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Abfallentsorgung

So steht es in der Seenplatte um Müllgebühren für Kleingärten

Seenplatte / Lesedauer: 3 min

In Vorpommern–Greifswald müssen Kleingärtner doppelt für ihren Müll zahlen. Wie steht es darum in der Seenplatte? Die Meinung der Kleingärtner ist jedenfalls ziemlich eindeutig.
Veröffentlicht:14.03.2023, 05:26

Von:
  • Robin Peters
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Kleingärtner müssen im Nachbarlandkreis Vorpommern–Greifswald für Müllabholung fortan doppelt zahlen — für die Entsorgung am Wohnort und an der Parzelle. Begründet wurde dies unter anderem mit einem scheinbar überregional gültigen Gerichtsentscheid. Und das sorgt seit geraumer Zeit auch unter Kleingärtnern in der Mecklenburgischen Seenplatte für Unsicherheit — und vor allem für Unverständnis.

Es falle kaum Restmüll an

Der Neustrelitzer Kleingärtner Wolfgang Meistring bat nach eigener Aussage schon vor Monaten den Bürgerbeauftragten des Landes um eine Einordnung. Auf eine Antwort von Matthias Crone wartet er noch. Meistring hält den Vorstoß in Vorpommern–Greifswald für „Schwachsinn“. Es gehe nur darum, zusätzliche Geldeinnahmequellen zu erlangen. Der Umwelt und dem Naturschutz werde damit aus seiner Sicht zumindest nicht geholfen. Des Weiteren seien viele Kleingärten mit großen Müllfahrzeugen überhaupt nicht erreichbar.

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Mit seinen Zweifeln ist er nicht allein. „Warum sollen unsere Gartenfreunde mehrfach zur Kasse gebeten werden? In der Regel gehören sie nicht zu den Vermögendsten der Gesellschaft“, sagt Rainer Espig, Vorsitzender des Regionalverbandes der Gartenfreunde Müritz e.V. Im Wesentlichen falle ohnehin kaum Restmüll an. Grünschnitt werde kompostiert oder zu den Annahmehöfen gefahren.

Kleingärtner müssen abends ohnehin wieder nach Hause

Und auch im Norden des Landkreises hält man wenig von einem Anschluss von Kleingärten an die Abfallentsorgung: „Das ist bei uns nicht notwendig“, sagt Heiko Werner, Vorsitzender des Regionalverbandes der Gartenfreunde Landkreis Demmin 1995 e.V. Darüber hinaus wäre die Übertragung der Regelung auf die Region gerade nach der jüngst erfolgten Änderung der Gebühren in der Mecklenburgischen Seenplatte unverhältnismäßig. Schließlich würden viele Kleingärtner in Mehrfamilienhäusern wohnen. Und die müssten im Gegensatz zu Hausbesitzern mit eigener Tonne seit Jahresbeginn bekanntlich draufzahlen.

Werner ist nicht bekannt, dass irgendwo Müllberge entstehen oder sich nicht an Entsorgungsregeln gehalten wird. Kleingärtner würden ihren Müll in der Regel gewissenhaft mit nach Hause nehmen. „Das funktioniert.“ Immerhin dürften sie in ihren Schrebergärten nicht übernachten und müssten abends ohnehin wieder nach Hause fahren. Werner interpretiert aus der Entscheidung des Magdeburger Verwaltungsgerichts, worauf sich bei der Durchsetzung der Zusatzgebühren in Vorpommern–Greifswald bezogen wurde, indes keine generelle Pflicht, Kleingärten an die Abfallentsorgung anzuschließen.

Erfolgloser Protest gegen Zusatzgebühren

Das sieht man in der für die Abfallentsorgung zuständigen Kreisverwaltung offensichtlich genauso. „Aktuell ist kein Anschluss von Kleingärten an die Abfallentsorgung geplant“, heißt es aus der Behörde auf Anfrage des Nordkurier. Im Nachbarkreis Vorpommern–Greifswald hatten Tausende Parzenllenbesitzer mit einer Unterschriftenaktion gegen Zusatzgebühren protestiert. Doch ohne Erfolg. Vor rund zwei Wochen bestätigte der dortige Kreistag allen Widerständen zum Trotz eine neue Regelung, bei der wahrscheinlich fünf bis sechs Euro mehr pro Jahr auf die Vorpommern zukommen.