StartseiteRegionalNeubrandenburgPachtvertrag bremst Umbau am Tierheim Altentreptow aus

Akuter Platzmangel

Pachtvertrag bremst Umbau am Tierheim Altentreptow aus

Altentreptow / Lesedauer: 5 min

Der Altentreptower Tierschutzverein braucht dringend mehr Platz. Eine Stiftung würde Geld geben, stellt jedoch eine Bedingung, die erst rechtlich geprüft werden muss. 
Veröffentlicht:14.03.2023, 05:54

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Mit geschätzten Kosten von über einer Million Euro ist der geplante Umbau der Scheune neben dem Tierheim alles andere als ein Pappenstiel für den Altentreptower Tierschutzverein. Als Verpächter hatte die Stadt in der Vergangenheit zwar schon ordentlich Geld in die Hand genommen, um das Gebäude wenigstens von außen wieder flott zu machen, aber die dringend erforderliche Sanierung des Innenbereichs konnte bislang nicht angegangen werden.

Masse an Fundkatzen bereitet zunehmend Probleme

„Wir brauchen aber auf Dauer einfach mehr Platz, damit sich die Arbeits– und Unterbringungsbedingungen verbessern. Es muss jetzt dringend was passieren“, machte Tierheimleiterin Silke Greier beim jüngsten Hauptausschuss den Ernst der Lage deutlich. Gemeinsam mit der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Andrea Brämer nutzte sie die Einwohnerfragestunde, um Stadtpolitik und Verwaltung erneut auf dieses altbekannte Problem aufmerksam zu machen. 

Gerade die drastisch gestiegene Zahl an Fundkatzen bereitet den Tierschützern zunehmend Kopfzerbrechen. „Wir werden förmlich überrannt“, brachte es Brämer auf den Punkt. So wurden im letzten Jahr 90 Samtpfoten aufgenommen, obwohl höchstens 28 vorgesehen sind. Gerade im Frühjahr, wenn noch die Muttertiere mit ihren Kitten hinzukommen, herrscht im Tierheim am Klosterberg Ausnahmezustand. „Unsere Kapazitäten sind regelmäßig erschöpft. Es gibt strenge Auflagen, die auch vom Veterinäramt kontrolliert werden. Wir dürfen und wollen auch nicht beliebig viele Katzen zusammen auf engstem Raum in einen Käfig einsperren“, betonte die stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Tierheimgebäude hat nicht mal eine Personaltoilette

Wenn die Scheune zusätzlich genutzt werden könnte, würde das für Mensch und Tier eine enorme Entlastung mit sich bringen. Schon allein, was die Reinigung betrifft. „Wenn wir jetzt einmal mit allen Boxen durch sind, können wir gleich wieder von vorne anfangen. Das ist kein Zustand“, verdeutlicht Greier. Ebenso wenig für die Mitarbeiter. In dem Tierheimgebäude gibt es noch nicht mal eine eigene Personaltoilette. Das Bad ist vielmehr ein Durchgangsraum, in dem auch Wäsche gewaschen und Katzenklos gesäubert werden. Ansonsten spielt sich der ganze Arbeitsalltag in der Futterküche ab. Hier werden Futter gelagert, Büroarbeiten erledigt, Frühstück gegessen und sogar tierärztliche Behandlungen durchgeführt, eben weil es keine Alternative gibt — eine Situation, die so nicht länger hinnehmbar ist. 

Deshalb hatte der Tierschutzverein bereits 2021 den Kontakt zur gemeinnützigen Klara–Samariter–Stiftung aus Schleswig–Holstein gesucht, die auch schon einige andere Tierheim–Projekte in Mecklenburg–Vorpommern mit unterstützt hat. Sie käme jedoch nicht für die kompletten Sanierungskosten auf, sondern würde bei der erhofften 90–prozentigen Zuwendung über die Tierheimförderrichtlinie des Landes, den Eigenanteil und die Planungskosten für den Architekten übernehmen. „Wir haben auch schon ein Ingenieurbüro gefunden, das sich bereit erklärt hat, nach unseren Vorstellungen ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten“, sagte Andrea Brämer.

Stiftung fordert Pachtvertrag für 50 Jahre

Doch um von der in Aussicht gestellten Finanzspritze überhaupt profitieren zu können, muss eine entscheidende Bedingung erfüllt sein. So ist der Verein von der Stiftung dazu aufgefordert worden, für das Gelände einen Pachtvertrag mit der Stadt über eine Laufzeit von 50 Jahren abzuschließen. Der aktuelle Pachtvertrag wurde 2018 für zwölf Jahre geschlossen und läuft somit noch bis 2030, mit der Option jeweils um ein weiteres Jahr verlängert zu werden.

Tierheimleiterin Silke Greier hofft, dass die Stadtvertretung der Änderung des Pachtvertrages zustimmt. (Archivbild)
Tierheimleiterin Silke Greier hofft, dass die Stadtvertretung der Änderung des Pachtvertrages zustimmt. (Archivbild) (Foto: Kai Horstmann)

„Das ist schon sehr ungewöhnlich und läuft schon fast auf einen Erbbaupachtvertrag hinaus. Gibt es wirklich keine andere Option, um an das Geld zu kommen?“, wollte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Thomas Kraft von den Tierschützern wissen. Doch die Antwort fiel ernüchternd aus. „Leider nein. Als Investor möchte die Stiftung bei so einem Millionenprojekt einfach auf Nummer sicher gehen. Bis die Scheune fertig ausgebaut ist, werden garantiert zwei bis drei Jahre vergehen“, begründete Silke Greier den gewünschten Nachweis.

Stadtverwaltung soll prüfen, ob Langzeit–Pachtvertrag rechtlich möglich ist

Auch Heiko Werner (SPD) hatte da so seine Bedenken. „Wer garantiert uns denn, dass der Verein auf ehrenamtlicher Basis noch in 50 Jahren an dem Standort existiert? Sonst nützt ein neuer Pachtvertrag auch nichts“, fand Werner. Doch die Frauen vom Tierheim blicken der Zukunft der Einrichtung nicht ganz so pessimistisch entgegen. „Wir sind jetzt schon 25 Jahre in Altentreptow angesiedelt, Tierschutz wird auch in Zukunft ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft bleiben. Einige Leute, die mithelfen wollen, finden sich immer“, entgegnete Silke Greier. Ein Punkt, der von den Mitgliedern der Altentreptower Wählergemeinschaft vom Grundsatz her geteilt wird, sofern die Stiftung bei ihrem Angebot bleibt.

Stadtvertreter Gerhard Quast merkte jedoch an, dass die Stadt dem Verein nur entgegenkommen kann, wenn es der Gesetzgeber erlaubt. „Deswegen schlage ich vor, dass die Verwaltung in Abstimmung mit der Kommunalaufsicht prüfen lässt, ob so ein langfristiger Vertrag rechtlich gesehen überhaupt möglich ist“, so Quast. Wie Bürgermeisterin Claudia Ellgoth sagte, könnte es dazu eventuell schon im nächsten Hauptausschuss eine konkrete Aussage geben. Fakt ist aber, dass so schnell kein Geld von der Stiftung an den Tierschutzverein fließen wird. Bis 2024 sind die zur Verfügung stehenden Mittel längst verplant.