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Ehrenamtsgala

Das sind die ausgezeichneten Alltagshelden aus Altentreptow

Altentreptow / Lesedauer: 6 min

Im Fritz-Reuter-Haus wurden besonders engagierte Menschen für ihre langjährigen Verdienste gewürdigt. Die Auszeichnung für das Lebenswerk ging an ein echtes Original. 
Veröffentlicht:06.12.2023, 19:58

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Ehrenamtliches Engagement wird viel zu oft als selbstverständlich angesehen. Dabei setzen die stillen Helden des Alltags ihre ganze Kraft und freie Zeit ein, um für andere Menschen da zu sein. Auch in Altentreptow würde das gesellschaftliche Leben ohne ihren unermüdlichen Einsatz in vielen Bereichen komplett zum Erliegen kommen.

Große Ehrenamtsgala im Reuter-Haus

Wie vielfältig das Ehrenamt selbst in einer Kleinstadt sein kann, zeigte sich am Dienstagabend im Fritz-Reuter-Haus. Die Jury musste für die diesjährige Ehrenamtsgala aus 20 Nominierungsvorschlägen fünf Preisträger auswählen. 

In der Kategorie Ehrenamt Allgemein wurde eine Frau ausgezeichnet, die sich ein Leben ohne Garten überhaupt nicht mehr vorstellen kann. Die Rede ist von Silvia Cummerow. Seit 1996 leitet sie als Vorsitzende die Geschicke des Kleingartenvereins Torney e.V. und hat dort schon als Kind in der Parzelle ihrer Familie jede freie Minute verbracht.

Gartenfreunde unter sich: Silvia Cummerow steht seit fast 30 Jahren an der Spitze des Kleingartenvereins Torney. Höchste Zeit, um ihr Engagement zu würdigen, findet der Vorsitzende der Gartensparte Neues Leben, Edmund Eikert.
Gartenfreunde unter sich: Silvia Cummerow steht seit fast 30 Jahren an der Spitze des Kleingartenvereins Torney. Höchste Zeit, um ihr Engagement zu würdigen, findet der Vorsitzende der Gartensparte Neues Leben, Edmund Eikert. (Foto: Tobias Holtz )

Wie Edmund Eikert vom Regionalverband der Gartenfreunde Landkreis Demmin 1995 e.V. in seiner Laudatio hervorhob, sei die Gartenarbeit ein willkommener Ausgleich zu ihrem Berufsalltag im VEB Kleiderwerk gewesen. 20 Jahre war sie hier beschäftigt, bis der Betrieb mit der Wende abgewickelt wurde.

Cummerow kümmerte sich fortan um die Pflege der Schwiegereltern, wagte 2003 mit ihrem Haushaltsservice den Schritt in die Selbstständigkeit. „Aufgeben war für dich nie eine Option, auch wenn die Situation noch so aussichtslos erschien“, lobte Eikert das Engagement der Altentreptowerin. In zwei Jahren möchte sie den Vereinsvorsitz altersbedingt abgeben. Ein Wunsch, den Eikert der sichtlich gerührten Seniorin nicht abschlagen konnte.

Preisträger sorgte für schiefe Zähne

Dass man als Boxtrainer bei seinen Schützlingen über Jahrzehnte einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann, beweist indes Dieter Breitenbach vom SG Aufbau Altentreptow. So muss Frank Schmidt jeden Morgen aufs Neue an ihn denken, wenn er in den Spiegel schaut. „Dir habe ich meine schiefen Zähne zu verdanken“, wandte sich der Chef der Eventagentur Zwergenfeier an den von ihm nominierten Boxer. Denn Schmidt stand früher selbst im Ring.

Frank Schmidt überreichte seinen ehemaligen Boxtrainer Dieter Breitenbach die Auszeichnung in der Kategorie Sport.
Frank Schmidt überreichte seinen ehemaligen Boxtrainer Dieter Breitenbach die Auszeichnung in der Kategorie Sport. (Foto: Tobias Holtz )

An einen Sparringskampf erinnert er sich bis heute zurück. Dabei ist er nicht etwa durch die Faust des Gegners zu Boden gegangen, sondern wurde vom Ellenbogen seines Trainers ausgeknockt. „Den hast du mir aus Versehen in den Unterkiefer gerammt und danach zu mir gesagt, dass ich damit nicht extra zum Zahnarzt gehen muss, weil ich sowieso noch öfter eins auf die Fresse bekommen werde“, sagte Schmidt in seiner Laudatio. 

