StartseiteRegionalNeubrandenburgKaufhof schließt ausgerechnet zum 60. Geburtstag

Neubrandenburger Kaufhaus

Kaufhof schließt ausgerechnet zum 60. Geburtstag

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Eigentlich stünde in diesem Jahr der 60. Geburtstag an: Das einstige Centrum-Warenhaus, heute Kaufhof in Neubrandenburg blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Bis nun die Schließung bekannt wurde.
Veröffentlicht:19.06.2020, 15:45

Von:
Artikel teilen:

Ausgerechnet 60 Jahre ist es her, als das neue zentrale Kaufhaus in Neubrandenburg eröffnet wurde. 1960 öffnete das damalige HO-Kaufhaus seine Tore – an fast der gleichen Stelle, an der schon in den 1930er-Jahren ein großes Warenhaus stand, das im großen Stadtbrand am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde.

1967 war das HO-Kaufhaus dann Centrum-Warenhaus geworden, Generationen von Neubrandenburgern gingen dort ein und aus. Bis zum Ende der DDR im Jahr 1990 war dieser Name allseits bekannt. Eigentlich hatte es nach der Wende ausgesehen, als ob Karstadt das Haus übernehmen würde. Letztlich hatte Galeria Kaufhof den Zuschlag von der Treuhand bekommen. Bis heute ist das Unternehmen am selben Platz in der Neubrandenburger Innenstadt zu finden. An diesem Freitag wurde nun die Schließung der Filiale verkündet. Wann genau, ist noch offen.

In den vergangenen Jahren hatten sich immer wieder frühere Mitarbeiter getroffen, um sich an die gemeinsame Geschichte zu erinnern. Einer von ihnen ist Herbert Utikal, der Nordkurier hatte ihn vor zwei Jahren getroffen. 1970 hatte er seine Lehre zum Fachverkäufer für Rundfunk/Fernsehen im Centrum-Warenhaus begonnen, von 1973 bis 1978 folgte noch das Studium. „Doch alles, was ich fürs spätere Leben brauchte, habe ich im Centrum-Warenhaus gelernt”, sagte er vor zwei Jahren dem Nordkurier. Die Grundlagen seien zumindest gelegt worden. Der Umgang mit Menschen, „eine richtige Schule” sei es gewesen, so lange, bis er das Haus 1986 verließ und hauptamtlicher Bürgermeister wurde.

Ein Haus, „das eigentlich alles hatte”

Herbert Utikal wurde Verkaufsbereichsleiter in einem Haus, „das eigentlich alles hatte”, sagt er. Es gab zum Beispiel Möbel, Textilien, Schmuck, Haushaltswaren und eben Fernseher. An den Zusammenhalt untereinander erinnerte sich Utikal gern. Die Technik habe ihn indes schon immer interessiert, sagt er weiter. Es sei aber schon ärgerlich gewesen, als er im Rahmen eines Jugendaustausches in die Bundesrepublik fuhr, um dann Produkte aus dem Osten zu sehen, die es hierzulande schwer bis gar nicht gab – und wenn, dann zu extrem hohen Preisen. „Was wir produziert hatten, aber nicht für unsere Bevölkerung bestimmt war“, sagt er.

Auf der anderen Seite habe er solche Reisen auch geschätzt, weil er gleichzeitig Waren aus dem nichtsozialistischen Ausland wie Japan zu Gesicht bekam. Aber stand er nicht an der Quelle und kam gar leicht an begehrte Dinge heran? „Klar gab es Engpässe, zum Beispiel bei Bettwäsche, Gefriertruhen, Handtüchern oder Strümpfen“, erklärt er. Doch sei darauf geachtet worden, dass Kaufhaus-Mitarbeiter nicht bevorteilt wurden. Der Kunde sei vorgegangen, Mitarbeiter hätten mitunter länger warten oder sich eine Erlaubnis holen müssen.