Mecklenburger Maler porträtiert Kuscheltiere seit 20 Jahren
Ramelow / Lesedauer: 4 min

Silke Voß
Dieser Maler bevorzugt ganz besondere Modelle. Sie tragen mit Vorliebe Kunstpelz und können Stunden, Tage, ja Wochen pausenlos still sitzen. Ohne zu zappeln, zu reden, ja sogar zu essen. Christoph Löffler malt: Kuscheltiere!

Wer glaubt, die Viecher haben keine Seele, ist fantasielos. Sitzen sich Künstler und Kleintier Aug‘ in Glasaug‘ gegenüber, entsteht eine Art stummes Zwiegespräch. Wer warst Du? Wen hast Du getröstet in der kindlichen Nacht voller Monster? Wer hat Deine weichen Stoffarme mit Tränen vollgeweint? Und warum hast Du Dich trotzdem geduldig in die Ecke werfen lassen?
Während des Malprozesses verdienen sich die abgehalfterten Kuscheltiere Namen
Als feinsinniger Maler ist Christoph Löffler überzeugt davon, Antennen für das Vorleben seiner Modelle entwickeln zu können, erklärt der Künstler beim Tee auf dem Kanapee. Während des Malprozesses verdienen sich diese abgehalfterten Kuscheltiere Namen und werden damit zu Individuen. Tilo, Franky, Linus, Rudi, Miriam schauen den Betrachter direkt und intensiv an. Es ist, als schaue man durch einen Spiegel direkt in deren Seelenleben.

Sie bevölkern das lichte Atelier des Malers in dem kleinen Nest Ramelow bei Friedland, in das er kürzlich aus Berlin zurückgekehrt ist. Hier wirkten seine Eltern Barbara und Gottfried Löffler als Keramiker und Grafiker. Hier lernte Christoph ebenfalls das Töpferhandwerk. Manche kennen den vielseitigen Künstler auch als Mitglied der Punkband „Lilith“ und der Combo „Last Rebel“, die Hardrock von Led Zeppelin bis Black Sabbath spielten und den langweiligen Osten aufmischten.
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Malerei in Berlin-Weißensee
Im Berlin-Weißensee der 1990er Jahre dann lernte Christoph Löffler an der Kunsthochschule Malerei bei Wolfgang Peuker, der der realistischen, figürlichen Leipziger Schule verhaftet war. Daher rührt wohl sein Hang, die Öl-Lasurmalerei ähnlich wie schon die Alten Meister zu verwenden.
In edel verzierten Rahmen, Schicht um Schicht binnen mehrerer Monate geworden, erhalten die dargestellten „Persönlichkeiten“ etwas Würdiges, was im komischen Kontrast zu ihrer Herkunft steht: Pinke Massenware aus Fernost, reisgefüllte Grimassenzieher vom Trödelmarkt, ausgestopfte ausgeleierte Kobolde vom Sperrmüll, giftgrüne geschenkte Gremlins. „Manchmal habe ich zehn auf einmal am Start und es bleiben vielleicht fünf übrig“, erzählt der Mittfünfziger, dass nicht mit jedem Plüschtier „die Chemie stimmt“, und zieht aus einer Truhe voller potenzieller Modelle einen breit grinsenden Teufel.
Man muss nicht alles bierernst nehmen – so wie Christoph Löffler sein Image als Künstler ebenfalls ironisiert, indem er ein farbklexgetupftes Jackett trägt und selbst schon mal Grimassen ziehen kann. Seit nunmehr 20 Jahren porträtiert Löffler ausschließlich Kuscheltiere und kann davon gut leben, wie er sagt. Zwei Galerien vertreten seine Arbeiten, eine in Berlin, eine in Potsdam. Im kommenden Jahr sind seine Bilder in der Galerie Teterow zu sehen.

Angefangen hat es mit Kinderporträts und deren Spielzeug, bis der Maler irgendwann dachte, die Kinder kannst Du auch weglassen, weil die Stofftiere interessant genug sind. Auftragswerke habe es aber noch nicht gegeben. Die Lieblinge müssten dann auch lange entbehrt werden, denn der Mal- und Trocknungsprozess der vielen Lasuren dauert etwa ein halbes Jahr.
Eindringlicher Blick wie die Mona Lisa
Vermutlich ist Christoph Löffler der Einzige auf dem Kunstmarkt, der sich auf Kuscheltiere als Altmeisterporträts spezialisiert hat. Von allen Seiten schauen Michie, Murphy und Co. eindringlich wie die Mona Lisa auf ihren Meister und scheinen ihm zu bestätigen: Super Idee, Alter!