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Ohne Fachkunde

Kreistag wählt Psychiatrie-Besucher

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Eine Kommission, der auch Laien angehören, kontrolliert regelmäßig die zwei Einrichtungen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, in der psychische Kranke behandelt werden.
Veröffentlicht:20.02.2019, 18:47

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Wenig Ahnung zu haben, das ist die Bedingung. Der Sozialausschuss des Kreistages war aufgerufen, für die obligatorische Besuchskommission der psychiatrischen Kliniken ein neues Mitglied und dessen Stellvertreter zu wählen. Die Mitglieder der sogenannten Besuchskommission überprüfen mindestens einmal jährlich, ob die mit der Unterbringung von psychisch kranken Menschen verbundenen Aufgaben erfüllt und die Rechte der Betroffenen gewahrt werden.

Der Kommission gehören Richter, Psychiater, Sozialarbeiter, Vertreter des Interessenverbandes von Menschen mit psychischen Krankheiten an und – „einfache“ Bürger. Ausdrücklich verlangt die Ausschreibung, dass die über keine Fachkunde verfügen dürfen. Mit anderen Worten: Die sollen mit gesundem Menschenverstand urteilen. Von den Überprüfungen der Besuchskommission sind im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikums und die Klinik für Psychiatrie/Psychotherapie in Röbel betroffen. Der Sozialausschuss hat jetzt Roman Oppermann und Gritta Neumann als „Bürger ohne Fachkunde“ in die Kommission gewählt.

Besuchskommissionen haben das Recht, alle Patientenakten und Dokumentationen einzusehen. Die Prüfung soll sich nicht nur auf den Ein­zelfall beziehen, sondern auch auf die allgemeinen Behandlungsbedingungen und die ma­terielle und personelle Ausstattung. Den Mitgliedern der Besuchskommissionen ist der ungehinderte Zugang während ihres Besuchs in den Krankenhäusern zu gewäh­ren. Der Neubrandenburger Roman Oppermannn sagte, die laut Gesetz vorgeschriebenen Besucherkommissionen seien auch eine Folge der Zustände in psychiatrischen Kliniken in der DDR, in der Kontrolle fehlte. Psychiatrie brauche Öffentlichkeit, so Oppermann. So sei zum Beispiel sehr streng geregelt, wann ein psychisch kranker Patient zwangsfixiert werden dürfe. Immerhin handele es sich dabei um die Beschneidung des hohen Gutes Freiheit. Solche Maßnahmen müssten die Ausnahme bleiben.

Beklagt wurde im Sozialausschuss des Kreistages, dass im Landkreis Seenplatte der Bedarf an Plätzen in der Psychiatrie die vorhandenen Kapazitäten längst überschreitet. „Es herrscht wirklich Platzmangel“, so die Pychiatriekoordinatorin des Landkreises, Enrica Hinz. Aber es gebe Pläne für einen Anbau im Zentrum für psychische Gesundheit des Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikums.