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Leben wir nun in oder an der Seenplatte?

Seenplatte / Lesedauer: 4 min

An oder in der Seenplatte? Wie schreibt man das nun richtig? Eine Umfrage zeigt: Die Antwort ist klar, doch es ist trotzdem kompliziert.
Veröffentlicht:13.03.2023, 18:54

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Ein Berliner Kulturjournalist erklärte kurz vor dem Jahreswechsel in einem Radiointerview, Silvester in einem Dorf „auf der Seenplatte“ zu verbringen, um dem Lärm der Großstadt zu entfliehen. Klingt kurios, also die Wortwahl, doch eine Suche bei Google zeigt, dass selbst diese Formulierung durchaus geläufig ist. Ferienhausanbieter laden zum „Sommer auf der Seenplatte“, Wikipedia–Autoren beschreiben bekannte Seen auf ihr und ein Kanuverleih gibt Tipps zum Angeln auf ihr. Ungefähr 28.000 Treffer liefert die Suchmaschine.

Google zeigt eindeutige Ergebnisse

Massentauglicher scheinen dann aber doch die anderen Kombinationen zu sein. „An der Seenplatte“ führt bei Google zu 32.700 Ergebnissen, „in der Seenplatte“ sogar zu 48.800. Ein bisschen Mundart gefällig? „Mittenmang der Seenplatte“, was durchaus kreativ gewesen wäre, liefert leider keine Ergebnisse — zumindest bis jetzt. Mit diesem Satz ist es bald im Speicher gesetzt, auf das weitere Treffer folgen!

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Doch welche Formulierung ist nun die wirklich richtige? Wohnen die Menschen „in“ der Mecklenburgischen Seenplatte, oder „an“ ihr? Lässt sich das überhaupt so bestimmt sagen?

Vielleicht haben Schriftsteller eine Antwort. Die Regionalbibliothek Neubrandenburg hat fünf Bücher im Angebot, die „in der Mecklenburgischen Seenplatte“ im Titel tragen. Zwei Bücher beschreiben laut Titel Orte „an der Mecklenburgischen Seenplatte“. Darüber hinaus gibt es sogar noch „Sagen und Märchen von der Mecklenburgischen Seenplatte“ und Zeitzeuginnen, die in einem Buch „aus der Mecklenburgischen Seenplatte“ berichten.

Klare Antwort: Es kommt darauf an!

Was nun? Weitere Anhaltspunkte können Umfragen liefern. Auf die Frage, ob es nun in oder an heißt, stimmten Follower der Nordkurier-Accounts bei Twitter und Instagram zu jeweils mehr als 80 Prozent für „an der Seenplatte“. Gegenfrage: „Ist das ein geheimer Einbürgerungstest?“ Auch eine Idee!

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Eine Leserin namens Viviane wog ab und antwortete: „Es kommt darauf an, wovon geredet wird.“ Ihre Erklärung: „Alles, was in der Seenplatte liegt, heißt 'in'. Alles, was außerhalb liegt aber sehr dicht dran, heißt 'an'.“ Teterow liege demnach an der Seenplatte und Penzlin in der Seenplatte. In den Urlaub fährt sie nach Neustrelitz und das liege in der Seenplatte. Wenn sie nach Plau am See fahren würde, wäre es an der Seenplatte. So kann man es auch sehen.

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Eine Umfrage unter Redakteuren des Nordkurier zeigte, dass sie sich anders als die Leser entscheiden. Mit zwei Dritteln der Stimmen war „in der Seenplatte“ beliebter. Zu betonen ist allerdings, dass die Umfragen alle nicht repräsentativ sind und Vorpommern mit abstimmen durften. Eine Kollegin wog auch hier ab und meinte: „Als diplomatische Zugereiste sage ich 'in' für den Landkreis und 'an' für die Urlaubsregion.“ Art und Zweck des Aufenthalts bestimmen also die Grammatik, kommentierte ein anderer. Die Seenplatte sei eine Region, also könne man „in“ ihr sein. Die Müritz ist dagegen ein See, „an“ dem man auch sein kann, solange man nicht schwimmt.

Germanist legt sich fest, aber

Apropos Grammatik: Vielleicht kann in dieser Frage ein Sprachwissenschaftler schlichten. Und siehe da: Auf die Frage, ob er in oder an der Seenplatte wohne, antwortet Professor Carsten Gansel: „Ich würde eindeutig Ihren Lesern folgen.“ Und die stimmten in der Umfrage für „an“.

Der gebürtige Mecklenburger Gansel lehrt Neuere deutsche Literatur an der Universität Giessen und ist Vorstandsmitglied der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft. Er erklärt: „Das Determinativkompositum 'Seenplatte' meint eine Verbindung von verschiedenen Gewässern/Seen. Das ist für mich das Entscheidende. Und man kann nur an denen und nicht in denen wohnen.“

Dies sei zumindest seine Sicht, betont der Professor. Es bleibt also nicht einfach – und da sind wir noch gar nicht bei der Frage, ob es die „Mecklenburgische“ oder die „Mecklenburger“ Seenplatte ist.