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Weberglockenmarkt

Seit 15 Jahren verzaubert er die Neubrandenburger mit seinem Akkordeon

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Jewgeni Ruhal spielt seit vielen Jahren auf dem Neubrandenburger Weihnachtsmarkt. Der Akkordeonspieler aus Belarus hat sich in die Stadt verliebt. Eine Sache gefällt ihm besonders.
Veröffentlicht:02.12.2023, 06:14

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Jewgeni Ruhal ist dick eingepackt. Mit einer Mütze über den Ohren, einer Winterjacke und gefütterten Wollstiefeln sitzt er auf einem Hocker in der Mitte des Neubrandenburger Marktplatzes. Seine Hände stecken in schwarzen Handschuhen, die Finger schauen zur Hälfte heraus.

In diesem Jahr aus Polen angereist

Seit 15 Jahren erfüllt der Belarusse den Neubrandenburger Weberglockenmarkt mit den Klängen seines Akkordeons. Jedes Jahr reist er an, um Weihnachtslieder, Schlager und Volkslieder zu spielen. Diesmal ist er Anfang Dezember aus dem polnischen Wroclaw gekommen, wo früher seine Großmutter gelebt hat und der gebürtige Minsker seit 2021 mit seiner Familie wohnt.

Jewgeni Ruhal, hellblaue Augen und freundliches Lächeln, hat schon viele Länder gesehen. Als Student spielte er in einem Folklore-Ensemble, gemeinsam reisten die Musiker um die halbe Welt. Unter anderem seien sie in den USA, in Japan, Syrien, Frankreich und Italien aufgetreten. Zwei Länder taten es ihm dabei besonders an: „Am besten hat es mit in Österreich und in Deutschland gefallen. Ich mag die Mentalität der Deutschen, das Verbindliche“, sagt er. 

Nachdem er sich entschieden hatte, als Straßenmusiker sein Glück auf deutschen Märkten zu suchen, spielte er vor 15 Jahren das erste Mal auf dem Neubrandenburger Weihnachtsmarkt. Heute ist er dort eine Instanz, die Leute kennen ihn, er lächelt und grüßt, wenn Passanten vorbeischlendern. „Ich habe mich in diese Stadt verliebt“, sagt Jewgeni Ruhal.

In Neubrandenburg bei einem Freund untergekommen

Die Menschen hier seien aufgeschlossen, auch dem Osten gegenüber. Immer wieder werde er gefragt, ob er auch russische Lieder wie „Kalinka“ spielen könne. Seine Liebe zu Neubrandenburg ist für alle erkennbar, die sich Jewgenis Akkordeon etwas genauer ansehen: einen Sticker mit rotem Herz und den Buchstaben „NB“ hat er darauf geklebt. 

Er habe hier über die Jahre viele Freunde gefunden, im Moment wohnt Jewgeni bei Manfred, der am Telefon für ihn übersetzt. Manfred ist Neubrandenburger und mit einer Weißrussin verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden auf dem Weihnachtsmarkt, wo Manfred den Musiker vor einigen Jahren angesprochen habe. „Ich war interessiert, ich habe ja eine Weile in Minsk gearbeitet, wo meine Frau und ich uns kennengelernt habe“, sagt er.

Aus Weißrussland viel schlimmere Kälte gewöhnt

Für zwei Wochen verbringen die beiden nun ihre Feierabende gemeinsam. Denn bevor Jewgeni Ruhal zum Jahreswechsel wieder nach Polen reist, fährt er Mitte Dezember noch einmal nach Rostock. Auch dort spiele er von vormittags bis abends auf dem Weihnachtsmarkt, sechs bis acht Stunden pro Tag. Klar sei es kalt, aber er sei das gewohnt. „In Weißrussland sind es im Winter minus 20 Grad“, sagt er und lacht mit seiner hellen Stimme auf. 

Auf die Rückkehr ihres Akkordeonspielers müssen die Neubrandenburger aber nicht lange warten. Zu Ostern wolle er schon wiederkommen. Bis dahin wünsche er den Neubrandenburgern ein frohes Weihnachtsfest, sagt Jewgeni Ruhal: „Und danke für den warmen Empfang!“