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Straßensanierung

Sechs Linden retten für 180.000 Euro? Neubrandenburger sind empört

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Geht es nach dem Willen der Naturschutzbehörde, dürfen sechs Bäume in der Großen Wollweberstraße wegen anstehender Bauarbeiten nicht gefällt, sondern müssen an anderer Stelle wieder eingepflanzt werden. Aber was diese Linden kosten sollen, bringt Stadtvertreter auf die Palme.
Veröffentlicht:30.01.2023, 05:49

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Die Chefin des Finanzausschusses der Neubrandenburger Stadtvertretung, Caterina Muth (Linke), hat ein wachsames Auge auf den Entwurf des Haushaltsplanes ihrer Heimatstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Was die Stadt im Jahr 2023 ausgeben und einnehmen will, darüber debattieren sich die Stadtvertreter und die Verwaltung gerade die Köpfe heiß. Ein Posten ist allerdings darunter, der ist der Kommunalpolitikerin jetzt besonders bitter aufgestoßen: Vor dem Start der Bauarbeiten in der holprigen Großen Wollweberstraße müssen dort 24 Bäume weichen. Nur so könne eine stadtausführende Baustraße den Verkehrsinfarkt in der Innenstadt während der Bauarbeiten verhindern.

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„Umzugskosten“ für Bäume sorgen für Unmut

Nach langen Diskussionen hat auch die mitspracheberechtigte Naturschutzbehörde in der Kreisverwaltung dafür grünes Licht gegeben. Allerdings – den sechs jüngeren Linden unter den Wollweberstraßen-Bäumen soll noch keine Zukunft als Brennholz bevorstehen. Die müssen, so will es das Amt, umgepflanzt werden. Deren neue Adresse könnte die Straße nach Carlshöhe sein. Die Stadt Neubrandenburg musste das berücksichtigen, hat sich umgehört und die wahrscheinlichen Kosten für die Umsetzung der hölzernen Gewächse in den Haushaltsplan unter der Rubrik Ausgaben festgehalten.

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Stadtvertreter fordern neue Verhandlungen

Aber als die Chefin des Finanzausschusses die Zahl gelesen hat, musste sie sich selbst irgendwo festhalten: „180 000 Euro soll es kosten, die sechs Bäume auszugraben und woanders wieder einzupflanzen? Was ist das für eine riesige Summe!“, empört sich Muth und sieht sich fraktionsübergreifend mit keinem Widerspruch anderer Ratsfrauen und Ratsherren im Neubrandenburger Kommunalparlament konfrontiert. Sowohl im Finanzausschuss als auch im Stadtentwicklungsausschuss ist die Meinung einhellig: Darüber muss dringend weiter geredet werden.

Die Stadtvertreter beauftragten Frank Renner, oberster Stadtplaner und Chef des Bauamtes im Rathaus, erneut mit der Naturschutzbehörde in der Kreisverwaltung zu verhandeln. Zumal, wie Ausschuss-Chefin Muth erfahren hat, es keinerlei Garantien für ein gedeihliches Wachstum der Bäume an deren neuem Wohnort gibt. Nicht unmöglich, einer oder gar alle Bäume überleben den Umzug nicht oder kümmern künftig nur noch traurig vor sich hin.

Völliges Unverständnis

„Nicht falsch verstehen“, so die Linken-Kommunalpolitikerin, „ich mag Bäume, sehr sogar. Aber wenn ich überlege, was die Stadt angesichts der knappen Finanzen alles mit 180 000 Euro anstellen kann, kann ich eine solche Ausgabe nicht nachvollziehen.“ Im Finanzausschuss und allen anderen Gremien der Stadtvertretung würden alle gerade über die finanzielle Unterstützung von Vereinen und Verbänden in der Stadt diskutieren und müssten viele Kompromisse schließen – da stoße eine solche Summe auf völliges Unverständnis.

Große Wollweberstraße hat historischen Wert

Die Große Wollweberstraße, mit deren Sanierung wohl noch 2023 begonnen werden soll, ist rund 290 Meter lang. Die Straße ist denkmalgeschützt und auch die angrenzende Wohnbebauung ist größtenteils ebenfalls denkmalgeschützt. Die Straße bildet insbesondere in ihrem westlichen Verlauf den letzten nahezu unbeschädigt erhaltenen historischen Straßenzug der Stadt. Neben der Sanierung der Straße sollen auch Leitungen für Schmutz-, Regen- und Trinkwasser sowie neue Gasleitungen und Stromkabel verlegt werden. Wie in der bereits sanierten Stargarder Straße soll auch hier das historische Pflaster wieder verlegt werden.