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Stadtvertretung

Neubrandenburger fordern ICE-taugliche Bahnsteige

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Vor fünf Jahren wurden die Bahnsteige in Neubrandenburg verkürzt, jetzt will das Land sie wieder verlängern. Doch die Pläne reichen der Stadtvertretung nicht aus.
Veröffentlicht:11.11.2023, 06:10

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Über die Kürze der Neubrandenburger Bahnsteige wird seit Langem diskutiert. Jetzt allerdings mit neuem Nachdruck. Erst 2018 wurden sie saniert und auf 140 Meter zurückgebaut. Im Sommer konnten XL-Regionalzüge dadurch nicht in Neubrandenburg halten, sondern fuhren nur durch den Bahnhof hindurch. Jetzt fordert die Stadtvertretung fraktionsübergreifend, dass die Bahnsteige wieder auf 210 Meter verlängert werden, damit der Schienen-Fernverkehr nicht weiter nur durch bzw. an der drittgrößten Stadt des Landes vorbei rollt. 

Land will nur 170 Meter

Neuen Dampf in die Debatte bringt der geplante Ausbau der Fernverkehrsstrecke zwischen Berlin und Stralsund. Mit der Maßnahme will der Bund für mehr Akzeptanz des LNG-Terminals bei Rügen sorgen. Doch diese Linie nimmt nicht die kürzere Strecke über das Oberzentrum Neubrandenburg, sondern die längere durch die knapp 10.000 Einwohner große Stadt Pasewalk. Die Bahnsteige in Neubrandenburg sind für Fernverkehrszüge 70 Meter zu kurz. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hatte zwar jüngst angekündigt, die Bahnsteige auf 170 Meter zu verlängern. Doch das reiche nicht aus, kritisierte Rainer Kirchhefer, Fraktionsvorsitzender der Neubrandenburger Grünen, in der Stadtvertretung. Mit der geplanten Verlängerung könne nur eine begrenzte Zahl an Zügen halten ‐ ICE und andere Fernverkehrszüge gehören nicht dazu. Dafür fehlten dann weiterhin 40 Meter Bahnsteiglänge. 

Dabei sei im März 2013 in der Stadtvertretung beschlossen worden, dass in Neubrandenburg zumindest ein Bahnsteig für den Fernverkehr erhalten bleibe, sagte Kirchhefer. Auch im Koalitionsvertrag habe die Landesregierung damals festgehalten, dass jedes Oberzentrum an den Fernverkehr angeschlossen sein sollte. Jegliche Einwände bei der Verkürzung der Bahnsteige seien von der Bahn allerdings mit dem Versprechen abgelehnt worden, dass bei Bedarf die Bahnsteige wieder verlängert werden könnten. An diesem Punkt stehe man nun. „Übervolle Regionalexpresszüge des letzten Sommers haben den Bedarf an längeren Zügen überdeutlich gemacht“, unterstrich Kirchhefer.

Alles nur Wahlkampf?

Simone Barthel (Bürger für Neubrandenburg) warf den Grünen vor, mit der Vorlage Wahlkampf für die Kommunalwahl 2024 zu betreiben. Die Zuständigkeit liege beim Landtag und dafür müsse sich die Landtagsabgeordnete und Neubrandenburger Ratsfrau Jutta Wegner (Bündnis 90/Die Grünen) im Landtag einsetzen, kritisierte Barthel. Robert Schnell (AfD) sprach sich für den Antrag der Grünen aus. Es sei praktisch, wenn dadurch Touristen aus anderen Städten kämen. Gleichzeitig forderte er auch Unterstützung der Grünen für den Ausbau von weiteren Verkehrsinfrastrukturen wie der Bundesstraße 96 oder dem Flughafen Trollenhagen. Bislang würden die Grünen dies blockieren, bemängelte Schnell.   

Den Wahlkampf-Vorwurf wies der Grünen-Fraktionschef zurück. Das Thema sei aktuell, weswegen seine Fraktion es in die Stadtvertretung eingebracht habe, damit der Bahnsteig länger werde als vom Land geplant. Im Landtag habe Jutta Wegner erfolglos versucht, sich für die Bahnsteiglänge einzusetzen. Der Vorschlag wurde von der Landesregierung abgelehnt. 

In der Stadtvertretung bekamen die Grünen für ihren Vorstoß einstimmig Rückendeckung. Mit der Beschlussvorlage der Fraktion unterstützt die Stadtvertretung die Verlängerung der Bahnsteige und fordert den Ausbau der Bahnsteige auf 210 Meter. Ebenfalls wird Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) dazu aufgefordert, sich bei der Landesregierung und der Deutschen Bahn für eine größere Bahnsteiglänge einzusetzen.