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Demonstration

Für Long–Covid–Betroffene ist die Pandemie noch längst nicht vorbei

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Auch eine Neubrandenburgerin kämpft am Mittwoch vor dem Bundesbildungsministerium dafür, dass mehr Geld für die Erforschung von Langzeit–Corona–Erkrankungen fließt.
Veröffentlicht:14.03.2023, 19:38

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Für Mareike Mitschele und ihren Mann Sven ist die Corona–Pandemie noch lange nicht vorbei. Denn von seiner Infektion mit dem Virus im Februar 2022 hat sich Sven bis heute nicht vollständig erholt. Klar, wer keine betroffenen Angehörigen hat, die an Long Covid erkrankt sind, der verdränge gerne mal, dass das nach wie vor ein riesiges Problem sei. Auch wenn die Pandemie offiziell für beendet erklärt wurde, sagt Mareike Mitschele.

Deshalb kämpft sie zusammen mit anderen in der Aktion „Nichtgenesen“ für mehr Wahrnehmung seitens der Politik in Berlin — zuletzt mit einer großen Feldbetten–Aktion vor dem Bundestag, am Mittwoch protestiert sie nun erneut vor dem Bildungsministerium in Berlin. Anlass ist die Bekanntgabe der bereitgestellten Fördermittel für die Erforschung von Langzeitfolgen der Corona–Erkrankung. Nur 12,5 Millionen Euro sind dafür vorgesehen.

Protest mit Porträts von 500 Long–Covid–Patienten

Viel zu wenig aus Sicht von Mareike Mitschele und Nichtgenesen. „Zum Vergleich: In der frühen Phase der Corona–Pandemie wurden 750 Millionen Euro Förderung für die Impfstoffentwicklung sowie 220 Millionen Euro zur Förderung von Arzneimitteln für die akute SARS–CoV–2-Erkrankung ausgegeben“, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Der Protest soll mit 500 Porträts von Long–Covid–Betroffenen visualisiert werden. „Unsere Aktion soll auf die hoffnungslose Lage der Erkrankten aufmerksam machen, welche bisher wegen unzureichender Forschung ohne Therapie zurückgeblieben sind“, lautet die Begründung für die Demonstration.

Laut Kassenärzten drei Millionen Betroffene in Deutschland

Nach Hochrechnungen der kassenärztlichen Bundesvereinigung sind etwa drei Millionen Menschen in Deutschland von Long Covid betroffen, darunter auch Zehntausende Kinder und Jugendliche. Eine Forschungssumme von 12,5 Millionen Euro stehe in keinem Verhältnis zur Anzahl der Erkrankten. Aufgrund der Schwere der Erkrankung und der hohen Chronifizierungsraten können viele, insbesondere junge Menschen nicht ins Arbeitsleben zurückkehren und tragen somit erheblich zum Fachkräftemangel bei, warnt die Aktion Nichtgenesen.

Sie fordern von der Politik Lösungen zu finden, mit demselben Einsatz, der auch während der Pandemie geleistet wurde, damit sich nicht noch mehr menschliche Tragödien abspielen.

Mit dieser Karikatur wollen die Betroffenen von Long Covid vor dem Bildungsministerium protestieren. Sie fordern vom Finanzminister Christian Lindner und Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (beide FDP) mehr Geld.
Mit dieser Karikatur wollen die Betroffenen von Long Covid vor dem Bildungsministerium protestieren. Sie fordern vom Finanzminister Christian Lindner und Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (beide FDP) mehr Geld. (Foto: ZVG)

Die Betroffenen setzen ihre Hoffnung in die Forschung, denn bislang gibt es noch kein Allheilmittel, um symptomfrei zu werden. Offiziell gilt mal als Long–Covid–Patient, wenn man drei Monate oder länger Symptome des Virus aufweist. Bei Mareike Mitscheles Mann sind es inzwischen mehr als zwölf Monate. Teilweise ging es Sven Mitschele so schlecht, dass er das Haus nicht mehr verlassen konnte. Jede Bewegung war zu anstrengend, an Arbeiten nicht zu denken. Auch Zeit mit den Kindern zu verbringen, wurde zur Qual. Für die Familie ist die Erkrankung sehr belastend.

Viele verschulden sich, weil Kassen Blutwäsche nicht übernehmen

Besserung brachte ihm eine Blutwäsche, eine Maßnahme, die bei Autoimmunkrankheiten angewandt wird. Schlagartig ging es Sven nach der ersten Blutwäsche besser, ehe nach einigen Wochen der Rückfall kam und die Symptome, zu denen Müdigkeit, Atemnot, Antriebslosigkeit, Muskelschmerzen, Erschöpfung und Schlafstörung zählen, zurückkehrten. Inzwischen bekam er eine zweite Blutwäsche. Auch jetzt gehe es ihm besser, sagte Mareike Mitschele, sein Zustand wirkt stabiler. Ob das allerdings so bleibt, ist ungewiss, verlässliche Studien dazu gebe es nicht. Seit der Corona–Erkrankungen konnte Sven nicht mehr arbeiten. Die Familie hofft auf eine baldige Wiedereingliederung, doch auch das ist noch Zukunftsmusik.

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Die Blutwäsche ist sehr kostspielig, in diesem Fall wurde sie von der Uniklinik finanziert. Die Krankenkassen zahlen noch nicht für diese Methode. Normalerweise koste eine solche Maßnahme bis zu 15.000 Euro, berichtet Mareike Mitschele. Sie kenne viele, die so etwas privat bezahlen, sich verschulden, damit es den Angehörigen wieder besser geht. Auch dafür, dass die Krankenkassen für die Behandlung der Betroffenen aufkommen, kämpfe sie und dafür sogar eine Petition im Bundestag eingereicht.