Armut

Immer mehr Rentner in Neubrandenburg beziehen Grundsicherung

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Einer wachsenden Zahl von Rentnern reicht ihr Geld nicht mehr. Die gestiegene Zahl an Grundsicherungsempfängern hängt auch mit dem Ukraine-Krieg zusammen.
Veröffentlicht:07.02.2023, 05:50
Aktualisiert:07.02.2023, 07:06

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Die Rente reicht für eine steigende Zahl an Senioren aus Neubrandenburg nicht mehr zum Leben aus. Das geht aus Angaben des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte hervor, der auf Nordkurier-Anfrage die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Jahr 2022 herausgegeben hat.

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Starker Anstieg in der zweiten Jahreshälfte

So haben im Bereich Neubrandenburg deutlich mehr Menschen „Leistungen der Grundsicherung im Alter“ bezogen als noch im Vorjahr. Waren es 2021 noch 250, erhielten im vergangenen Jahr durchschnittlich 306 Menschen monatlich die zusätzlichen Hilfen vom Sozialamt. Dabei stieg die Zahl der bewilligten Anträge insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. „In den Monaten Juli bis Dezember ist ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen. Die Steigerung lag im dritten und vierten Quartal im Durchschnitt bei etwa 35 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021“, teilte der Landkreis mit. In den ersten beiden Quartalen sei eine Steigerung von etwa zehn Prozent registriert worden.

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Der rasante Anstieg in der zweiten Jahreshälfte sei eine Folge des Krieges in der Ukraine sowie einer Entscheidung der Bundesregierung, dem sogenannten Rechtskreiswechsel. Demnach müssen Flüchtlinge aus der Ukraine seit dem 1.  Juni 2022 in Deutschland kein Asyl beantragen. Stattdessen fallen sie in das Netz der Grundsicherung.

Auch in Burg Stargard und Friedland ist die Zahl der Rentner, die Geld vom Sozialamt bekommt, gestiegen. In Friedland bezogen 2022 im monatlichen Durchschnitt 25 Personen Grundsicherung, ein Jahr zuvor waren es noch 18. In Burg Stargard stieg die durchschnittliche Zahl der Empfänger von sieben auf neun.

Preissteigerungen bereiten vielen Älteren Sorgen

Der Trend spiegelt die Lage in Deutschland wieder. Wie unter anderem die Tagesschau berichtete, stieg 2022 die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Rentenalter bundesweit.

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Für Christian Jenewsky, Generationenbeauftragter der Stadt Neubrandenburg, ist das Thema Armut im Alter ein Dauerbrenner. Ebenso wie beim Thema Einsamkeit, sei die Sorge vieler Menschen diesbezüglich groß. „Vor allem die Kostensteigerungen machen den Menschen Sorgen“, sagt Jenewsky. Zwar könne er nicht für die gesamte Bevölkerung sprechen, doch höre er immer wieder in Gesprächen mit Älteren die Befürchtung, aus Geldmangel nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Grundsicherung können neben Altersrentnern auch erwerbsgeminderte Menschen beantragen. Wie hoch der gezahlte Betrag vom Sozialamt bei Bewilligung ist, hängt vom Einkommen des Antragsstellers ab. Auch das Einkommen des Partners wird dabei berücksichtigt. Eine klare Grenze, ab wann das Sozialamt Grundsicherung zahlt, gibt es nicht. Die Deutsche Rentenversicherung gibt aber einen Hinweis: „Als einfache Faustregel gilt: Wenn Ihr gesamtes Einkommen unter 924 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben.“