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Kommunalpolitik

Nach CSD-Pöbeleien steht Neubrandenburger Polit-Neuling im Abseits

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Tim Großmüller, der für die „Bürger für Neubrandenburg“ Politik machen wollte, hatte mit markigen Worten für Empörung gesorgt. Nun kam es zum Bruch mit seiner Fraktion.
Veröffentlicht:24.08.2023, 06:45

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Die Fraktion von Bürger für Neubrandenburg (BfN) und ihr in die Kritik geratenes Mitglied Tim Großmüller gehen getrennte Wege. Die BfN-Fraktion machte das am Mittwoch zuerst öffentlich, indem sie ein Bild von der Fraktion veröffentlichte, auf dem der Neubrandenburger Unternehmer unkenntlich gemacht wurde.

Mit scharfer Kritik an Silvio Witt profiliert

Großmüller war zuletzt mit etlichen Beiträgen in den sozialen Netzwerken aufgefallen, in denen er sich unter anderem kritisch über die Präsenz der Regenbogenflagge in der Öffentlichkeit sowie über Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) äußerte. Auch einige öffentliche Aktivitäten im Rahmen des Christopher Street Day (CSD) in Neubrandenburg hatte er angeprangert.

Die BfN-Fraktionsvorsitzende Diana Kuhk sagte, Tim Großmüller sei über mehrere Monate in der Fraktion Bürger für Neubrandenburg aktiv gewesen wie weitere Interessierte auch. Das „Schnuppern“ in die Fraktionsarbeit diene dazu, einerseits die Fraktion und ihre Arbeit kennenzulernen und andererseits zu prüfen, ob sich der Interessierte „eine kommunalpolitische Tätigkeit innerhalb unserer Fraktion“ vorstellen könne.

Fraktion spricht von fehlender bilateraler Basis

Auf der jüngsten Fraktionssitzung sei laut Kuhk festgestellt worden, dass es eine „solche bilaterale Basis“ in dem konkreten Fall nicht gibt. Da Tim Großmüller weder Stadtvertreter noch sachkundiger Einwohner sei, ergebe sich rein formal für die Fraktion keine Änderung. Zu dem retuschierten Foto sagte Diana Kuhk, Tim Großmüller habe darum gebeten, von den sozialen Profilen der Fraktion entfernt zu werden. „Diesem Wunsch haben wir entsprochen.“

Tim Großmüller hat eine etwas andere Sichtweise. Für ihn seien in der BfN-Fraktion „die demokratischen Züge“ nicht mehr gegeben, sagte der Unternehmer auf Nordkurier-Anfrage. Ihm sei gesagt worden, dass man inhaltlich seine Meinung teile, nach außen hin habe aber die Linksfraktion verlangt, dass eine weitere Zusammenarbeit nur erfolge, wenn sich die Fraktion inhaltlich von seinen Aussagen distanziere. „Da stehe ich auf und gehe los.“ Kuhk erklärte zu diesem Punkt auf Nachfrage, die Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen entscheide sich immer an Sachthemen.

Toni Jaschinski, Chef der Linksfraktion, sagte, in den vergangenen Tagen habe es unter anderem im Zusammenhang mit dem Neubrandenburger Christopher Street Day sehr „unschöne Formulierungen“ in sozialen Netzwerken geben, an denen auch Tim Großmüller beteiligt gewesen sei. Daraufhin habe die Fraktion den Stadtpräsidenten Jan Kuhnert (parteilos/Linksfraktion) ersucht, das Gespräch zu führen, mit dem Ziel, von der BfN eine Klarstellung zu erhalten. Anderenfalls wolle die Linksfraktion öffentlich machen, dass sie mit der Art und Weise der Kommunikation „nicht einverstanden“ sei.

Nun will er eine eigene Bürgerbewegung gründen

Tim Großmüller will jetzt eine eigene Bürgerbewegung ins Leben rufen unter dem Namen „Stabile Bürger für Neubrandenburg“. Diese solle als „einzig wahre Bürgerbewegung“ in Neubrandenburg für „stabile Ordnung, stabile Werte und stabile Sicherheit“ stehen.

Den indirekten Vorwurf von Oberbürgermeister Silvio Witt, er verwende „Nazi-Sprech“ mit Äußerungen wie „Möchtegerndemokrat“, wies Tim Großmüller als „diffamierend“ und falsch zurück. Gleichwohl legte er in den sozialen Medien nach und bezeichnete den Rathauschef als „Regenbogenbürgermeister“ und als „Witz“.

Großmüllers nun blau unterlegtes Motto „Wir holen uns die Stadt zurück“ hat der AfD–Bundestagsabgeordnete Enrico Komning mit „Wahlfarbe BLAU ist gut!“ gelobt. Tim Großmüller will sich nach eigenen Worten aber nicht vereinnahmen oder politisch einordnen lassen mit seiner Bürgerbewegung. Im Fall eines Einzugs in die Stadtvertretung würde er nach eigener Darstellung sowohl mit AfD, Linken oder CDU stimmen, sofern deren Anträge gut seien. Einzig eine Zusammenarbeit mit Bündnis 90/Die Grünen schließt er kategorisch aus.