StartseiteRegionalNeubrandenburg▶ Demos für Demokratie und gegen rechte Hetze in MV und Uckermark

Kundgebung

▶ Demos für Demokratie und gegen rechte Hetze in MV und Uckermark

Neubrandenburg/Neustrelitz / Lesedauer: 3 min

In immer mehr Städten gehen Menschen auf die Straße, um sich für den Erhalt der Demokratie stark zu machen. Es sei an der Zeit, aufzustehen, sagte ein Redner in Neubrandenburg.
Veröffentlicht:21.01.2024, 14:48

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In mehreren Städten im Osten Mecklenburg-Vorpommern und auch in der Uckermark sind am Sonntag Menschen auf die Straße gegangen, um gegen rechtsextreme und menschenfeindliche Bestrebungen in Deutschland zu protestieren. Im Fokus stand dabei besonders auch die Kritik an der Partei Alternative für Deutschland (AfD), die nach letzten Umfragen bei Landtagswahlen in mehreren ostdeutschen Bundesländern stärkste Partei werden könnte.

Ein Blick vom Neubrandenburger "Kulturfinger" auf den Marktplatz 
Ein Blick vom Neubrandenburger "Kulturfinger" auf den Marktplatz  (Foto: Simon Voigt)

Mehrere hundert Teilnehmer in Neubrandenburg

In Neubrandenburg startete die Kundgebung am frühen Nachmittag mit geschätzten 500 Teilnehmern auf dem Marktplatz, wie die Polizei mitteilte. Später nannte die Polizei  die Zahl von 800 Beteiligten. Die Organisatoren gingen im Verlauf der Mahnwache aber von deutlich mehr Teilnehmern aus, wie Marcel Spittel vom Verein Queer NB sagte, der zu den Organisatoren gehörte. Er nannte eine Schätzung von rund 1000, andere Teilnehmer sprachen sogar von 1500.  

Christoph der Boor war einer der Redner in Neubrandenburg.
Christoph der Boor war einer der Redner in Neubrandenburg. (Foto: Ingmar Nehls)

In Neubrandenburg sprach unter anderem Christoph de Boor, einer der führenden Köpfe im Wenderherbst 1989 in Waren. „Es ist an der Zeit aufzustehen“, sagt er und bekam dafür Applaus zu. „Wir sind da, wir schauen nicht schweigend zu. Wir widersprechen klar und offen und selbstbewusst“, mahnte er eindringlich zu offener Zivilcourage.

Sybille Wiedfeldt und ihr Mann waren auf dem Neubrandenburger Marktplatz mit dabei, um für Demokratie einzutreten.
Sybille Wiedfeldt und ihr Mann waren auf dem Neubrandenburger Marktplatz mit dabei, um für Demokratie einzutreten. (Foto: Lisa Gutzat)

"Nicht alle pauschal als Faschisten ansehen"

De Boor sagt auch, dass es berechtigte Kritik gebe an einigen Gesetzen und dass man nicht pauschal alle AfD-Wähler als Faschisten ansehen dürfe. Einen harten Kern der Anhänger dieser Partei werde man aber mit Argumenten wohl nicht erreichen. Gefragt seien nun Gespräche und auch klarer Widerspruch. Wer auf Demos Galgen zeige, mache sich strafbar.

Im Verlauf der Demonstration füllte sich der Neubrandenburger Markt immer mehr.
Im Verlauf der Demonstration füllte sich der Neubrandenburger Markt immer mehr. (Foto: Lisa Gutzat)

Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt nahm in seiner Rede auch Bezug zu Angriffe auf seine Person, die in Neubrandenburg besonders aus Richtung der geplanten Wählerinitiative "Stabile Bürger" kommen. Dass er als Regenbogen-Bürgermeister bezeichnet werde, sei für ihn eigentlich ein Kompliment, es sei aber von denen, die es sagten, anders gemeint.

Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt war unter den Rednern auf dem Marktplatz in  der Vier-Tore-Stadt
Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt war unter den Rednern auf dem Marktplatz in  der Vier-Tore-Stadt (Foto: Ingmar Nehls)

Regenbogenflagge mehr im Fokus als Hakenkreuz?

Traurig sei aus seiner Sicht, dass nach dem Vorfall im vergangenen Jahr besonders in den sozialen Medien mehr über das Klauen der Regenbogenfahne gesprochen worden sei als über das Hissen der Hakenkreuzflagge. „Das wurde zunehmend weggelassen und stattdessen darüber diskutiert, ob nicht langsam mal genug sei mit der Regenbogenflagge, auch von gewählten Stadtvertretern“, kritisierte Witt. Sich für eine bunte und vielfältige Gesellschaft einzusetzen, habe ihn aber auch in den zurückliegenden Wochen motiviert, weiterzumachen, so Witt

Zu der Mahnwache waren Menschen aus vielen Teilen der Seenplatte angereist, unter anderem der ehemalige Vize-Landrat Kai Seiferth aus Waren und der Präsident der Warener Stadtvertretung, Rüdiger Prehn. Die Mahnwache auf dem Neubrandenburger Marktplatz wurde nach einer Dreiviertelstunde planmäßig beendet. Nach Augenzeugenberichten verlief alles friedlich.

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Auch in weiteren Städten der Region wie Neustrelitz oder Templin hatten derweil Demonstrationen für Demokratie und gegen rechtes Gedankengut begonnen. 

Auch in Neustrelitz versammelten sich rund 250 Menschen, um für die Demokratie einzustehen.
Auch in Neustrelitz versammelten sich rund 250 Menschen, um für die Demokratie einzustehen. (Foto: Tobias Lemke)

In Neustrelitz versammelten sich nach Angaben der Organisatoren mehr als 250 Menschen zu einer Demonstration  gegen Rechtsextremismus. Aufgerufen hatte nur einen Tag davor das Bündnis „#unteilbar mv – Solidarisches Neustrelitz“.

Versammlungsleiter Thomas Kowarik war überwältig von der großen Resonanz. „Wir hatten aufgrund der kurzfristigen Organisation eher mit 30 bis 50 Leuten gerechnet“, erklärte der Neustrelitzer.

Versammlungsleiter Thomas Kowarik war überwältig von der großen Resonanz. 
Versammlungsleiter Thomas Kowarik war überwältig von der großen Resonanz.  (Foto: Tobias Lemke)

In seinen Worten an die Demonstrierenden erinnerte er angesichts des aktuell bekannt gewordenen Treffens von Rechtsextremen in Potsdam und den dort diskutierten Plänen einer Ausweisung von bestimmten Bevölkerungsgruppen an die Maxime „Nie wieder!“ „Nie wieder ist jetzt“, sagte Kowarik in aller Deutlichkeit an die Menge.

Die Fürstenberger Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg sowie der Neustrelitzer Thomas Fiß (beide Linkspartei, von rechts) waren bei der Demo auf dem Neustrelitzer Markt dabei.
Die Fürstenberger Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg sowie der Neustrelitzer Thomas Fiß (beide Linkspartei, von rechts) waren bei der Demo auf dem Neustrelitzer Markt dabei. (Foto: Tobias Lemke)

Unter den Teilnehmern der Mahnwache waren auch der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) sowie die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg (Linke) aus Fürstenberg/Havel. „Ich bin hier, um zu zeigen, dass nicht nur in Berlin und den großen Städten die Menschen sich wegen der aktuellen Entwicklung Sorgen machen“, sagte Domscheit-Berg. „Es ist wichtig, dass auch der ostdeutsche ländliche Raum jetzt die Stimme erhebt. Der Eindruck, die Mehrheit würde hier rechts denken, stimmt nicht.“

Die Organisatoren in Neustrelitz waren von der Beteiligung angesichts der kurzfristigen Anmeldung überwältigt.
Die Organisatoren in Neustrelitz waren von der Beteiligung angesichts der kurzfristigen Anmeldung überwältigt. (Foto: Ulrich Krieger)