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Integration

Flüchtlinge in der Seenplatte – Kreis nimmt sich ein Jahr Zeit für einen Plan

Seenplattte / Lesedauer: 3 min

Jahre brauchte man für ein Konzept, das nie in Kraft trat. Nun will man im Schnelldurchlauf alles besser machen. Kann das gelingen?
Veröffentlicht:07.09.2023, 05:48

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Das zur letzten Flüchtlingskrise vor rund acht Jahren erstellte und nie in Kraft getretene Integrationskonzept des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte soll jetzt noch einmal gründlich überarbeitet werden. Wie Kreis-Dezernent Michael Löffler (SPD) im Sozialausschuss des Kreistages einräumte, habe man damals nicht alle Betroffenen ausreichend einbezogen. Man wolle nun methodisch anders vorgehen, um Bedarfe besser darstellen zu können. „Mit der Lehre aus Fehlern der Vergangenheit haben wir ein ganz anderes Level erreicht“, so Löffler.

„Sportlicher“ Zeitplan

Für die Überarbeitung will sich die Verwaltung nach aktuellem Plan ein ganzes Jahr Zeit nehmen. Von der Entwicklung einer Zielstellung über die Erstellung von Fragebögen und Interviews solle alles ein weiteres Mal angefasst werden. 

Obwohl der Ausschuss das Vorhaben grundsätzlich befürwortete, kam ebenso Skepsis auf. Der Vorsitzende des Gremiums, Lars Krychowski (Die Linke), nannte den Zeitplan „sportlich“. Schließlich habe man für die frühere Ausarbeitung mehrere Jahre gebraucht. Gritta Neumann (CDU) warnte, dass in einem Jahr der Ausschuss nach der Kommunalwahl womöglich neu besetzt werde. Dann dürfe man nicht erneut von vorne anfangen. 

Problem erkannt, Lösungen nicht in Sicht

Sozialdezernent Löffler legte im Gespräch mit dem Nordkurier offen, dass mit dem Integrationskonzept auch Forderungen an die Regierung zum Ausdruck gebracht werden sollen. So müssten endlich mehr Sprachkurse organisiert werden. Zwar bemerkt Löffler nach eigener Aussage, dass man das Problem in der Regierung erkannt habe. Konkrete Lösungen gebe es aber nach wie vor nicht. Zusätzliche Kosten würden durch die Erstellung des Konzeptes zumindest nicht entstehen — abgesehen von der Bezahlung der daran beteiligten Verwaltungsmitarbeiter. Zusätzliche Kräfte stelle man nicht ein. Erst in der letzten Ausschusssitzung im Juni hatte sich die Fraktion der Grünen danach erkundigt, was eigentlich aus dem alten, von der Bildfläche verschwundenen Integrationskonzept geworden ist.

Weiter Ärzte für Asylambulanz gesucht

Mehr Fortschritte konnten dem Ausschuss demgegenüber aus der wenige Wochen alten Asylambulanz im Markscheiderweg in Neubrandenburg mitgeteilt werden. Laut der Leiterin des kreislichen Gesundheitsamtes, Cornelia Ruhnau, hat sich die medizinische Versorgung von Kindern in der Kreisstadt durch die entlastende Praxis in der Asylunterkunft deutlich verbessert. Die Behandlung von Erwachsenen lasse sich dort jedoch durchaus noch ausweiten. Deshalb sei man weiter auf der Suche nach Ärzten, die unterstützen können. Nach Aussage von Michael Löffler muss eine gewisse Zahl an Patienten behandelt werden, damit sich der Aufwand lohnt, den eine solche Einrichtung mit sich bringt. Er äußerte sich aber zuversichtlich, dass in naher Zukunft womöglich ausländische Ärzte helfen könnten, sobald sie ein Anerkennungsverfahren durchlaufen hätten.