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Tag des Freibades

Friedländer Schwimmbad steht das Wasser bis zum Hals

Friedland / Lesedauer: 3 min

Schon jetzt sind kommunale Freibäder ein Zuschussgeschäft. Die Energiepreise verschärfen die Situation. Und je nach Wetter kann nicht mal freier Eintritt Besucher anlocken.
Veröffentlicht:08.07.2022, 10:01

Von:
  • Tim Prahle
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Kindergejohle und Wasserplanschen gehören an diesem Mittag nicht zu den Geräuschen, die aus dem Freibad in Friedland (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zu hören sind. Stattdessen erscheint die große Anlage wie stillgelegt. Die Rutsche, die große Liegewiese und die Becken unter dem wolkenverhangenen Himmel sind komplett verwaist. Nicht ein einziger Besucher ist zur Mittagszeit bei 23 Grad ohne Sonne gekommen. Lediglich in den Morgenstunden zogen ein paar Triathleten und ein Schwimmkurs ihre Bahnen, weitere „hartgesottene“ Stammgäste schauen am Nachmittag vorbei. „Das Wetter“, sagt Hauptamtsleiterin Annegret Walter resigniert.

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Kleinstadt wirbt bei Einwohnern mit kostenlosem Besuch

Es hätte am bundesweiten „Tag des Freibades“ nicht unpassender sein können. Mit freiem Eintritt für Kinder und Jugendliche lockte die Kleinstadt, wandte sich im Vorfeld an die Einwohner: „Machen Sie sich für unser Friedländer Freibad stark, schauen Sie vorbei und haben eine entspannte Zeit.“ Der Appell verhallte.

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Rathaus plant mit 250 000 Euro

Dabei hilft jedes Zeichen, jeder Cent der kommunalen Einrichtung. Denn das Freibad bleibt ein teures Zuschussgeschäft für die Kleinstadt. Vor Corona gab die Stadt rund 180 000 Euro für den Betrieb dazu. Für 2022 plant das Rathaus bereits mit einer Viertelmillion Euro. Im Rathaus rechnen sie schon jetzt damit, 2023 die Ticketpreise anziehen zu müssen. „Die derzeitigen Herausforderungen sind viel größer als Corona“, sagt die zuständige Amtsmitarbeiterin Arite Hagemann. Neben dem Personalmangel treffen die gestiegenen Energiepreise das Freibad, das im Jahr etwa 130 000 Kilowattstunden an Strom verbraucht, hart.

Politische Entscheidung

Wirklich leisten konnte sich die klamme Kleinstadt das Freibad aber nie, der Erhalt ist Jahr für Jahr eine politische Entscheidung, um die Stadt ansatzweise attraktiv zu gestalten und Kindern weiter das Schwimmen beizubringen. Die drei Kurse in Friedland sind längst ausgebucht, der Bedarf ist durch die Corona-Pause noch einmal gestiegen.

„Schwimmbäder gehören zur Daseinsvorsorge“

Genau darauf blickt auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mit Sorge. „Die Kommunen stehen im ganzen Land mit dem Rücken zur Wand“, sagt der LandesgeschäftsführerRenaldo Hocher. Einsparungen gebe es überall. Tickets werden zunehmend von Automaten ausgegeben, Kioske oder gar Gaststätten würden immer seltener. „Aus meiner Sicht müssen Land und Bund den Kommunen da endlich finanziell helfen. Die Schwimmbäder als Ort für Schwimmkurse gehören zur Daseinsvorsorge“, bekräftigt er.

Neun-Euro-Ticket hilft

In Friedland hofften sie zuletzt auf finanzielle Unterstützung des Landkreises. Dieser hatte auch diese Maßnahme wieder gestrichen, um im Gegenzug die Kreisumlage nicht zu erhöhen.

Unterstützung erhielt das Freibad nur versehentlich. Das Neun-Euro-Ticket lockte im bisherigen Sommer vermehrt Neubrandenburger in die Kleinstadt. Insgesamt kamen bis zum 30. Juni bereits 15 000 Besucher. Meist war das Wetter sehr viel besser als am „Tag des Freibades“. Ob sie diesen samt dem freien Eintritt für Besucher bis 16 Jahre wiederholen, wird im Rathaus noch beraten. Denn höchstwahrscheinlich würden sich viele zumindest bei Sonnenschein sehr gerne für das Friedländer Freibad durch einen Besuch „stark machen“.