten Gewalt-Straftaten gibt.
Veröffentlicht:13.10.2023, 05:21

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Was ist denn nur in Neubrandenburg los? Das fragen sich wahrscheinlich viele Einwohnerinnen und Einwohner, nachdem es vergangene Woche einen weiteren Messerangriff auf einen 21-jährigen Mann gegeben hat, der tödlich endete. Ist es in einigen Stadtteilen unsicherer als in anderen? Wo gibt es die meisten Gewalttaten? Der Nordkurier fragte nach. Und die Polizeistatistik zeigt, wo die meisten Gewaltstraftaten registriert werden und somit, welcher Stadtteil in absoluten Zahlen in dieser Hinsicht der gefährlichste in Neubrandenburg ist.

Größtes Stadtgebiet, viele Straftaten 

Schon länger kursieren zu diesem Thema Gerüchte in der Stadt. Demnach vermuten einige, dass das Reitbahnviertel sowie der Datzeberg am gefährlichsten seien, da diese unter den Neubrandenburgern als soziale Brennpunkte bekannt sind. Doch inzwischen hat sich herausgestellt, dass ausgerechnet in diesen beiden Wohngebieten vergleichsweise wenig passiert – zumindest was die Straßenkriminalität betrifft.

Karte der Stadtteile mit von der Polizei registrierten Gewalt-Straftaten im öffentlichen Raum von 2017 bis 2022
Karte der Stadtteile mit von der Polizei registrierten Gewalt-Straftaten im öffentlichen Raum von 2017 bis 2022 (Foto: NK-Grafik)

Mit insgesamt 1071 Straftaten, die sich von 2017 bis 2022 ausschließlich im öffentlichen Raum abspielten, ist vielmehr die Oststadt das Viertel mit der höchsten Kriminalität in Neubrandenburg, wie Zahlen der Polizei zeigen. Dabei handelt es sich den Angaben der Stadt Neubrandenburg zufolge mit rund 15.000 Einwohnern (Stand Ende 2021) auch um das größte Stadtgebiet.

In der Oststadt, größter Stadtteil Neubrandenburgs, ist es nicht so sicher, wie manche Einwohner es vermuten würden.
In der Oststadt, größter Stadtteil Neubrandenburgs, ist es nicht so sicher, wie manche Einwohner es vermuten würden. (Foto: Tim Prahle/Archiv)

Mehr Anzeigen bei Sexualdelikten in der Oststadt

In der Oststadt hat es in den vergangenen etwa fünf Jahren zudem die meisten Straftaten gegen das Leben (11) sowie mit Abstand die meisten Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (1161) gegeben. Darunter zählen beispielsweise Raubstraftaten und räuberische Erpressung, der überwiegende Teil seien aber Körperverletzungen gewesen, weiß Polizeisprecherin Claudia Berndt.

Außerdem sticht der größte Stadtteil mit mehr als 90 Sexualdelikten deutlich heraus. Die meisten davon ereigneten sich laut Statistik im vergangenen Jahr. All diese Straftaten haben sich jedoch nicht nur im öffentlichen Raum ereignet, sondern auch im Privaten, also in Wohnungen und Häusern, betont die Polizei.

Auf Platz 2 der Kriminalitätsstatistik für die Neubrandenburger Stadtteile landet die Innenstadt mit etwa 838 Straftaten, die sich zwischen 2017 und 2022 im öffentlichen Raum abspielten. Die Südstadt landet mit 653 Vorfällen auf Platz 3 und das Katharinenviertel mit 429 auf Platz 4. Darauf folgen das Vogelviertel, Reitbahnviertel, die Ihlenfelder Vorstadt sowie der Datzeberg und das Jahnviertel.

„Theoretisch sehen die Zahlen für gewisse Stadtteile hoch aus, für andere Stadtteile wiederum gering. Aber es gibt eben auch unterschiedlich viele Einwohner“, so Claudia Berndt. Wo mehr Leute wohnen, komme es tendenziell auch häufiger zu einer Straftat. 

Was zeigt die Statistik – und was nicht?

Die von der Polizei erfassten Zahlen bilden allerdings nicht die gesamte Wirklichkeit ab. Sie entsprechen dem sogenannten „Hellfeld“, beinhalten also nur jene Fälle, die der Polizei bekannt sind und zur Anzeige gebracht wurden. Damit die Zuordnung von Verdächtigen und Straftaten eindeutig ist, werden nur Fälle eingerechnet, die an die Staatsanwaltschaft gegeben wurden. Dazu sind die Einwohner noch von weitere Straftaten, wie Betrug, Einbrüche und anderen nicht-gewalttätigen Delikten, betroffen.

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Einsatzort spielt für Polizisten eine Rolle

Doch gehen Einsatzkräfte der Polizei anders vor, wenn sie wissen, dass sie in ein bestimmtes Stadtgebiet in Neubrandenburg ausrücken müssen? André Böttcher, Polizeioberkommissar, weiß aus eigener Erfahrung, dass der Einsatzort, zu dem man fahre, schon in gewisser Weise eine Rolle spielt, sagt er auf Nachfrage des Nordkurier. Das Bauchgefühl sei bei Einsätzen in bestimmten Vierteln schon ein anderes. „In erster Linie ist jedoch der Anlass für einen Einsatz wichtig für die Beurteilung der Lage“, sagt Böttcher.

Am sichersten scheint es mitunter im Stadtgebiet West und im Ortsteil Küssow zu sein. Dort gab es 2017 bis 2022 jeweils 13 Straftaten im öffentlichen Raum. Noch weniger waren es nach Angaben der Polizei in Burgholz, auf dem Industriegelände sowie im Eschengrund und Lindetal. Dort leben jedoch verhältnismäßig wenige Menschen, wie Zahlen zeigen.