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Kapazitäten

Seenplatte kann keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen

Seenplatte / Lesedauer: 3 min

Mit der Koordination der ankommenden Flüchtlinge tut sich der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte schwer – auch weil scharf nach der Herkunft unterschieden wird.
Veröffentlicht:12.11.2022, 14:08

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Die Steuerung des Fluchtgeschehens aus afrikanischen und asiatischen Ländern fällt den Behörden in der Seenplatte immer schwerer. „Wir sind fast voll“, sagte Sozialdezernent Michael Löffler (SPD) jüngst im Sozialausschuss des Kreistages. Der Landkreis könne wegen ausgelasteter Kapazitäten vorerst keine weiteren Flüchtlinge aus der Bundesverteilung über die Gemeinde Nostorf-Horst in Ludwigslust-Parchim aufnehmen. Eigentlich werden der Mecklenburgischen Seenplatte durchschnittlich 20 Menschen pro Woche zugeteilt.

Flüchtlingsheime zu 96 Prozent belegt

Zuletzt waren die sechs großen Flüchtlingsheime des Kreises nach Angaben der Verwaltung zu 96 Prozent belegt. In der größten Gemeinschaftsunterkunft im Markscheider Weg in Neubrandenburg waren in diesem Monat nach Angaben der Verwaltung nur noch vier Plätze belegbar – von insgesamt 623. In den Unterkünften in Friedland, in der Neubrandenburger Kirschenallee sowie dem Haus Eins in Altentreptow waren überhaupt keine Plätze mehr zu vergeben. Im Flüchtlingsheim in Jürgenstorf gab es immerhin noch zwei freie Plätze, im Haus Zwei in Altentreptow wiederum noch 34. Von 33 Wohnungen in der dezentralen Unterbringung waren nur noch vier frei. Diese seien bei erhöhtem Fluchtgeschehen zumindest sofort belegbar. Laut Löffler suche die Verwaltung derzeit mindestens eine weitere Unterkunft. „Wir müssen Kapazitäten schaffen.“

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Dabei gibt es gleichzeitig mehr als 500 freie Plätze in vorübergehenden Unterkünften, etwa in Waren, Burg Stargard, Sommerstorf oder in der Unkel-Bräsig-Straße und Ravensburgstraße in Neubrandenburg. Die wollen die Behörden aber für Ukrainer frei halten. Es werde mit einem erhöhten Fluchtgeschehen von dort im Winter gerechnet. Die Verwaltung sei von der Regierung angewiesen worden, sich darauf vorzubereiten. Dem sei der Landkreis nachgekommen. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Löffler.

Unterschiedliche Gesetzeslage für Flüchtlinge

Die offenkundige Ungleichbehandlung von Geflüchteten aus der Ukraine und Asylbewerbern aus anderen Herkunftsländern wird von der Verwaltung auf Anfrage mit dem unterschiedlichen Gesetzes-Status begründet. Normalerweise müssten Flüchtlinge in einer Gemeinschaftsunterkunft verbleiben, bis ihre Asylberechtigung anerkannt ist. Ukrainer könnten dagegen in anders abgerechneten, temporären Einrichtungen untergebracht werden, weil sie direkten Zugang zum Regelsystem der Sozialhilfe hätten.

Zuständig sind für ukrainische Flüchtlinge damit die Jobcenter, die den Mitgliedern des Sozialausschusses ebenfalls einen Einblick in die gegenwärtige Situation gaben. Guido Dörband vom Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte Süd berichtete, dass Flüchtlinge aus der Ukraine oft hoch motiviert seien, Arbeit zu finden.

Sprachbarrieren seien allerdings problematisch. Es gebe nicht genug Integrationskurse. Unter anderem, weil zu wenig Lehrer Deutsch als Zweitsprache unterrichten dürften. „In Waren, Demmin, Malchin und Altentreptow sieht es richtig schlecht aus“, schloss sich Andreas Böhning, Geschäftsführer des Jobcenters Mecklenburgische Seenplatte Nord, an. Ein Kurs der Volkshochschule in Waren sei wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Zusammen mit Bildungsdienstleistern seien deshalb Integrationsklassen in Waren, Stavenhagen und Malchin angeboten worden, um das Sprachniveau zu erhöhen. Aus der Ukraine wurden laut der Kreisverwaltung seit Beginn des Jahres mehr als 3500 Schutzsuchende im Landkreis aufgenommen.