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Neubrandenburger Verkehrsexperte mit Vorschlag zum Tempolimit

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Vor allem, um den Schilderwald in Ortschaften zu lichten, hat der Neubrandenburger Verkehrsexperte und frühere Hochschulprofessor Wolfgang Heilmann einige Vorschläge.
Veröffentlicht:06.02.2024, 17:46

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An den Temporegelungen innerhalb von Ortschaften scheiden sich die Geister: Sollten höchstens 30 km/h zulässig sein, im Interesse von Sicherheit und Verkehrsberuhigung? Oder doch die gewohnten 50 Stundenkilometer für einen besseren Verkehrsfluss?  Oder je nach Situation, was allerdings reichliche Beschilderung erfordern würde?

Gerade das muss es aber nicht, findet Prof. Wolfgang Heilmann. Schon während seiner Hochschullaufbahn an den Bauingenieur-Studiengängen in Neubrandenburg und Wismar intensiv mit Konzepten für Straßenplanung und Ampelschaltungen befasst, bleibt der Verkehrsexperte auch im Ruhestand eng am Thema.

Nachdem eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes im vorigen Jahr den Boden bereitete für Neuregelungen in der Straßenverkehrsordnung (StVO), bringt der 70-Jährige nun zielstrebig Vorschläge ein, die sowohl dem Verkehrsfluss dienen als auch Schilderwälder lichten sollen. 

Autofahrer mögen's lieber schneller als kürzer

Dabei zeigt sich Heilmann durchaus als Befürworter von Tempo 30 in Ortschaften – jedenfalls in Wohngegenden. Hauptstraßen hingegen müssten „attraktiv“ bleiben, fordert er. Denn Autofahrer gäben erfahrungsgemäß meist der Zeit-Optimierung den Vorzug vor der Weg-Optimierung, sprich: „Wenn sie auf den Hauptstraßen nicht zügiger vorankommen als im Wohngebiet, benutzen sie die Schleichwege, wo wir sie doch aber nicht haben wollen.“ Dass daher auf Hauptstraße 50 km/h gelten sollten, darin seien sich Fachleute wohl bundesweit einig. 

Müsste also schilderreich verdeutlicht werden, wo 50 oder 30 gelten? Eben nicht, wendet Wolfgang Heilmann ein. Er setzt darauf, die zulässige Höchstgeschwindigkeit durch die Fahrbahnmarkierung sichtbar zu machen. In Tempo-30-Bereichen sähen die geltenden Richtlinien eine Mittelmarkierung nicht vor. Überall dort, wo es eine solche Linie gebe, wären somit 50 km/h gestattet. „Zigtausend Schilder könnten abmontiert werden, wenn Tempo 30 durchgängig in Wohngebieten gilt, wobei sich eine Mittelmarkierung erübrigt. Und an vorhandenen Linien könnten Fahrer sehen, wo sie 50 fahren dürfen.“

Markierung als Hinweis in Nachbarländern erprobt

In Nachbarländern werde bereits erfolgreich das Parken durch farblich gekennzeichneten Bordstein geregelt: In den Niederlanden etwa darf an blauen Bordsteinkanten mit Parkscheibe geparkt werden, an gelbem Bordstein hingegen besteht Parkverbot. So wie eine durchgezogene Mittellinie ein Überholverbot anzeige, könne die Mittelmarkierung also als Signal für die zulässige Höchstgeschwindigkeit dienen, argumentiert der Neubrandenburger.  

Sollten in Ortschaften 50 oder 30 km/h gelten? Der Neubrandenburger Verkehrsexperte Wolfgang Heilmann hat genaue Vorstellungen, wie zulässige Geschwindigkeiten eindeutig geregelt werden könnten.
Sollten in Ortschaften 50 oder 30 km/h gelten? Der Neubrandenburger Verkehrsexperte Wolfgang Heilmann hat genaue Vorstellungen, wie zulässige Geschwindigkeiten eindeutig geregelt werden könnten. (Foto: Markus Führer)

Die Entscheidung über das Tempolimit auf örtlichen Straßen läge wie gehabt in kommunaler Hand, betont er. Dabei seien aber auch die bisherigen Restriktionen in Tempo-30-Zonen zu überdenken, etwa die Maßgabe, dass Zebrastreifen dort „entbehrlich“ seien. 

Erfolgsaussicht wie einst beim Kreisverkehr?

In Schreiben an das Bundesverkehrs- und -justizministerium, aber auch an die Forschungsgesellschaft Straßen- und Verkehrswesen sowie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat Prof. Heilmann seinen Vorschlag für die StVO formuliert. Dass so eine grundlegende Änderung viel Zeit brauchen werde, um sich durchzusetzen, ist ihm dabei bewusst.

So kennt er’s auch schon von der Entwicklung der Kreisverkehre, die vor 30 Jahren, als er nach Neubrandenburg kam, noch Seltenheitswert hatten. Seit er um die Jahrtausendwende Erfahrungen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern bündelte, gelten sie mittlerweile flächendeckend als Heilsbringer für den Verkehrsfluss, wo früher an Ampelkreuzungen gewartet werden musste. Kein Hehl macht der Verkehrsexperte indessen aus seinem alten Traum, am dreispurigen Einbahn-Ring seiner Wahlheimat Neubrandenburg Abbiegemöglichkeiten zu schaffen, damit Autofahrer ohne Beinahe-Umrundung von der Neustrelitzer in Richtung Rostocker Straße oder von der Demminer in Richtung Oststadt gelangen können. 

Und ja, noch immer werde Verkehrsplanung in erster Linie aus Autofahrer-Sicht gedacht, räumt er ein. Allmählich immerhin entwickle sich auch der Blick auf den Radverkehr – übrigens ebenfalls mit dem Vorbild Niederlande.