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Integration

Flüchtlinge warten verzweifelt auf Deutschkurse in Neubrandenburg

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Dank einer privaten Initiative konnten die Flüchtlinge ein paar Brocken Deutsch lernen. Feste Kurse und Lehrer sind absolute Mangelware.  
Veröffentlicht:19.08.2023, 11:51

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Deutschlehrerin Olha ist wieder zurück in der Ukraine, die Lust ihrer Schüler auf Deutschlernen ist aber ungebrochen. „Der Kurs war toll, nur viel zu kurz“, ist der einhellige Tenor der rund 20 Menschen aus 7 Nationen, die an den Tischen im Unterrichtsraum der Gemeinschaftsunterkunft im Markscheiderweg Platz genommen haben. Sie kommen als Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Georgien, Somalia und Honduras sowie der Ukraine und haben in der Einrichtung im Ortsteil Fritscheshof eine vorläufige Bleibe gefunden. Was sie allerdings noch dringend suchen, sind Deutsch–Kurse und -Lehrer. Hier herrscht in der Mecklenburgischen Seenplatte derzeit offenbar großer Mangel. 

Kurs hätte fast nicht stattgefunden 

„Zwei Wochen hat nicht gereicht, wir würden gerne mehr machen“, übersetzt der Dolmetscher den Wunsch einer Frau aus Syrien. „Gut wäre es, zuerst das lateinische Alphabet zu machen“, pflichtet ein anderer Lernwilliger aus dem arabischen Raum bei, sollte es einen weiteren Kurs geben. Dabei wäre selbst der erste Kurs mit Deutsch–Lehrerin Olha aus der Ukraine, die extra auf eigene Kosten aus Kiew nach Neubrandenburg kam, fast gescheitert.

Der Lions Club Neubrandenburg sei kurzfristig eingesprungen und habe 1300 Euro gespendet, nachdem die Volkshochschule Mecklenburgische Seenplatte den Kurs und damit dessen Finanzierung absagte habe, sagte Präsident Arno de Pay „Innerhalb einer Stunde haben wir das entschieden.“ Unterkunft und Gastfreundschaft fand die Lehrerin während ihres Aufenthalts beim Ehepaar Karen und Thomas Carmienke, beide Lionsmitglieder.  

Bedarf kann nicht gedeckt werden 

Nach den ersten Anfängen möchten die Flüchtlinge dringend mehr Deutsch zu lernen. Der Lions–Club–Präsident machte den Teilnehmern wenig Hoffnung, dass der caritative Verein weitere Kosten übernehmen wird. Die Malteser Werke gemeinnützige GmbH als Betreiber des Flüchtlingsheims können auch nicht mit Geld einspringen. „Wir können maximal eine kleine Aufwandsentschädigung für Ehrenamtler zahlen“, sagt Einrichtungsleiter Irimie Pencov.

Deutschkurs Markscheiderweg.
Deutschkurs Markscheiderweg. (Foto: ZVG Arno de Pay)

Ein Sprecher des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte räumte auf Nordkurier–Anfrage ein, es müsse festgestellt werden, dass trotz eines größeren Angebotes der Sprachkurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) der Bedarf nicht abgedeckt werden könne. Insofern begrüße der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte die Bemühungen des Landes tätig zu werden.

Wartezeiten von mehreren Monaten

Das Land MV habe bedingt durch die „verbesserungswürdige Versorgung der Neuzugewanderten“ mit Sprachkursen ein Alternativangebot aufgelegt, hieß es weiter. Unter dem Titel — Starterkurse 2023 — werden durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales niederschwellige Sprachkurse als ergänzende und nachrangige Maßnahmen zum bundesgeförderten Sprachkursangebot gefördert. Hierbei sollten den Flüchtlingen ein erster Spracherwerb und Grundlagen für die Alltagsorientierung vermitteln werden. Allerdings bedürfe es eines zertifizierten Trägers, der der die Fördermittel beantragt, um ein Angebot zu generieren, teilte der Landkreis mit.

Direkt in der Gemeinschaftsunterkunft im Markscheiderweg, immerhin eine der größten Einrichtungen dieser Art im Landes, sind keine weiteren Deutschkurse absehbar. Die Wartezeiten bei externen Anbietern sind lang. „Manche warten mehrere Monate“, berichteten Bewohner der Einrichtung und Betreuer. Das sorgt für Frustration. Die Sprachbarriere erschwert das tägliche Leben, schon das Einkaufen wird zum Hürdenlauf, von einer beruflichen Perspektive ganz zu schweigen. 

Mehr Ehrenamtliche gewünscht 

„Sprache ist der Integrationsfaktor Nummer eins“, sagt Arno de Pay. Er setzt nun auf Öffentlichkeitsarbeit und hofft auf Spenden, um Kurse über den Lions Club zu finanzieren. Einrichtungsleiter Irimie Pencov würde sich über mehr ehrenamtliche Unterstützer freuen, die im Markscheiderweg bei den Freizeitangeboten helfen, beispielsweise mit einem Frauentisch oder gar kleinen Deutsch–Kursen. Vor Corona habe es ein großes Netzwerk ehrenamtlicher Helfer gegeben, das nun wieder reaktiviert werden solle.

Wer den Lions Club unterstützen möchte, wendet sich per Mail an Arno de Pay unter [email protected]. Interessenten für ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft kontaktieren bitte Herrn Irimie Pencov unter 0395 4226917 oder per Mail an [email protected].