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Baugrundstücke

Neuwoges will Land vom Aufsichtsrats-Chef kaufen

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Stadt und Wohnungsgesellschaft Neuwoges wollen ein neues Wohngebiet in Neubrandenburg erschließen. Dafür kauft das Unternehmen 16,5 Hektar Land – von einer bekannten Person.
Veröffentlicht:16.01.2021, 19:19

Von:
  • Mirko Hertrich
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Die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft Neuwoges will ein neues Wohngebiet erschließen, damit sich mehr Menschen in der Vier-Tore-Stadt den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können. Mit dem Bebauungsplan Nr. 128 „Weitin Hollerbusch“ wurden jetzt die Weichen für die Wohngebietsentwicklung auf der Fläche neben dem Wohngebiet Malerviertel gestellt.

Dafür will das kommunale Unternehmen Land erwerben. „Wir beabsichtigen in Kürze etwa 16,5 Hektar in dem besagten B-Plan-Areal anzukaufen, so dass wir im Zuge des laufenden Aufstellungsverfahrens die notwendigen Abstimmungen und Vorplanungen gemeinsam mit der Stadtverwaltung realisieren können“, kündigte jetzt Michael Wendelstorf, Geschäftsführer der Neuwoges, an.

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Verkäufer kein Unbekannter

Einer der Verkäufer ist bei der Neuwoges allerdings kein Unbekannter. Wie die Wohnungsgesellschaft gleichzeitig mitteilt, gehört ein größerer Grundstücksanteil der Agrargesellschaft Chemnitz mbH. Einer der Geschäftsführer dort ist Toni Jaschinski. Der Kommunalpolitiker von Die Linke ist gleichzeitig seit 2014 Aufsichtsratsvorsitzender der Neuwoges und in der Stadtvertretung Chef der Linksfraktion.

Die Ratsfrauen und -herren sollen jetzt auch über den Grundstücksdeal entscheiden. „Uns ist an größtmöglicher Transparenz gelegen und daher haben wir einen der Ankäufe in Abstimmung mit der Verkäuferin und unserem Aufsichtsrat sowie der Stadt als unsere Gesellschafterin in die Stadtvertretung eingebracht“, sagte Wendelstorf.

„Wir wollen gar nicht erst falsche Zungenschläge oder Mutmaßungen aufkommen lassen und halten die Befassung der Stadtvertretung mit dem Ankaufsvorgang daher für den richtigen Weg“, betonte der Geschäftsführer. Selbstverständlich erfolge der Ankauf zu „marktüblichen Konditionen“.

Großer Teil der Eigentümer hat nicht verkauft

Laut Neuwoges ist der überwiegende Teil der Eigentümer der Grundstücke dem Angebot nicht gefolgt und habe einen Ankauf zu diesen Konditionen abgesagt. Das gesamte B-Plan-Gebiet besteht aus 31 Grundstücken mit insgesamt rund 36 Hektar Fläche, die insgesamt 25 verschiedenen Eigentümern gehören.

In der Absage einiger Eigentümer sieht das städtische Unternehmen nach eigenen Angaben aber kein Hindernis, da die Erschließung mit den nun geplanten Ankäufen einer zusammenhängenden Fläche „optimal erfolgen kann und ausreichend Platz für bis zu 200 Verkaufsgrundstücke hergibt“. Die ersten Grundstücke sollen 2024 bebaut werden.

Kontrolle der Geschäftsführung

Aufsichtsräte haben grundsätzlich die Funktion eines Kontrollorgans der Geschäftsführung. Bei der Neuwoges entschied das Gremium unter der Führung Jaschinskis unter anderem im Frühjahr 2020, dass Neuwoges-Geschäftsführer Frank Benischke für die nicht korrekt abgerechnete Vermietung von Räumen an den damals von ihm geführten Neubrandenburger CDU-Ortsverein 21.000 Euro Schadenersatz zahlen musste. Zudem erhielt er eine Abmahnung.

Die Stadtvertretung verzichtete mit der Mehrheit von CDU, Linke und AfD daraufhin, über die von Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) angestrebte fristlose Entlassung des 57-jährigen Managers zu entscheiden, dessen Vertrag jüngst bis Sommer 2026 verlängert wurde.

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