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Soziales

Jugendtreffs in der Seenplatte haben kaum Geld und Helfer

Seenplatte / Lesedauer: 3 min

Der Verein Toni musste seinen Jugendtreff in andere Hände geben, obwohl es an Nachfrage nicht mangelte. Auch andere berichten, wie schwierig es ist, sich über Wasser zu halten.
Veröffentlicht:05.09.2023, 06:24

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Für viele kam der Ausstieg eines weiteren wichtigen Akteurs aus der Jugendarbeit in der Seenplatte überraschend. Schließlich zählt man nur noch wenige Jugendclubs im riesigen Landkreis. Doch wie der Vereinsvorsitzende Peter Modemann berichtete, musste der Verein Toni seine Jugendeinrichtung auf dem Neubrandenburger Datzeberg in andere Hände geben, als wichtige Stiftungsgelder ausblieben. „Es ist zu wenig Geld für wichtige Anliegen da“, beschreibt Modemann ein gesamtgesellschaftliches Problem. Schwierigkeiten habe es aber auch an anderer Stelle gegeben: Insbesondere unter jungen Menschen ließen sich immer weniger Freiwillige für verantwortungsvolle Aufgaben im Ehrenamt finden.

Bis zu 50 Jugendliche täglich

Öffentliche Gelder von der Kommune hätte der Verein zwar gekriegt. Die hätten jedoch bei weitem nicht gereicht. Schließlich müsse man Fachpersonal bezahlen. Man habe eine Verantwortung für die zu betreuenden Kinder. Dennoch blickt Modemann nicht betrübt zurück: „Wir hatten unsere Zeit und haben sie genutzt.“ Die niederschwelligen Angebote seien stets gut angenommen worden. Bis zu 50 Jugendliche hätten den Jugendclub tagtäglich besucht. Zuletzt hätte der Verein lange mit einer Entscheidung gewartet, bis eine Folgelösung auf dem Tisch lag. Jetzt ist Modemann sehr zufrieden damit, dass der Judoverein Vier Tor den Jugendklub neben Sportangeboten weiterführen möchte. Über weitere vereinsinterne Schritte entscheide man auf der nächsten Versammlung.

Die Schwierigkeiten in der Jugendarbeit sind nicht neu: „Das Problem ist die Finanzierung dieser Jugendzentren. Da es sich um ein freiwilliges Angebot der Kommunen handelt, fehlt oftmals das Geld“, sagt Diana Kuhk, Geschäftsführerin der Ausbildungsgemeinschaft Industrie, Handel und Handwerk Neubrandenburg e.V., die im vergangenen Jahr die Trägerschaft der Jugendzentren in Wesenberg und in Burg Stargard nach dem Aus der Ipse übernommen hat. Die Angebote seien gefragt. In Wesenberg habe man in diesem Jahr mit kreativen Angeboten wie wie Basteln, Nähen, Fotobücher erstellen oder Leinwände bemalen rund 70, vor allem jüngere Kinder erreicht. In Burg Stargard gebe es mit Grillabenden, Mario–Kart–Turnieren, Tischtennisturniere oder Spieleabenden dagegen eher Angebote für ältere Jugendliche aus den Vorabgangs– und Abgangsklassen — für die sich schon mehr als 200 interessierten. „Ein Jugendclub ist gerade als freiwilliges und niedrigschwelliges Angebot der Jugendarbeit unersetzlich, weil es nach dem Motto 'alles kann, nichts muss' arbeitet. Dadurch wird es für die Jugendlichen attraktiv und schafft einen Aufenthaltsort, der ohne Zwang auskommt und sich dabei nach den Interessen und Vorlieben der Nutzer richtet.“

Schwierige Suche nach Personal

Auch in anderen, verbliebenen Jugendeinrichtungen im Landkreis ist die Nachfrage hoch. Das Jugendzentrum „Friesenhöhe“ der Evangelischen Kirchengemeinde Demmin ist nach Einschätzung des Leiters Axel Schulz eine Anlaufstelle für sehr viele junge Menschen — natürlich auch in der Ferienzeit. In Neubrandenburg steigt der Bedarf an Angeboten, berichtet Frank Brehe, Geschäftsführer des Arbeiter–Samariter–Bundes (ASB) Mecklenburgische Seenplatte e.V., der unter anderem die Jugendtreffs Mosaik und Konnex unterhält. Insbesondere in der Oststadt reiche das geringe Angebot längst nicht aus. Wie andere Träger müsse der ASB ebenso immer aufs Neue Gelder zusammensammeln. Neben Mitteln von den Kommunen müsse ein Eigenanteil aufgebracht werden. Man sei auf Spenden angewiesen. „Das ist immer schwierig.“ Eigentlich würde sich Brehe in jeder Einrichtung eine zusätzliche Stelle wünschen, um den Kindern und Jugendlichen eine noch bessere Betreuung bieten zu können. Doch es sei auch gar nicht so einfach, Personal für Jugendarbeit zu finden. Die Arbeitszeiten seien nicht immer familienfreundlich und Erzieher werden in vielen Bereichen gesucht.