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Grausames Verbrechen

Prozess um Tod von Joel (6) – Eltern hoffen auf Aussage von Angeklagtem

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Vor fünf Monaten wurde Joel in Pragsdorf getötet. Seitdem rätseln seine Eltern, wie es zu der Gewalttat kommen konnte. Bringt der Prozess, der nun startet, Klarheit?
Veröffentlicht:12.02.2024, 08:07

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Die Eltern des getöteten Joel aus Pragsdorf erhoffen sich von dem am Dienstag beginnenden Totschlag-Prozess am Landgericht Neubrandenburg endlich mehr Klarheit.

Eltern nehmen als Nebenkläger am Prozess teil

„Wir hoffen, dass sich der 14-jährige Tatverdächtige - hinter verschlossenen Türen - endlich zu den Umständen von damals äußert“, sagte Anwältin Christine Habetha, die in dem Verfahren die Familie von Joel als Nebenkläger vertritt, dem Nordkurier.

Die Mutter und der Vater des Opfers dürften als Nebenkläger an dem Verfahren teilnehmen, auch wenn sie als Zeugen gehört werden sollen. Es sei für die Eltern „sehr bedrückend, dass sich der 14-Jährige bisher gar nicht geäußert hat“.

Der Beschuldigte, der damals im gleichen Dorf wohnte, soll das Opfer am 14. September 2023 in einem Gebüsch am Bolzplatz an einem See am Rand von Pragsdorf erstochen haben. Er war nach dem Fund von DNA-Spuren am Tatmesser mehrere Tage danach festgenommen worden und sitzt seither in U-Haft.

Prozess wird nicht öffentlich sein

Ab Dienstag beginnt nun am Landgericht die strafrechtliche Aufarbeitung. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 14-Jährigen Totschlag vor. Ein Motiv ist bisher nicht bekannt geworden. Wie ein Sprecher des Landgerichtes im Vorfeld sagte, wird der gesamte Prozess wegen des jugendlichen Alters des Beschuldigten und der schutzwürdigen Interessen der Opferfamilie nicht öffentlich sein.

„Die Familie fragt sich immer noch, wie waren die letzten Minuten ihres Kindes?“, sagte Habetha. Habe sich Joel damals gewehrt? „Sie wollen einfach wissen, warum?“, so die Anwältin.

Der Prozess stelle eine juristische Zäsur in dem Verfahren dar. Der Beschuldigte hat sich nach Angaben seines Anwaltes zwar psychologisch begutachten lassen, aus prozesstaktischen Gründen aber bisher zu den Vorwürfen nichts gesagt. Ob das im Prozess anders ist, soll von der Situation im Gerichtssaal abhängig sein, hieß es.

Bislang sieben Verhandlungstage eingeplant

Nach den bisherigen Ermittlungen soll der Täter sich mit dem Opfer damals in ein Versteck in das Gebüsch am Bolzplatz zurückgezogen haben. Dort soll dem Sechsjährigen mehrfach in das Gesicht geschlagen worden sein. Danach wurde mehrfach auf Joel eingestochen, wie es in der Anklageschrift heißt. Der Täter floh.

Der Sechsjährige wurde erst mehrere Stunden später nach einer großangelegten Suche in dem Versteck gefunden. Er starb trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche. Der Sechsjährige hatte wegen der Stiche viel Blut verloren.

Für den Prozess sind bisher sieben Verhandlungstage - bis Ende März - angesetzt. So sollen unterschiedliche Zeugen aus dem Umkreis beider Familien, der Schulen und Polizisten angehört werden. Zudem hören mehrere Gutachter beim Prozess zu.