StartseiteRegionalNeubrandenburg► Emotionales Konzert mit Star-Geiger in Neubrandenburg – und klarer Ansage

Philharmonie

► Emotionales Konzert mit Star-Geiger in Neubrandenburg – und klarer Ansage

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Dass die Neubrandenburger Konzertkirche zu einem Philharmonischen Konzert mal wieder ausverkauft war, dürfte an Daniel Hope gelegen haben. Vor der Musik gab es deutliche Worte.
Veröffentlicht:02.02.2024, 08:56

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Damit hatte wohl kaum einer gerechnet in der mit mehr als 800 Zuschauern ausverkauften Konzertkirche. Bevor die Neubrandenburger Philharmonie unter Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Geiss am Donnerstagabend die ersten Töne erklingen ließ, stand Johannes Gnau auf, Solohornist und Mitglied des Orchestervorstandes.

Aktuelle Geschehnisse sorgten für Programmänderung

Er wandte sich angesichts der Sorge um die sich „weltweit zuspitzenden Konflikte“ mit klaren Worten ans Publikum. Es gehe darum, die Demokratie zu verteidigen. „Die Neubrandenburger Philharmonie steht mit ihren musikalischen Angeboten für ein friedvolles Miteinander. Wir verurteilen Antisemitismus, Rassismus und jede menschenverachtende Gewalt“, sagte Gnau.

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Bewusst habe man sich für eine Programmänderung entschieden, indem mit einem Satz aus der Streichersinfonie Nr. 9 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) eine weitere Komposition des wegen seiner jüdischen Wurzeln in der NS-Diktatur verfemten Komponisten gespielt werde.

Musik, die tief ins Herz trifft

Neben dieser Ansage gab es auch ein deutliches musikalisches Signal. Stargeiger Daniel Hope hatte in einem Nordkurier-Interview schon im Vorfeld Benjamin Brittens 1939 beendetes Violinkonzert als Antikriegsstück bezeichnet. Und in der Tat ist fast in jedem Takt die Intention des britischen Komponisten herauszuhören. 

Schon mit den ersten Schlägen der Pauke zu Beginn des Stückes kommt eine bedrohliche Stimmung auf, so, als wenn Krieg in der Luft liegt. Den lässt Britten dann musikalisch auch ausbrechen, indem sich Orchester und Sologeige in fortwährender Konkurrenz befinden.

Daniel Hope zu erleben ist immer wieder aufregend, auch diesmal. Es ist einfach erstaunlich, welche Melodien und Töne er aus seiner Geige herauszaubert. Das ist Musik, die tief ins Herz trifft.

Auch wenn das Werk für den einen oder anderen Klassik-Fan modern und ungewohnt klingen mag, gab es zurecht Standing Ovations. Hope bedankte sich gleich mit zwei Zugaben, so lockerte er das Publikum nach dem schweren Konzert mit einer witzigen Interpretation des Einschlafliedes „Guten Abend, gute Nacht“ auf, das den Saal sogar zum Mitsingen animierte. 

Mit traumhafter Musik den Nöten des Alltags entfliehen

Wie sollte die Philharmonie diese erste phänomenale Hälfte des Konzertes noch toppen? Das ging natürlich nicht. Aber mit der „Schottischen Sinfonie“ hatte Geiss ein kongeniales Gegenstück zum Britten-Konzert ausgewählt, das - von den Philharmonikern ebenfalls meisterhaft interpretiert - dem Publikum die Chance bot, mit traumhafter Musik den Nöten des Alltags zu entfliehen und sich auf eine Reise in den rauen Norden Großbritanniens zu begeben.  

Am Sonntag um 18 Uhr wird das Konzert noch einmal im Landestheater Neustrelitz gespielt. Interessenten können aber nur noch auf Rückgabekarten an der Abendkasse hoffen.