Breitenbach ist Vizepräsident des Boxverbandes MV und konnte in seiner langjährigen Trainerlaufbahn unzählige Erfolge bei Meisterschaften erzielen. Trotz dieser steilen Karriere sei er nie abgehoben und immer der freundliche Typ von nebenan geblieben. „Außer es gibt bei Wettkämpfen eine knappe Entscheidung gegen deine Boxer. Dann mutierst du zum kleinen Kampfschwein“, so Schmidt. Genau daran würde man jedoch merken, mit wie viel Leidenschaft er sein Ehrenamt ausübt. Deshalb gab es für Schmidts ehemaligen Trainer eine verdiente Auszeichnung in der Kategorie Sport

Kultur-Auszeichnung für Detlef Klage

Denksport müssen hingegen die Mitglieder vom Treptower Kultur- und Heimatverein betreiben, wenn sie in überlieferten Quellen stöbern und sich mit der historischen Entwicklung der Tollensestadt beschäftigen. Seitdem sich der Verein 2016 gegründet hat, steht Detlef Klage an der Spitze. Gerade der Erhalt von Baudenkmälern und die touristische Erschließung der archäologischen Fundstellen im Tollensetal würden ihm sehr am Herzen liegen, betonte Prof. Dr. Wolfgang Höhne, der den pensionierten Lehrer als Preisträger vorgeschlagen hatte.

Detlef Klage (links) ist das Gesicht des Treptower Kultur-und Heimatvereins und setzt sich für den Erhalt kulturhistorischer Schätze ein.
Detlef Klage (links) ist das Gesicht des Treptower Kultur-und Heimatvereins und setzt sich für den Erhalt kulturhistorischer Schätze ein. (Foto: Tobias Holtz )

Trotz des großen Aufgabenspektrums würde es Klage immer schaffen, den Überblick zu behalten, selbst wenn die Vorstellungen seiner Mitstreiter zu einzelnen Projekten mitunter weit auseinandergehen. Und er sei sich auch nicht zu schade dafür, bei den Landes- und Bundespolitikern anzuklopfen, wenn es darum geht, etwas für seine Stadt zu erreichen. „Genau dieser Enthusiasmus zeichnet ihn als Mensch aus“, meinte Höhne, als Detlef Klage die Auszeichnung in der Kategorie Kultur entgegennahm.

Auch für die Einwohner aus Klatzow, Rosemarsow und Buchar, die in diesem Jahr erfolgreich gegen die geplante Ausweisung eines Grünen Gewerbe- und Industriegebietes am Deutschen Milchkontor (DMK) vorgegangen waren, gab es in der Kategorie „Soziales“ einen Gemeinschaftspreis. Die Idee dazu kam von Claudia Ellgoth. „Wir konnten uns vor Ort ein sachliches Bild machen, ihr Anliegen einordnen und bei der politischen Entscheidungsfindung berücksichtigen. Für diese konstruktive Zusammenarbeit bin ich außerordentlich dankbar und wünsche mir, dass dieses positive Beispiel der Bürgerbeteiligung in Altentreptow weiter Schule macht, um unsere Stadt gemeinsam voranzubringen“, erklärte die Bürgermeisterin.

Burkhard Rüsing, Cordula Schmidt und Uwe Anders haben den Preis stellvertretend für die Interessengemeinschaft Klatzow entgegen genommen.
Burkhard Rüsing, Cordula Schmidt und Uwe Anders haben den Preis stellvertretend für die Interessengemeinschaft Klatzow entgegen genommen. (Foto: Tobias Holtz )

So emotional, wie der von Jördis Krepelin und Theo Hadrath moderierte Abend begonnen hatte, sollte er dann auch enden. Denn die Auszeichnung für das „Lebenswerk“ ging an ein echtes Treptower Original, für den der Spruch „Rentner haben niemals Zeit“ ganz offensichtlich erfunden wurde. Rudi Korth - der Tausendsassa mit dem grünen Daumen - ist auch mit 83 Jahren noch vielseitig engagiert, wie Pastor Michael Giebel in seiner Laudatio aufzählte. 

Die evangelische Kirchgemeinde begleitet den Tischlermeister schon seit der Kindheit. Vier Jahrzehnte war er Mitglied im Kirchgemeinderat und seit 70 Jahren spielt er im Posaunenchor. Die Musik ist ein wichtiger Teil seines Lebens, dicht gefolgt von der Liebe zur Natur. Viele Bäume in und um Altentreptow hat Korth gepflanzt, teilweise selbst gezogen, lange bevor der Klimawandel zum globalen Thema wurde. 

Jede Menge Holz wird auch in seiner kleinen Werkstatt hinterm Haus verarbeitet, wo er noch immer fleißig am Tischlern ist, meist mit oder für die Enkel und Urenkel, die sein ganzer Stolz sind. In der Kommunalpolitik hat er sich ebenso eingebracht. Bis heute sitzt er als sachkundiger Einwohner im Bauausschuss. „Alles zum Wohl seiner Heimatstadt, die er wie seinen Glauben tief im Herzen trägt“, sagte Giebel.

(Foto: Tobias Holtz )

Als Rudi Korth die Auszeichnung unter großem Applaus mit Tränen in den Augen entgegennahm, sah jeder, wie viel ihm diese Ehrung bedeutet. Jetzt einfach in die Hände in den Schoß zu legen, kommt für Korth aber nicht in Frage. „Ich habe noch viel vor“, verriet der gebürtige Altentreptower am Ende der Gala.