StartseiteRegionalNeubrandenburgStadtwerke verkünden Preisschock für Zehntausende Neubrandenburger

Bis zu 200 Euro mehr monatlich

Stadtwerke verkünden Preisschock für Zehntausende Neubrandenburger

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Trotz eigentlich sinkender Preise müssen Mieter und Hausbesitzer in Neubrandenburg ab Jahresbeginn für Fernwärme deutlich mehr zahlen.
Veröffentlicht:28.12.2023, 17:27

Artikel teilen:

Für eine warme Wohnung oder eine heiße Dusche müssen viele Neubrandenburger ab 1. Januar 2024 deutlich tiefer in die Tasche greifen. Und das, obwohl die Neubrandenburger Stadtwerke (neu.sw) ihre Fernwärmepreise im Vergleich zu 2023 nach eigenen Angaben um 20 Prozent senken. "Dennoch werden die Kosten für unsere Kundinnen und Kunden deutlich steigen“, teilte das kommunale Unternehmen dem Nordkurier auf Anfrage mit, welches diesen Widerspruch mit der Entscheidung der Ampel-Koalition über den Wegfall der Energiepreisbremsen begründet.

Satte Erhöhungen - Hunderte Euro pro Jahr und Haushalt

Für einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt im Mehrfamilienhaus (Preisstufe 2) bedeutet das laut neu.sw Mehrkosten von 57,50 Euro im Monat. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt im Eigenheim (Preisstufe 1) werden die monatlichen Mehrkosten mit rund 200 Euro angegeben.

neu.sw produziert Strom und Wärme im Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD) in der Warliner Straße in einem Prozess der Kraft-Wärme-Kopplung. Fernwärmepreise würden gemäß der Preisbestimmungen auf Basis einer Preisgleitformal gebildet. Nach den Turbulenzen 2022 seien die Gaspreise zwar gefallen, bewegten sich aber noch auf einem "sehr hohen Niveau“, hieß es.

Zehntausende Haushalte betroffen

In diesem Jahr waren die Fernwärmekosten durch die Wärmepreisbremse für 80 Prozent des Verbrauches bei 9,5 Cent gedeckelt. Da die Bundesregierung jedoch beschlossen habe, die Energiepreisbremsen zum Ende dieses Monats auslaufen zu lassen, würden die Fernwärmekosten trotz Preissenkung "sehr deutlich" steigen, teilte das Unternehmen mit. „Uns ist bewusst, dass der Wegfall der Preisbremsen eine erhebliche Belastung für unsere Kundinnen und Kunden darstellt. Wir können versichern, dass wir - auch gemeinsam mit dem neu.sw Aufsichtsrat - alle unsere Möglichkeiten geprüft haben, um die Belastungen für sie zu minimieren. Aktuell bestehen diese Möglichkeiten leider nicht.“

In Neubrandenburg sind laut neu.sw etwa 80 Prozent der Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen. Die Stadtwerke wollen wie in den Vorjahren zum Jahresende in persönlichen Anschreiben über die neuen Preise informieren. Diese Schreiben würden aktuell für den Versand vorbereitet. Mit beiden großen Wohnungsvermietern seien bereits Gespräche geführt worden, die auch fortgesetzt werden sollen.

Kritik auch an den Stadtwerken

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges), Frank Benischke, sprach auf Nordkurier-Anfrage von einer der größten Erhöhungen der Miet-Nebenkosten der vergangenen Jahrzehnte. Er sieht den "wesentlichen Fehler" vor allem im Handeln der Berliner Regierungskoalition von SPD, Grünen und FDP. Zur Abmilderung der Folgen für die Mieter der Neuwoges hätten die beiden großen Vermieter der Stadt mit den Stadtwerken Sonderverträge für die kommenden beiden Jahre geschlossen. Hierdurch könnten die Zusatzbelastungen für beide Unternehmen und damit deren Mieter von 14 auf 7 Millionen Euro reduziert werden.

Der Sprecher des Vorstands der Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba), René Gansewig, bestätigte unserer Zeitung die Vertragssonderregelungen bei der Fernwärme. Dieser um 50 Prozent "geglättete Preis" nehme die Spitze im kommenden Jahr runter. Zwar hätten alle zunächst damit gerechnet, dass die Ampel-Koalition in Berlin die jetzt vorzeitig ausgesetzten Preisbremsen zunächst weiterführen würde. Im Endeffekt sei es aber auch die Einkaufspolitik der Neubrandenburger Stadtwerke, welche die Beschaffung "streng nach Formel" durchführe. Diese Vorgehensweise nehme somit steigende Kosten in der Beschaffung "bewusst in Kauf, die dann schlussendlich auf die Kunden umgelegt" würden.

René Gansewig gab zu bedenken, dass neu.sw mit die höchsten Fernwärmepreise in MV habe. Er kündigte an, dass sich die Neuwoba im kommenden Jahr mit ihren Mitgliedern in Verbindung setzen und „detailliert sowie mit viel Fingerspitzengefühl“ prüfen werde, „wie wir die Anpassung der Vorauszahlungen für das Jahr 2024 abbilden“.