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Dialogreihe

Reicht das Geld für die Pflege nicht aus?

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

In Bürgerdialogen will das Netzwerk „Zukunftsfeste Pflege“ erörtern, wie Pflege künftig mach- und finanzierbar ist. Neubrandenburg gibt den Auftakt zu insgesamt 26 Veranstaltungen.
Veröffentlicht:10.02.2024, 18:05

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Wie soll das erst künftig werden? Diese Frage treibt alle um, die schon jetzt die Situation in der Pflege als dramatisch erleben: Engpässe, steigende Preise und Personalnot machen Pflegebedürftigen, die auf Unterstützung angewiesen sind, ebenso zu schaffen wie den Profis, die diese Leistung erbringen. Eben deshalb wollen sie reden; nicht nur über gegenwärtige Probleme, sondern über das, worauf sich Zukunft gründen muss. Zu einer Serie von 26 Bürgerdialogen in ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt Neubrandenburg am 21. Februar den Auftakt. 

Der Neubrandenburger Maik Wolff ist Sprecher des Netzwerks "Zukunftsfeste Pflege".
Der Neubrandenburger Maik Wolff ist Sprecher des Netzwerks "Zukunftsfeste Pflege". (Foto: Susanne Schulz)

Initiator ist das landesweite Netzwerk „Zukunftsfeste Pflege“, das wiederum aus dem 2023 gebildeten Aktionsbündnis „Pflege in Not“ hervorging. „Aus der Not heraus brauchen wir Maßnahmen, um Pflege zukunftsfest zu gestalten“, erklärt Maik Wolff, Sprecher der Initiative und Verwaltungsleiter des Neubrandenburger Pflegedienstes Wilma, den Namenswechsel und den Anspruch des Unterfangens. Die Gesprächsrunden -in flottem Wochentakt bis zum Herbst geplant - sollen die Auswirkungen eines unzulänglichen Gesundheits- und Pflegesystems bewusst machen. 

Auswirkungen nicht nur für die Betroffenen selbst

„Denn aus der Pflegekrise folgt eine gesamtgesellschaftliche Krise“, verdeutlicht Wolff, dass vom wachsenden Bedarf an pflegerischer Fürsorge nicht nur die unmittelbar Pflegebedürftigen betroffen sind: „25 Prozent der Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen reduzieren ihre Arbeitszeit“, führt er an: „Da fehlen also Arbeitskräfte, denen fehlt wiederum Einkommen, somit fehlt letztlich Wirtschaftskraft, auch für die Finanzierung der Sozialsysteme.“

Die Politik auf Landes- wie auf kommunaler Ebene ist daher der wichtigste Adressat für die Forderungen des Netzwerks. Zugleich wollen es die Verbündeten nicht beim Fordern belassen: „Aber wir wollen nicht erörtern, was alles nicht geht, sondern was getan werden muss, damit es gehen kann“, sagt Wolff.

Vision einer sorgenden Gemeinschaft

Als „sorgende Gemeinschaft“ beschreibt er das angestrebte Miteinander, angefangen von der eigenen Familie über eine funktionierende Nachbarschaft bis hin zu professioneller Pflege. „In meiner Kindheit war es selbstverständlich, der 90-jährigen Nachbarin Einkäufe mitzubringen“, führt er an. In guten Nachbarschaften sei das auch heute so; vielerorts aber kenne man die Nachbarn kaum. Dafür müsse wieder ein Bewusstsein entwickelt werden, ebenso für die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege.

„Wir gehen jeden Tag bei den Menschen ein und aus, entwickeln Beziehungen, wissen um individuelle Bedürfnisse“, erklärt der Neubrandenburger. Diesen Bedürfnissen dürfe aber nicht mit der Maxime Kostenvermeidung begegnet werden, sondern mit dem Ehrgeiz, möglichst kosteneffizient optimale Pflege zu entwickeln.

Wunsch nach mehr Eigenverantwortung

Gerade in dieser Hinsicht versteht sich das Bündnis auch als klare Stimme gegenüber den Kostenträgern, den Krankenkassen, mit Kritik am komplizierten Vergütungsreglement. Da die Tarifentwicklung ebenso bekannt sei wie der hohe Anteil der 80 Prozent Personalkosten, könne doch den Pflegediensten die Verantwortung für das jeweils angepasste Budget überlassen werden: „Wozu sind wir denn Unternehmer? Doch nicht, weil wir ineffizient arbeiten wollen!“

Zudem würden gleiche Leistungen in Mecklenburg-Vorpommern schlechter vergütet als schon im Nachbarland Brandenburg. Rund 130 von Wohlfahrtsverbänden geführte sowie 530 private Pflegedienste sind Wolff zufolge im Nordosten tätig: „Wir sind effektiv, wir sind innovativ, wir brauchen diese Anbietervielfalt unabhängig von der Trägerschaft“, betont der Wilma-Chef. 

Mitmachaktionen und Podcast

Die Politik wiederum müsse Sorge tragen für einen Rechtsanspruch auf Pflege, formuliert er eine Forderung des Netzwerks. Der Anspruch flächendeckender Versorgung erfordere indessen einen Überblick über die fraglos vorhandenen weißen Flecken - auch eingedenk der Tatsache, dass die Hausärzte längst an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangen. 

"Also ist klar: Wir müssen was tun", fasst Maik Wolff zusammen. Das Netzwerk „Zukunftsfeste Pflege“ wolle dabei „nicht nur ein paar Mal laut auf die Straße gehen“, sondern Dialog- und Diskurspartner sein, in den Bürgerdialogen selbst auch kritisch hinterfragt werden, um seine Positionen zu erklären. Als Gesprächsteilnehmer würden an den jeweiligen Orten Bürgermeister, Landräte, Fraktionen, aber auch Kostenträger und Selbsthilfegruppen angesprochen. Die Reihe soll zu dem begleitet werden von Mitmachaktionen für Bürger und einem Podcast. 

Zum Auftakt der Bürgerdialoge, moderiert von Nordkurier-Chefredakteur Gabriel Kords, werden am 21. Februar im HKB Neubrandenburg unter anderem Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD), ihr Vorgänger Harry Glawe (CDU) und Jens Kreutzer von der AOK Nordost erwartet. Weitere Veranstaltungen sind geplant unter anderem in
Greifswald (28. 2.),
Rostock (13. 3.),
Malchin (17. 4.),
Jarmen (24. 4.),
Anklam (22. 5.),
Güstrow (29. 5.),
Neustrelitz (5. 6.),
Wolgast (19. 6.),
Waren (26. 6.),
Demmin (10. 7.),
Pasewalk (17. 7.),
Malchow (24. 7.),
Stavenhagen (7. 8.)
und Ueckermünde (4. 9.).