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Neue Lebensmittel

Kommen bald auch Insekten ins Schulessen?

Seenplatte / Lesedauer: 3 min

Die Neugier wächst, ob die Tiere demnächst auch im Mittagsmenü unserer Kinder stecken könnte. Doch Caterer haben derzeit ganz andere Probleme und fordern dringend eine Kostenentlastung.
Veröffentlicht:12.03.2023, 12:09

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Den einen ekelt schon die Vorstellung, Käfern oder Würmern nur zu nahezukommen. Der andere wittert in den Tierchen eine ganz neue Proteinquelle für gesunde Ernährung. Da neben Mehlwürmern und Heuschrecken nunmehr auch die Hausgrille und Larve des Getreideschimmelkäfers als Lebensmittel genehmigt wurden, wächst auch in der Region die Neugier, wo das verzehrbare Krabbeltier demnächst drinstecken könnte.

Verfügbarkeit gering, Marktpreis eher hoch

Kreistagsmitglied Maximilian Hoffmann (fraktionslos) wollte deshalb von Landrat Heiko Kärger (CDU) wissen, ob Insekten demnächst auch im Schulessen vorkommen könnten. Das ist nach Auskunft der Kreisverwaltung allerdings „nicht zu erwarten“. Die Verfügbarkeit am Markt sei sehr gering. Darüber hinaus liege der Marktpreis für verzehrbare Insekten derzeit noch über dem herkömmlicher Proteinquellen. So sei angesichts der „angespannten wirtschaftlichen Situation der Caterer“ ein Einsatz dieser Mittel in der Mittagsversorgung für Kita– und Schulessen kaum wahrscheinlich.

Auch die getrockneten Larven des Getreideschimmelkäfers sind als Lebensmittelzusatz erlaubt.
Auch die getrockneten Larven des Getreideschimmelkäfers sind als Lebensmittelzusatz erlaubt. (Foto: Marijan Murat)

„Wir haben ohnehin gut zu tun, den aktuellen Entwicklungen standzuhalten“, sagt Marco Hammer, Geschäftsführer der TFA–Catering GmbH aus Neubrandenburg. In dieser Situation bleibe keine Luft für solche Experimente. Zumal Berührungsängste weit verbreitet seien. Caterer müssten derzeit eine ganze Reihe hoher Belastungen stemmen, erklärt Hammer. Die Stromkosten in Küchen seien drei– bis viermal so hoch wie zuvor. Kosten für Produkte seien im Rahmen der Inflation erheblich gestiegen. Darüber hinaus seien noch Lohnsteigerungen zu schultern. Schließlich müssten von Essenspreisen nicht nur die Zubereitung, sondern auch die Ausgabe und Reinigung bezahlt werden. So sehe sich auch seine Firma gezwungen, die Preise ab April zu erhöhen — allerdings längst nicht so hoch, wie es eigentlich sein müsste.

„Die spontanen Preiserhöhungen der Industrie können wir nicht 1:1 an die Eltern oder Kunden weitergeben“, schließt sich Thomas Kloppertanz vom Anbieter „Die Mahlzeit“ aus Neubrandenburg an. Noch seien Preissteigerungen kaum weitergereicht worden. „Um weiterhin einigermaßen wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen wir das aber in Kürze auf die Preise umlegen.“ Dabei bekomme das Unternehmen schon jetzt vermehrt Rückmeldungen von Eltern, die sich über gefühlt viel zu hohe Preise von Kinderportionen wundern würden. „Einerseits verständlich, andererseits geht jeder einkaufen und weiß eigentlich, wie teuer alles geworden ist.“ Kloppertanz wünscht sich einen Zuschuss von der Landesregierung für Schulessen. „Dies würde vielen Eltern helfen, da jetzt wieder die berühmten Brotdosen mit fragwürdigem Inhalt (Süßigkeiten) zur Mittagspause mitgegeben werden.“

Wohlfeile Forderung nach gesünderem Essen

Dies hält auch Marco Hammer für sinnvoll. Wenn die Landesregierung schon gesunde Ernährung in Schulen fordere, müsse sie auch für Umsetzbarkeit sorgen, so der TFA–Geschäftsführer. Caterer würden zwar kein ungesundes Essen servieren. So manche Essensempfehlung wie teurer Lachs sei aber nicht finanzierbar.

Für eine gesündere Ernährung wird heute laut Kloppertanz auch auf veganes Essen zurückgegriffen. Und selbst das sorge mitunter für Streit und mache Aufklärungsarbeit erforderlich. „So lange diese Themen, also vegetarisch und vegan, nicht wirklich Standard auf unseren Speiseplänen sind, sind Insekten definitiv kein Thema.“