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Prozess

Disko–Schläger aus Neukalen räumen die Taten ein

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Am Landgericht in Neubrandenburg sind vier junge Männer angeklagt, die jetzt ihr Schweigen gebrochen und die Taten eingeräumt haben. Dem ging ein Deal mit dem Gericht voraus.
Veröffentlicht:02.06.2023, 13:00

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Das Leben hat der Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Oder besser: das Gericht. Die Strafkammer am Neubrandenburger Landgericht unter dem Vorsitz von Benjamin Beischer hatte eigentlich vor, in dem Prozess gegen vier junge Männer am Freitag das Urteil zu sprechen. Aber ausgerechnet die Geständnisse der Angeklagten haben das verhindert. Man habe, so der Vorsitzende Richter, doch noch einige Nachfragen und sei so ganz nicht zufrieden mit dem, was die Verteidiger verlesen haben. Es bestehe, so Beischer, die Notwendigkeit zusätzlicher Beratung des Gerichts.

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Angeklagte sind einschlägig strafrechtlich bekannt

Den vier angeklagten Männern im Alter zwischen 23 und 30 Jahren wurden zu Prozessbeginn im April schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung im Oktober 2021 vorgeworfen. „Sie haben sich damals verabredet, Disko–Besucher in Neukalen abzufangen und zu berauben, weil ihnen der Zutritt zur Disko verboten war“, hatte die Staatsanwältin gesagt. Eine Gruppe junger Besucher wurde damals zweimal nacheinander überfallen, wobei zwei Männern Bierflaschen gegen die Köpfe geschlagen wurden. Ein Opfer war kurz bewusstlos.

Die Angeklagten stammen aus Neukalen und Malchin und sind laut Polizei einschlägig strafrechtlich bekannt. Bei den Überfällen wurden den Opfern eine Tasche mit Geld und Wertsachen sowie ein Handy gestohlen. Ein 23–jähriger Zeuge, der damals bewusstlos geschlagen worden war, erkannte zwei Angeklagte im Gericht als Täter wieder. Die Täter waren seinerzeit geflüchtet, durch Hinweise wurden die vier Verdächtigen später gefasst.

Ein Angeklagter geht wohl straffrei aus

Ein 21–Jähriger, der an einem früheren Verhandlungstag vor Gericht aussagte, identifizierte im Saal alle vier Angeklagten als jene Männer, die damals Diskobesucher bedroht und bedrängt hätten. „Sie haben andere angerempelt, bedroht und beleidigt“, sagte der junge Mann. Zudem sollen sich die vier lauthals damit gebrüstet haben, zuvor schon andere geschlagen zu haben.

Das Gericht hatte, im Falle „qualifizierter Geständnisse“ einen Handel vorgeschlagen, um den Prozess zu verkürzen und für drei der Angeklagten Höchststrafen zwischen 18 Monaten sowie zwei Jahren und drei Monaten in Aussicht gestellt. Der vierte Angeklagte kommt wahrscheinlich um eine Verurteilung herum, ihm könne, so ließ das Gericht schon durchblicken, eine Tatbeteiligung nicht direkt nachgewiesen werden.

Urteil soll am 20. Juni fallen

Richter Beischer verlas am Freitag auch das Gutachten einer Psychologin, die eines der Opfer begutachtet hat. Der junge Mann, so hieß es, sei in seinem Urvertrauen erschüttert, habe sich zurückgezogen und vermeide Situationen, die der damaligen ähneln. Das traumatische Erlebnis habe ihn, so die Ärztin, ängstlich und nervös zurückgelassen.

Als nächsten Verhandlungstermin bestimmte das Gericht den 20. Juni. Dann, daran wurden keine Zweifel gelassen, fallen auch die Urteile.