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Debatte in Neubrandenburg

Laute Jugendliche – Stadtvertreter sehen Pläne skeptisch

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Die Pläne zur Schaffung von mehr Ordnung am Friedländer Tor werden in der Stadtvertretung skeptisch aufgenommen. Drei wichtige Ausschüsse sehen Nachbesserungsbedarf im Umgang mit den Jugendlichen.
Veröffentlicht:23.08.2020, 12:35

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Neubrandenburg kann seine aktuellen Pläne zur Erhöhung der Sicherheit in der Innenstadt durch präventive Projektarbeit im Bereich des Friedländer Tores vermutlich nicht durchsetzen. In gleich drei Ausschüssen der Stadtvertretung regte sich in dieser Woche teils deutlicher Widerstand, nicht nur wegen der Finanzierung, sondern auch hinsichtlich des Konzeptes. Damit ist es fraglich, ob das Papier am 10. September in der Stadtvertretung zur Abstimmung gestellt wird.

Probleme vielfältiger Art

Der Leiter des Neubrandenburger Ordnungsamtes, Jörg Schmiedel, sagte bei der Vorstellung der Pläne im Ausschuss für Generationen, Bildung und Sport, es gehe nicht darum, die Jugendlichen zu verdrängen. Im Bereich des Friedländer Tors gebe es aber Probleme vielfältiger Art, die von Graffiti und anderen Sachbeschädigungen an der denkmalgeschützten Anlage bis zu Lärmbelästigung reichten, wegen der bereits Hochzeiten im Standesamt hätten unterbrochen werden müssen. Die Stadt wolle aber gemeinsam mit den Jugendlichen Lösungen finden „und nicht gegen sie“. Nach den Worten Schmiedels wünschte sich das Rathaus von den Stadtvertretern den Auftrag, zu dem Problem „nähere Überlegungen“ anzustellen.

30 bis 40 Jugendliche am Friedländer Tor

Dieser Idee folgten die Ratsfrauen und -herren aber nicht. Der Ausschuss für Umwelt, Ordnung und Sicherheit lehnte eine Abstimmung ab und delegierte das Papier zurück an die Verwaltung. Der Finanzausschuss fasste ebenfalls kein Votum und will am kommenden Mittwoch noch mal beraten.

Der Generationenausschuss lehnte sogar geschlossen eine Verweisung ab. Dessen Mitglieder folgten damit auch einem Appell des Streetworkers Jan Glawe von der Mobilen Jugendarbeit der Caritas. „Bei der Ihnen jetzt vorliegenden Beschlussvorlage können wir nicht mitgehen, für die Jugendlichen ist da nichts rauszuholen“, sagte er vor den Stadtvertretern. Die Sozialarbeiter stünden im regelmäßigen Kontakt mit den etwa 30 bis 40 Jugendlichen, die sich am Friedländer Tor aufhielten.

Werden die Jugendlichen verdrängt?

Durch die Pläne der Stadt gehe die Verdrängung der Jugendlichen aus der Innenstadt weiter, monierte der Sozialarbeiter. Es gebe kaum noch einen Ort in der Stadt, wo Jugendliche sich aufhalten könnten. Jan Glawe kritisierte auch, dass von den einst zwölf Stellen in der mobilen Jugendarbeit nur noch vier übrig geblieben seien. Das sei angesichts von 10.000 jungen Menschen in der Stadt „nicht sachgerecht“. Glawe sprach sich für die Schaffung neuer Stellen aus. Seinen Worten nach ist das Friedländer Tor auch kein Brennpunkt. Als eine Lösung des Problems sprach er sich dafür aus, Schallschutzfenster im Standesamt einzubauen.

Ordnungsamtsleiter Jörg Schmiedel räumte ein, dass der Stellenabbau der Haushaltslage geschuldet sei. Derzeit befinde sich die Stadt noch in der Haushaltskonsolidierung. Trotz der klammen Finanzen denkt die Stadt aber darüber nach, auf dem Gelände des ehemaligen Filmpalastes am Stargarder Tor beispielsweise eine sogenannte Halfpipe für Kinder und Jugendliche herzurichten. Neubrandenburgs Integrationsbeauftragter Remo Bock sagte, es gebe bereits Gespräche mit dem Landkreis, zusätzliche Stellen für Sozialarbeiter zu 50 Prozent über EU-Mittel zu finanzieren, die restlichen Kosten könnten je zur Hälfte Stadt und Kreis übernehmen.

CDU: Stadt sollte Kosten für Sozialarbeiter tragen

Nach Einschätzung von CDU-Ausschussmitglied Günter Jeschke wäre die Stadt aber gut beraten, die Lohnkosten für zusätzliche Sozialarbeiter vollständig selbst zu tragen. Ansonsten sei eine langfristige Sicherung der Stellen langfristig nicht gegeben. Auch müssten Angebote geschaffen werden, die modern sind und die Jugendlichen mitnehmen.

Für den Fall einer Ablehnung der Beschlussvorlage für die Stadtvertretung hatte Jörg Schmiedel angekündigt, mit dem Oberbürgermeister zu besprechen, ob die Beschlussvorlage zurückgezogen wird. Die Entscheidung, ob dies der Fall sein wird, war noch offen.