StartseiteRegionalNeubrandenburgStadt und Eigentümer streiten um Abriss von Neubrandenburger Kaufhof

Innenstadt

Stadt und Eigentümer streiten um Abriss von Neubrandenburger Kaufhof

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Der Eigentümer will Nägel mit Köpfen machen, weil eine Sanierung unwirtschaftlich sei. Die Stadt kritisiert dieses Vorgehen – und will das Gebäude erhalten.
Veröffentlicht:03.05.2023, 19:30

Artikel teilen:

Das frühere Kaufhof–Gebäude in der Neubrandenburger Innenstadt soll abgerissen werden. Zumindest, wenn es nach dem Willen der Eigentümer aus Hamburg geht. Verwaltungsleiter Philipp von Mering von der Grundstücks– und Vermögensverwaltungsgesellschaft Andresen mbH teilte dem Nordkurier auf Anfrage mit: „Wir haben einen entsprechenden Antrag auf Abriss des Gebäudes bereits vor Ostern gestellt.“

Sanierung laut Studie unwirtschaftlich?

Der Kaufhof in seinem jetzigen Zustand lasse sich nicht vermieten und eine Sanierung des prestigeträchtigen Gebäudes sei höchst unwirtschaftlich, führte er aus. Von Mehring beruft sich dabei auf eine 100 000 Euro teure Machbarkeitsstudie aus dem vergangenen Jahr, die die Hamburger Immobilienfirma in Auftrag gegeben hatte.

Ein Zaun sperrt auch den einstmals beliebten Parkplatz mitten in der Neubrandenburger Innenstadt ab.
Ein Zaun sperrt auch den einstmals beliebten Parkplatz mitten in der Neubrandenburger Innenstadt ab. (Foto: Bastian Bönisch)

Die Untersuchung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine reine Erdgeschossnutzung „wirtschaftlich und technisch nicht darstellbar“ sei. Allein die Kosten dafür beliefen sich schätzungsweise auf 20 Millionen Euro. „Dass hier eine wirtschaftlich nachhaltige Nutzung hinzukriegen ist, wage ich zu bezweifeln“, so von Mering, der deshalb auf den Abriss und einen Neubau fokussiert. Die Unwirtschaftlichkeit ist ein Knackpunkt, weil es dadurch möglich gemacht werden kann, dass das unter Denkmalschutz gestellte Gebäude doch noch abgerissen wird.

Verweis auf Hürden des Denkmalschutzes

Die Stadtverwaltung Neubrandenburg bestätigte auf Nordkurier–Nachfrage den eingereichten Antrag auf Abriss des Gebäudes. Der Abriss eines Denkmals ist nur möglich, wenn der Eigentümer die Unzumutbarkeit des Erhalts belegen kann, erläuterte ein Rathaussprecher. „Die Hürden, die das Denkmalschutzgesetz MV und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes dafür legen, sind sehr hoch. Ob der Eigentümer im vorliegenden Fall alle nötigen Nachweise erbringen kann, wird im nun laufenden Verwaltungsverfahren geprüft.“

Lesen Sie auch: Kaufhof schließt ausgerechnet zum 60. Geburtstag

An der Position der Stadtverwaltung mit Hinblick auf den Kaufhof habe sich indes nichts geändert. Im Rathaus will das Gebäude im Mittelpunkt der Innenstadt weiterhin erhalten und am liebsten sanieren. „Wir bedauern, dass der Eigentümer sich trotz monatelanger Bemühungen der Stadtverwaltung offenbar dagegen entschieden hat, gemeinsam nach einer Umnutzungslösung für das Gebäude zu suchen“, hieß es. Ein Abriss wäre ein großer Verlust für die Stadtgeschichte und -identität und würde auch dem Nachhaltigkeitsgedanken widersprechen.

Das Haus wurde 1960 als HO-Kaufhaus eröffnet, ab 1967 war es dann ein sogenanntes Centrum-Warenhaus.
Das Haus wurde 1960 als HO-Kaufhaus eröffnet, ab 1967 war es dann ein sogenanntes Centrum-Warenhaus. (Foto: Bastian Bönisch)

Die Stadt kritisierte in Richtung Eigentümer, dass dieser in den vergangenen 18 Monaten zahlreiche Vorschläge für denkmalverträgliche Ein– und Umbauten von der Verwaltung bekommen habe. Mit diesen ließe sich eine flexiblere Nutzung der Gebäudesubstanz ermöglichen, mit der aus Sicht der unteren Denkmalschutzbehörde zumindest eine Teilnutzung des Gebäudes technisch und wirtschaftlich möglich sein sollte.

Für "ernst gemeinte Angebote" weitehin offen

Im Herbst 2022 hatte Oberbürgermeister Silvio Witt sogar angekündigt, notfalls den Kaufhof selbst zu übernehmen, wenn der Eigentümer sich weigere, das Gebäude zu sanieren. Für „ernst gemeinte Angebote“ zeigte sich von Mering nach wie vor offen. Bis heute sei aber noch keines bei ihm auf dem Schreibtisch gelandet. Die Stadtverwaltung erwiderte, dass nach wie vor ein Kauf geprüft werde. Dazu sei bereits ein Wertgutachter beauftragt worden, um eine neutrale Grundlage für ein Kaufpreisangebot zu schaffen.

Von Mering rechnete nach eigenen Worten im Vorfeld des Abriss–Antrags bereits damit, dass dieser auf Widerspruch stoßen werde. Nichtsdestotrotz sieht er sich mit seinen Argumenten im Recht: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Er betonte, dass ein Abriss endlich Bewegung in den Streit um mögliche Perspektiven für das seit zwei Jahren leer stehende Gebäude bringen könne. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und sind mit einigen sehr interessierten Mietern im Austausch“, so von Mering. Diese benötigten aber schnell Klarheit.

Auch Ausschuss-Vorsitzender gegen Abriss

Für den Vorsitzenden des Ausschusses für Stadtentwicklung, Michael Hinzer (Linke), kam der Abriss–Antrag nicht überraschend. „Der Eigentümer hatte ja ein klares Interesse daran bekundet“, so Hinzer. Er selbst positionierte sich jedoch klar gegen einen Abriss. „Es ist ein sehr prägnantes, denkmalgeschütztes Gebäude mit einer wichtigen Funktion für die Neubrandenburger Innenstadt“, begründete er dies. Außerdem wurden seiner Meinung nach schon viele alte Gebäude in der Stadt abgerissen und neu gebaut, deshalb sei es nun an der Zeit, „sehr vorsichtig“ mit der noch vorhandenen Substanz umzugehen und Optionen einer Sanierung auszuloten.

Bis es zu einer Entscheidung über den Abriss–Antrag kommt, können noch Monate vergehen. Philipp von Mering rechnet nicht vor dem Spätsommer damit.