StartseiteRegionalNeubrandenburgGetöteter Joel – So geht es dem Tatverdächtigen im Gefängnis

Verdacht auf Totschlag

Getöteter Joel – So geht es dem Tatverdächtigen im Gefängnis

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Während die Familie Abschied von ihrem geliebten Joel (6) nimmt, sitzt der 14-jährige Tatverdächtige nun seit drei Wochen in Untersuchungshaft – unter besonderen Bedingungen. 
Veröffentlicht:18.10.2023, 05:37

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Ein Luftballon in den Farben des Regenbogens verheißt auf einem Friedhof meist nichts Gutes. Auch nicht an diesem Dienstagmittag. "Wenn ein Kind stirbt, ist das immer etwas Tragisches. In diesem Fall ist das Ausmaß der Tragödie aber wirklich verheerend“, sagt eine Pastorin.

"Hoffentlich wurde der Richtige gefasst"

Auf dem Neuen Friedhof in der Oststadt haben sich Familie, Freunde, Schaulustige und Betroffene versammelt, um über den Tod des kleinen Joel (6) zu trauern. Der Junge aus Pragsdorf war Mitte September auf brutale Art und Weise erstochen worden. Der Tatverdächtige ist ein 14-jähriger Jugendlicher, ebenfalls aus Pragsdorf. Und neben dem Opfer ist er das Hauptgesprächsthema auf dem Friedhof.

„Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was da passiert ist“, sagt einer der Trauergäste kopfschüttelnd. Er hoffe nur, die Polizei habe den Richtigen gefasst und dass dieser seine gerechte Strafe erhalte. In den sozialen Medien gehen andere sogar noch weiter und hoffen auf harte Bestrafungen des Täters. Außerdem kursieren Gerüchte im Internet, wonach der 14-Jährige von der Justiz nicht allzu viel befürchten hat.

Schulpflichtige müssen am Unterricht teilnehmen

Tatsächlich sitzt der 14-jährige Tatverdächtige derzeit seit drei Wochen in Neustrelitz in Untersuchungshaft. „Grundsätzlich werden alle Untersuchungsgefangenen einzeln untergebracht“, heißt es aus dem Justizministerium. Genaue Angaben zur Unterbringung wollte ein Ministeriumssprecher auf Nordkurier-Nachfrage jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen und verweist auf die Gesetzeslage. Die sieht vor, dass jugendliche Häftlinge in Wohngruppen untergebracht werden, zu denen neben den Hafträumen weitere Räume zur gemeinsamen Nutzung gehören. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, zum Beispiel, wenn eine gemeinsame Unterbringung von Häftlingen, schädliche Einflüsse haben könnte.

Die Polizei führten den tatverdächtigen 14-Jährigen im Fall des getöteten Joel am 26. September dem Haftrichter vor. Der ordnete Untersuchungshaft an.
Die Polizei führten den tatverdächtigen 14-Jährigen im Fall des getöteten Joel am 26. September dem Haftrichter vor. Der ordnete Untersuchungshaft an. (Foto: Archiv/Felix Gadewolz)

Das ist bei einem solchen Fall, wie dem Tatverdächtigen durchaus wahrscheinlich. Ansonsten müssen schulpflichtige Gefangene am Unterricht teilnehmen. Generell steht im Gegensatz zum Strafvollzug von Erwachsenen bei jugendlichen Häftlingen der erzieherische Aspekt im Vordergrund. Alle Maßnahmen sollen der Resozialisierung des Straftäters dienen. Gefangene im Jugendalter haben Anrecht auf mindestens vier Stunden Besuchszeit im Monat und ein angemessenes Freizeitangebot. Der Besitz von elektronischen Geräten oder Medien kann hingegen untersagt werden.

Weitere Vorwürfe gegen Inhaftierten

Bislang schweigt der 14-jährige Tatverdächtige hartnäckig zu den Vorwürfen. Die Polizei ermittelt weiter in dem Fall und die Staatsanwaltschaft bereitet eine Anklage wegen Totschlags oder sogar Mordes vor. Dafür entscheidend wird auch ein psychologisches Gutachten sein, dass derzeit erstellt wird. Im Falle einer Anklage wegen Mord oder Totschlag blüht dem Tatverdächtigen eine Höchststrafe von maximal zehn Jahren Gefängnis.

Die Anwältin der Opferfamilie sagte am Dienstag Journalisten, dass der Tatverdächtige in der Vergangenheit auch den Bruder des Opfers geschlagen habe. Aus Angst vor Vergeltung schwieg Joels Bruder zu Hause aber. Nach Joels Tod soll er dies aber bei der Polizei ausgesagt haben. Die Kriminalpolizei wollte sich zu diesen neuen Vorwürfen gegen den Verdächtigen nicht äußern.

Mehr dazu: Hat der Verdächtige den Bruder von Joel (6) angegriffen?