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Schließungen

Kaufhof macht Filiale in Neubrandenburg dicht

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Lange haben Firmenleitung und Arbeitnehmervertreter um Details gerungen, wie die strauchelnde Kette gerettet werden soll. Die Einschnitte sind für Tausende Beschäftigte hart.
Veröffentlicht:19.06.2020, 14:04

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Die angeschlagene Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof schließt ihre Filiale in Neubrandenburg. „Erhalten bleiben das Karstadt Gründungshaus in Wismar und Galeria Karstadt Kaufhof in Rostock”, teilte die Gewerkschaft Verdi am Freitagnachmittag mit.

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„Das ist eine ganz bittere Botschaft für die Beschäftigten. Wenn die Informationen stimmen, zahlen wieder mal die Beschäftigten der betroffenen Filialen die Zeche für die Fehler des obersten Managements und die Ignoranz der Unternehmensführung, was Vorschläge von Betriebsräten und Beschäftigten angeht“, so Matthias Baumgart, Landesfachbereichsleiter Handel, von Verdi Nord. Betroffen von den Schließungsplänen sind knapp 40 Beschäftigte.

Wann die Filiale geschlossen wird, ist noch nicht bekannt. Das ehemalige Centrum-Warenhaus hätte eigentlich in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert. Hier blicken wir zurück und zeigen alte Fotos aus DDR-Zeiten.

Bürgermeister Witt: „Schließung ist nicht nachzuvollziehen"

Der Neubrandenburger Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) hat mit Unverständnis auf das Ende der Kaufhof-Filiale reagiert. „Die angekündigte Schließung des Kaufhofs in Neubrandenburg ist nicht nachzuvollziehen", sagte der Rathauschef dem Nordkurier. Der Standort habe sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt und schreibe schwarze Zahlen. Der Oberbürgermeister will nach eigenen Worten in der kommenden Woche am Donnerstag das Kaufhof-Team vor Ort am Marktplatz besuchen.

Laut Witt wird die deutschlandweite Schließungen der Karstadt-Filialen auch auf der Tagesordnung bei einer Videokonferenz des Deutschen Städtetages stehen, dessen Präsidium er angehört.

Auswirkungen der Corona-Krise

Die Planung des Konzerns sieht vor, zunächst 62 von 172 Filialen zu schließen. Für sie bestehe angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise keine wirtschaftliche Fortführungsperpektive mehr, betonte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz in Essen. Dieser Schritt sei ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden würden. Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit viele tausend Arbeitsplätze zu sichern.

Durch die Schließung und weitere Sparmaßnahmen dürften mindestens 5000 der 28 000 Stellen bei dem Konzern wegfallen. Der Handelsriese war durch die coronabedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen.

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Die Zahl der Filialschließungen fällt allerdings etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Erst am Donnerstagabend hatten sich das Unternehmen, der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi auf einen Sozialplan und einen Interessenausgleich verständigt. Bestandteil der Einigung ist auch eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen.