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DDR-Geschichte

Lässt Neubrandenburg den denkmalgeschützten Stasi-Knast verfallen?

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Graffiti, wuchernde Sträucher und bröckelnder Putz – die unter Denkmalschutz stehenden Wachtürme und die Mauer des ehemaligen Stasi-Areals verfallen zusehends. 
Veröffentlicht:17.12.2023, 09:48

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Wer durch die Büsche hinterm ehemaligen Gefängnis auf dem Lindenberg entlangspaziert, kann kaum glauben, dass er an einem Denkmal der Stadt vorbeigeht. Denn die mit Graffiti zugeschmierte Mauer, die früher einmal das Gelände des Stasi-Gefängnisses auf dem Lindenberg eingrenzte, macht keinen besonders gepflegten Eindruck. Das stößt vor allem bei all jenen sauer auf, die in den bröckeligen Mauern mehr sehen als marodes Bauwerk, nämlich ein Sinnbild für die Stasi-Vergangenheit in Neubrandenburg.

Unrecht nicht vergessen

Einer von Ihnen ist Andre Rohloff von der Vereinigung der Opfer des Stalinismus. Für ihn ist das Areal auf dem Lindenberg, das ehemalige Stasi-Gefängnis sowie die Überreste der Mauern und die vier Wachtürme, eine Mahnung. "Wenn solche Orte verschwinden, vergessen wir, was dort für Unrecht geschah“, sagt er. Er wünscht sich, dass insbesondere die Türme und die Mauer, die im Besitz der Stadt Neubrandenburg sind und unter Denkmalschutz stehen, erlebbarer gemacht werden. Zum Beispiel mit Streetart, wie es auf einem Teil der Mauer zur Auffahrt des Gefängnisses realisiert wurde.

Graffiti-Schmierereien an der unter Denkmalschutz stehenden Mauer gehören leider zum Alltag.
Graffiti-Schmierereien an der unter Denkmalschutz stehenden Mauer gehören leider zum Alltag. (Foto: Henning Stallmeyer)

Ideen gebe es viele, doch die Stadt interessiere sich scheinbar nicht sonderlich für dieses spezielle Denkmal, kritisiert Rohloff. Die Mauer verfällt zusehends, Sträucher wuchern dicht an ihr entlang, teilweise biegen sich Bäume gefährlich nahe zu ihr hin. "Für mich ist das eher eine Frage der Zeit, bis hier was einstürzt“, gibt Rohloff zu bedenken. Wann immer er mit Besuchern hier herkomme, schütteln die nur verständnislos mit dem Kopf. Die Stadt habe doch eine Verantwortung gegenüber ihrem Denkmal, lautet die Kritik.

Die Stadt Neubrandenburg versichert auf Nordkurier-Nachfrage, man komme der Verkehrssicherheitspflicht durchaus nach. Der Zustand der Gesamtanlage werde regelmäßig überprüft, heißt es auf Nordkurier-Nachfrage. Jährlich wird die Baum- und Grünlandpflege im Laufe des vierten Quartals innerhalb des Areals durchgeführt. Bäume, die von außerhalb des Areals an oder auf die Mauer fallen und keine Gefahr für die Bausubstanz oder Bürgerinnen und Bürger darstellen, werden im Zuge geplanter Forstarbeiten abgestimmt und beseitigt. Diese Arbeiten finden wiederkehrend stattfinden, teilt die Stadt mit.

Neues Schloss am Zaun soll helfen

In der Stadtvertretung fragte vor geraumer Zeit bereits die AfD-Fraktion nach, wie es um die Verkehrssicherheit bestellt ist. Graffiti-Schmierereien und Vandalismus an den Türmen waren hier das Hauptaugenmerk. Da das Gelände sehr uneinsichtig ist, bleibt mutwillige Zerstörungslust leider ein Problem an dieser Stelle, bei der auch die Stadt wenig tun kann. Allerdings wurden die Zugänge zu den Türmen neu gesichert, mithilfe eines neuen Schlosses vor dem Zaun. "Das ist schon mal ein richtiger Schritt“, lobt auch Rohloff.

Die Wachtürme und die Mauer des alten Gefängnisses verfallen zusehends. Obwohl sie unter Denkmalschutz stehen. 
Die Wachtürme und die Mauer des alten Gefängnisses verfallen zusehends. Obwohl sie unter Denkmalschutz stehen.  (Foto: Henning Stallmeyer)

Die Frage, inwiefern dieses Denkmal den Bürgern noch zugänglicher gestaltet werden kann, bespricht die Stadt aktuell in der Erarbeitung eines Gedenkstättenkonzeptes. Da sich die Stadt auch in Verhandlung mit dem Land über einen Kauf des Grundstückes des Stasi-Gefängnisses befindet, soll so ein Konzept das ganzheitliche Gelände betrachten. Kritiker befürchten jedoch, dass vieles von der Originalsubstanz der Stasi-Gebäude potenziellem Wohnungsbau zum Opfer fallen könne.