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Erneuerbare Energie

Landwirte fürchten um Zukunft von Biogas

Woldegk / Lesedauer: 3 min

Biogas-Erzeuger fühlen sich vom Staat alleingelassen. Ein Bundestagsabgeordneter sagte ihnen Unterstützung zu, setzt grundsätzlich aber auf eine andere Energiequelle.
Veröffentlicht:09.12.2023, 19:01

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Auf dem Land macht sich mehr und mehr das Gefühl breit, dass die Politik die Biogas-Sparte fallenlässt: Weil von staatlicher Hilfe viel zu wenige profitieren, schlugen Mitglieder vom Energieverbund der Landwirtschaft MV in dieser Woche in Carolinenhof bei Woldegk Alarm. "Es kann nicht sein, dass wir nach 20 Jahren im Geschäft an einem Glücksspiel teilnehmen müssen, um weitermachen zu dürfen“, kritisierte Martin Zühlke von der dort ansässigen Bio Energy GmbH die strenge Deckelung von Zuschüssen.

Biogas könne Lücke zwischen Solar- und Windenergie füllen

Zudem übervorteile die Südquote Unternehmen aus dem Süden Deutschlands und müsse abgeschafft werden. Biogas-Erzeuger müssten immer wieder investieren und sehen sich steig neuer Bürokratie ausgesetzt. Dabei wolle die Nachweise am Ende keiner haben.

Dass Biogas eine vergleichsweise teure Energiequelle ist, bestreitet Zühlke nicht. Dafür sei es zuverlässig und flexibel einsetzbar. Minutengenau könne eingespeist werden. „Wir würden gerne weitermachen, aber die Politik tut nicht viel dafür“, sagte Fred Paarmann aus Techentin. Dabei könnte Biogas Energie liefern, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. „Wir können die Lücke füllen." 

Enrico Komning (links) besuchte Martin Zühlke auf dem Hof der Bio Energy GmbH bei Woldegk. Weitere Biogas-Erzeuger beteiligten sich per Videoschalte an der Diskussion.
Enrico Komning (links) besuchte Martin Zühlke auf dem Hof der Bio Energy GmbH bei Woldegk. Weitere Biogas-Erzeuger beteiligten sich per Videoschalte an der Diskussion. (Foto: Robin Peters)

Nach Einschätzung von Ines Krause, Landwirtin aus Krackow bei Penkun, wird es schwerer sein, eine Biogas-Struktur wiederaufzubauen, wenn erstmal alles kauputtgespart worden ist. Deshalb werde jetzt mehr Unterstützung gebraucht, bevor alles den Bach runtergehe. „Wir Landwirte waren und sind immer bereit, uns anzupassen.“ Schließlich habe die Energieversorgung durch Biogas Zukunft. Start-ups würden innovative Ideen entwickeln. In anderen Staaten werde der Zweig gerade vermehrt aufgebaut.

Kein Mais für Bioenergie

Zum Austausch war auch Enrico Komning (AfD), Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, aus Neubrandenburg eingeladen. „Der Staat wird seiner Aufgabe der Daseinsvorsorge immer weniger gerecht.“ Eine desolate Strukturpolitik belaste vor allem ländliche Räume. Sinnvoll sei, was sich am Markt behaupte. Komning betrachtet nach eigener Aussage die Atomkraft als den wichtigsten Energieträger der Zukunft. Trotz der extrem hohen Kosten hält der Neubrandenburger die Kernenergie für die effizienteste. Biogas ordnet Komning zwar nicht ganz oben in der Wertschöpfungskette ein, hält die Energiequelle aber für eine notwendige Ergänzung. „Wir sind für einen gesunden Energiemix.“ So sicherte Komning den Biogas-Erzeugern seine Unterstützung zu. Allerdings dürfe Maisanbau für Bioenergie nicht landwirtschaftliche Flächen für regionale Lebensmittel verdrängen. 

„In eine Biogasanlage passt mehr als nur Mais“, hielt Zühlke dagegen. Der reine Maisanbau für Biogasanlagen werde im Nordosten ohnehin weniger stark praktiziert als im Westen. Der Energieverbund setze sich in erster Linie aus Landwirten zusammen, die aus Resten, Mist oder Gülle Biogas erzeugen. „Ich bin dagegen, den einen Energielieferanten gegen den anderen auszuspielen“, sagte Ines Krause, die der Biogasproduktion aus Mais ebenso kritisch gegenübersteht.

Andere Abgeordnete waren zu diesem Termin nicht eingeladen. Der Energieverbund hatte sich an einem früheren Termin aber offenbar bereits mit dem Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor (CDU) getroffen. Andere Branchenvertreter hatten sich im November mit Johannes Arlt (SPD) im Bundestag getroffen.