Asyl
Seenplatte-Dorf mit 50 Einwohnern soll 260 Asylbewerber unterbringen
Burg Stargard/Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Der Landkreis stockt die Zahl der Plätze für Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft in Burg Stargard deutlich auf. Aktuell würden in dem Hotel im Stadtteil Kreuzbruchhof 80 Plätze vorgehalten, sagte Sozialdezernent Michael Löffler (SPD) dem Nordkurier. Die Siedlung Kreuzbruchhof zählt gegenwärtig rund 50 Einwohner.
Mädchen hat Angst beim Busfahren
Schrittweise sollten nun weitere 180 Plätze hinzukommen, sodass in der Einrichtung dann 260 Asylbewerber untergebracht werden könnten. Der Kreis werde aber erst mal in eine Belegung von 180 Plätzen gehen.
Über die Pläne hatte Michael Löffler zusammen mit Stargards Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) bei einer Einwohnerversammlung sowie im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Soziales informiert. Tilo Lorenz sagte, auf der 90-minütigen Versammlung habe es „keine Jubelschreie“ geben. Generell werde das Fluchtgeschehen sehr kritisch gesehen, wobei Stadt wie auch Landkreis wenig Einflussmöglichkeiten darauf hätten, was im Bund entschieden werde.
Michael Löffler sicherte zu, dass die bei der Einwohnerversammlung geäußerten Bedenken vom Landkreis sehr ernst genommen würden und auch schon Maßnahmen geplant seien. Die Verwaltung prüfe unter anderem einen zusätzlichen Busverkehr, weil ein Mädchen sagte, es habe Angst, wenn es allein mit mehreren jungen Männern aus der Gemeinschaftsunterkunft im Bus unterwegs sei.

Anwohner hatten sich auch beklagt, dass der Weg zwischen Stadt und Unterkunft oft vermüllt sei und die Bewohner auf der Straße keinen Platz machen würden, wenn sich ein Auto nähere. Hierfür werde vom Betreiber, dem Kreisverband Neubrandenburg-Ostvorpommern der Arbeiterwohlfahrt, eine Beschwerdestelle eingerichtet, an das sich Anlieger richten könnten.
Arbeitseinsätze in Burg Stargard geplant
Vorgesehen sei zudem ein Laden, in dem zuvor eingekaufte Lebensmittel zum Selbstkostenpreis angeboten würden. Hierdurch solle vermieden werden, dass sich die Bewohner regelmäßig zu Fuß auf den Weg zum knapp drei Kilometer entfernten Discounter in Burg Stargard machen. In dem Laden sollen Bewohner der Unterkunft dann auch als Ein-Euro-Kräfte arbeiten können.
Sozialdezernent Michael Löffler kann sich künftig auch Arbeitseinsätze in Burg Stargard gut vorstellen, etwa zur Reinigung des Marktplatzes. Dazu will er für einen Test mit der Verwaltung der Stadt sprechen, ebenso in Friedland und Altentreptow, wo sich ebenfalls Gemeinschaftsunterkünfte befinden. Bei einem Erfolg sei eine Ausweitung auf den ganzen Kreis denkbar.

Die Flüchtlingsunterkunft im kleinen Burg Stargarder Ortsteil Kreuzbruchhof befindet sich etwa zwei Kilometer entfernt vom Stargarder Ortsschild in einer ehemaligen Militärliegenschaft, die vom Betreiber seit mehreren Jahren zum Hotel ausgebaut wird. Ein bereits fertiggestellter Block mit 80 Plätzen war in der Vergangenheit vom Landkreis angemietet worden, zuletzt für die Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Angesichts des allgemeinen Fluchtgeschehens hat der Landkreis nach eigenen Angaben jetzt umgestellt auf die Unterbringung von Asylbewerbern.
Der Mietvertrag mit dem Hotelbetreiber in Kreuzbruchhof gilt zunächst für ein Jahr. „Wenn ich nicht mehr benötigt werde, dann muss es auch endgültig sein“, sagte Betreiber Armin Bickel mit Blick auf die hohen Umbaukosten vor den Stargarder Stadtvertretern. Er kündigte einen regelmäßigen Pendelverkehr an, mit dem die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft zu größeren Supermärkten etwa im Oberzentraum Neubrandenburg gefahren werden sollten.
100 bis 200 Flüchtlingen kommen pro Monat
Michael Löffler verwies darauf, dass der Landkreis eine gesetzliche Pflicht habe zur Unterbringung von Flüchtlingen. Etwa 100 bis 200 kämen jeden Monat in der Mecklenburgischen Seenplatte an. In Vorbereitung auf weitere Ankünfte plant der Landkreis in den kommenden Monaten einen Ausbau seiner Kapazitäten zur Erstaufnahme von Asylbewerbern von derzeit rund 1580 auf 2150 Betten. Der SPD-Politiker zeigte sich zuversichtlich, dass die vorgesehenen Kapazitäten in Burg Stargard, Malchin und anderen Kommunen „bis zum 3. oder 4. Quartal 2024 ausreichen“.




