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DEFA-Film

Neubrandenburger und Neustrelitzer Hauptdarsteller von DDR-Film gesucht

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Junge Filmhelden aus Mecklenburg-Vorpommern spielten immer wieder Hauptrollen in DEFA-Produktionen. So etwa auch im Streifen „Kaule“. Die Kinder von damals werden nun gesucht.
Veröffentlicht:24.01.2024, 17:56

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Vor 60 Jahren feierte der Film „Lütt Matten und die weiße Muschel“ im Berliner Kino „Kosmos“ Premiere. Im Interview mit dem Nordkurier erinnerte sich jüngst Heike Kahl sehr lebhaft daran, als seinerzeit der auf Hiddensee unter der Regie von Herrmann Zschoche gedrehte Streifen erstmals vor Publikum über die Leinwand flimmerte.

Dreharbeiten waren „riesengroßes Ferienmärchen“

„Aufregend und außergewöhnlich“ sei diese Vorführung für sie gewesen, blickt die gebürtige Rostockerin zurück, die an der Seite von Lütt Matten (Lutz Bosselmann) das Mädchen Mariken spielte. Gern denke sie auch an die Dreharbeiten in jenem Sommer zurück, der sich für die damals Achtjährige wie ein „riesengroßes Ferienmärchen“ angefühlt habe.

Umso mehr freue sie sich, wie viele Menschen sie gerade in den vergangenen Tagen und Wochen daraufhin angesprochen hätten. „Ich bin erstaunt, wie tief dieser Film bei den Menschen verankert ist“, so die 68-Jährige. Einige hätten sogar den Anlass genutzt, um sie nach 30, 40 Jahren wiederzufinden. „Dabei sind ganz berührende Begegnungen zustande gekommen“, erzählt Heike Kahl.

Hartmut Schwerdtfeger als Kaule in dem gleichnamigen DEFA-Film, der in den Hauptrollen mit Kindern aus Neustrelitz und Neubrandenburg besetzt war.
Hartmut Schwerdtfeger als Kaule in dem gleichnamigen DEFA-Film, der in den Hauptrollen mit Kindern aus Neustrelitz und Neubrandenburg besetzt war. (Foto: DEFA-Stiftung/Meister, Erkens, Zillmer)

Mindestens ebenso erfreut war sie zu hören, dass es gelungen war, Günter Kollwitz ausfindig zu machen, der seinerzeit den Kaule-Darsteller Joachim Krause synchronisiert hatte. Der Nordkurier erreichte den Fischer aus Vitte telefonisch beim Netze flicken. Der heute 72-Jährige stammt aus einer alteingesessenen Fischerfamilie auf Hiddensee.

Alle Jungs der Schule mussten für DEFA vorsprechen

Sein Großvater fuhr noch mit dem Zeesenboot hinaus, das der Vater später übernahm. Über die Dreharbeiten erzählt Günter Kollwitz: „Damals ging ich in die fünfte Klasse. Die Leute von der DEFA kamen in unsere Schule. Alle Jungs sollten vorsprechen. Mich haben sie ausgesucht. Ich wurde extra ins DEFA-Studio nach Babelsberg geholt und kann mich noch gut an das große Mikrofon erinnern, in das ich reingesprochen habe.“

Auf die Frage, nach dem Leben auf Hiddensee antwortet Kollwitz, der heute noch wie einst seine Vorfahren zum Fischen auf den Bodden hinausfährt, „das Wohnen auf einer Insel muss man gelassen nehmen“.

Überrascht von der Resonanz zeigte sich auch Philip Zengel von der DEFA-Stiftung in Berlin. Vieles mehr noch gäbe es über diesen Film zu erzählen, so der gebürtige Schweriner, der im Archiv fündig geworden war und das alte Progress-Presseheft zum Film entdeckt hatte.

Schauspieler schlug alle anderen Angebote aus

Darin sei vermerkt, dass Erik S. Klein (1926-2002) als Vater von Lütt Matten für diese, seine erste Rolle in einem Kinderfilm, alle anderen Angebote ausgeschlagen hatte. „Und weil er außerdem noch mehrere Tage in der Woche im Deutschen Theater Berlin spielte, fuhr der Schauspieler sechs Stunden zum Drehort nach Hiddensee, um am nächsten Tag wiederum bei Fernseharbeiten vor der Kamera zu stehen.“

Auch das Filmbuch „Stilles Land und großes Kino“ (Marco Voss, Hinstorff Verlag Rostock, 2015) widmete „Lütt Matten“ einige Zeilen, aus denen hervorgeht, dass Film-Ausstatterin Maya Löffler, die 1979 in Vitte den Fotoladen der Inselfotografin Ilse Ebel übernahm, zahlreiche Aufnahmen von DEFA-Kollegen auf Hiddensee machte.
Bekannt sei zudem, dass der Autor Benno Pludra (Bootsmann auf der Scholle, 1959/Die Reise nach Sundevit, 1965, etc.) jeden Sommer mit der „Mobby Dick“ vor Hiddensee segelte.

Heike Kahl, erstaunt, nach all den Jahren noch so viel Neues über den Film zu erfahren, dürfte sich nun zusammen mit anderen Cineasten, wie etwa dem Wittenborner Verein mit der „Kinokirche“, darüber freuen, dass ein weiterer spannender DEFA-Film aus den Tiefen des Archivs geholt wurde: „Kaule“ (Regisseur Rainer Bär, 1967).

Neustrelitzer und Neubrandenburger Kinder in den Hauptrollen

„Der Film, der ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern gedreht wurde, und in den Hauptrollen mit Kindern aus Neustrelitz und Neubrandenburg besetzt war, wird gegenwärtig von der DEFA-Stiftung digital restauriert“, verrät Philip Zengel schon mal vorab. Geplant sei eine Wiederaufführung zum nächsten Filmkunstfest in Mecklenburg-Vorpommern Anfang Mai in Schwerin.

„Lütt Matten und die weiße Muschel“ wurde vor 60 Jahren erstmals im Kinderbuchverlag Berlin verlegt und unter der Regie von Herrmann Zschoche verfilmt. 
„Lütt Matten und die weiße Muschel“ wurde vor 60 Jahren erstmals im Kinderbuchverlag Berlin verlegt und unter der Regie von Herrmann Zschoche verfilmt.  (Foto: ZVG)

„Wenn möglich, möchte das Festival die damals jungen Filmhelden zur Vorführung einladen“, so der 32-Jährige weiter. Dafür müssten sie jedoch erst gefunden werden. Das erhoffe er sich nun mit ebendiesem Nordkurier-Aufruf. „Ich freue mich über jeden, der sich bei uns meldet und bin gespannt auf weitere neue Lebensgeschichten, vielleicht ähnlich der von Heike Kahl alias ,Mariken’.“

Kontakt: Philip Zengel, DEFA-Stiftung: E-Mail: [email protected], Telefon: 030 29784817