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„Vermesserwiese“

Stadt und Hochschule Neubrandenburg streiten sich um Fläche für Schulneubau

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Die Grundschule West aus DDR-Zeiten ist marode und platzt aus allen Nähten. Die Stadt möchte neu bauen, kann sich mit der Hochschule aber nicht auf den Kauf einer Fläche einigen.
Veröffentlicht:08.02.2024, 05:37

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Eine Wiese an der Rostocker Straße ist zum Zankapfel zwischen der Stadt Neubrandenburg und der Hochschule Neubrandenburg geworden. Die allgemein als „Vermesserwiese“ bekannte Fläche ist von der Stadt als Standort für den Neubau der Grundschule West „Am See“ ausersehen worden.

Hochschule sperrt sich

Ein Stück des Areals gehört aber der Neubrandenburger Hochschule. Diese sähe durch eine Abgabe der Fläche ihrer Aufgabenerfüllung gefährdet, weshalb ihr Senat ablehnte. Der dringend benötigte Neubau für Neubrandenburgs älteste Grundschule rückt damit laut Stadtverwaltung und -vertretung in weite Ferne und könnte vor allem deutlich teurer werden als bisher geplant.

Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) und der Vorsitzende des Ausschusses für Generationen, Bildung und Sport (GBS), Steven Giermann (CDU), wandten sich in dieser Woche mit einem öffentlichen Appell an das Wissenschaftsministerium und die Hochschule Neubrandenburg. In einer gemeinsamen Pressemitteilung argumentierten beide Kommunalpolitiker, dass eine Erweiterung des Grundschulstandorts dringend notwendig sei, um den steigenden Schülerzahlen Rechnung zu tragen.

„Darüber müssen wir dringend erneut verhandeln.“

Nach den Worten von Giermann stellten Senat und Rektorat mit der Haltung der Hochschule die Bedeutung „einer kaum genutzten Wiese über die Zukunftschancen der Kinder in Neubrandenburg“. OB Witt appellierte: „Im Sinne der Kinder sollte die ablehnende Stellungnahme der Hochschule noch einmal überdacht werden.“ Die Stadt haben gute Alternativen aufgezeigt, welche die Hochschule annehmen sollte. „Darüber müssen wir dringend erneut verhandeln.“

Hochschulrektor Gerd Teschke teilte dem Nordkurier auf Anfrage mit, die Hochschule habe in ihrer Stellungnahme die Unterstützung für einen Grundschulneubau und eine „kollegiale Zusammenarbeit“ mit der Stadt formuliert. Dies sei in der jüngsten Sitzung des GBS-Ausschusses „mehrfach wiederholt“ worden.

Hochschule sieht ihre Argumente „bagatellisiert“

In der Sitzung seien die Argumente der Hochschule jedoch „bagatellisiert“ worden, argumentiert Teschke weiter. Die Hochschule habe in der Sitzung bekräftigt, dass sie die dringende Notwendigkeit eines Grundschulneubaus „ohne Zweifel“ anerkenne, und Bereitschaft für weitere Gespräche bekundet. Gleichermaßen erwarte die Hochschule jedoch von der Stadt die „volle Anerkennung“ der Bedeutung der gesetzlich festgeschrieben Landesaufgaben, welche die Hochschule für vier Studiengänge mit wenigstens 28 betroffenen Lehrmodulen umsetzen müsse.

Der Rektor wünscht sich zugleich eine „respektvolle Begegnung auf Augenhöhe“. Die Hochschule könne sich unter diesen Bedingungen und im Zusammenhang mit dem Grundschulneubau „neue und innovative Wege“ für einen gemeinsamen Bildungscampus in Neubrandenburg vorstellen, signalisiert er Gesprächsbereitschaft.

Mehrkosten in Millionenhöhe befürchtet

Die Grundschule West „Am See“ ist laut Stadt sehr beliebt und verzeichnet seit Jahren wachsende Schülerzahlen. Damit gehe ein wachsender Raumbedarf einher. Zugleich sei das Bestandsgebäude stark sanierungsbedürftig. Die wirtschaftlichste Variante sei ein Neubau der Grundschule auf dem Grundstück nördlich vom jetzigen Standort bei einer gleichzeitigen Weiternutzung des Bestandsgebäudes während der Bauphase.

Wie Steven Giermann dem Nordkurier sagte, wäre es bei einem Neubau alternativ auf der Wiese südlich der Schule, welche der Stadt komplett gehöre, nicht möglich, das Bestandsgebäude während der Bauarbeiten weiterzunutzen, da der Abstand zu gering sei. Laut Pressemitteilung würde allein die Planung und Errichtung des dann notwendigen Ausweichstandortes - etwa in Containerbauweise - den Neubau um mehrere Jahre verzögern und um fünf bis sieben Millionen Euro verteuern.