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Koloniale Spurensuche

Filmische Erkundung zu Neubrandenburgs Geschichte

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Vom Erbe eines Auswanderers bis zur fairen Schokolade: Wie Jugendliche bei einem internationalen Projekt herausfanden, fehlt es hierzulande nicht an Spuren der Kolonialzeit.
Veröffentlicht:19.07.2017, 16:00

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Neubrandenburgs Verknüpfungen zur Kolonialzeit haben Neubrandenburger Schüler nachgespürt. Ihre Spurensuche führte sie unter dem Motto „Neubrandenburg neu entdeckt“ ins Regionalmuseum, unter dessen Schätzen es eine Sammlung von Alltagsgegenständen, Schmuckstücken und Fotografien aus dem polynesischen Inselstaat Samoa gibt. Zu verdanken ist sie einem Exil-Neubrandenburger: Der Arzt Dr. Bernhard Funk (1844-1911) war im 19. Jahrhundert auf die Inselgruppe im Pazifischen Ozean ausgewandert und hatte dort die Häuptlingstochter Senitima geheiratet.

Zum Glücksfall für die Heimatstadt des Mediziners wurde dessen Entscheidung, dem damals noch jungen Museum 1894 Teile seiner Sammlung zu verkaufen und 1902 weitere Bestände zu schenken. Dort werden sie bis heute sorgsam gehütet und nur für Wechselausstellungen herausgegeben – oder für ein Vorhaben wie das der filmenden Jugendlichen aus der Oststadt.

Die Jungs durften die Waffen zur Hand nehmen, die Mädchen den Brautschmuck anlegen, alle zusammen den Museumsmitarbeitern Löcher in den Bauch fragen. „Das war einer der besten Museumstage, die ich je hatte“, schwärmt Historikerin Constanze Jaiser, die in Neubrandenburg das Geschichtserforschungsprojekt „zeitlupe“ auf den Weg gebracht und die Viertorestadt für das Projekt „Young European Audience Development“ (YEAD) ins Gespräch gebracht hat.

Filme demnächst im Internet

Nicht nur die Biografie des Auswanderers Bernhard Funk bot Stoff für die jungen Filmer. Die Spurensuche in Neubrandenburg führte unter anderem auch zu einer Erklärung, warum es in Fünfeichen dunkelhäutige Kriegsgefangene gab. Eine Gruppe beschäftigte sich mit Erscheinungsformen des Rassismus, eine andere mit Produkten aus einstigen Kolonialreichen in unserer Ernährung, die sich längst nicht in Schokolade und Kaffee erschöpfen, und zu der Frage, was eigentlich „Fair Trade“ (fairer Handel) bedeutet.

Vier Kurzfilme sind auf diese Weise entstanden. Die filmischen Ergebnisse der kolonialen Spurensuche sollen demnächst im Internet veröffentlicht werden.