StartseiteRegionalNeubrandenburgSuche nach geklauter Handtasche scheitert an Behörden

Polizei

Suche nach geklauter Handtasche scheitert an Behörden

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Ihr geklautes Handy konnte die Besitzerin per Ortung in einer Flüchtlingsunterkunft ausfindig machen. Doch die Staatsanwaltschaft lehnte eine Durchsuchung zunächst ab.
Veröffentlicht:19.07.2023, 20:00

Artikel teilen:

Trotz dringenden Verdachts auf Diebstahl hat die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft die Durchsuchung der Wohnung einer ausländischen Familie in einer Friedländer Flüchtlingsunterkunft zunächst abgelehnt. Ein Sprecher der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft zeigte sich am Mittwoch zerknirscht und räumte „Kommunikationsprobleme“ zwischen den Polizeibeamten vor Ort und dem Bereitschaftsstaatsanwalt ein. Er gab gleichzeitig zu bedenken, dass die Polizei bei Gefahr in Verzug auf eigene Entscheidung hin hätte durchsuchen dürfen, auch zu Zeiten, die laut Strafprozessordnung als Nachtzeit gelten.

Beim Ausladen die Tasche im Wagen gelassen

Was war geschehen? Einer Mitarbeiterin der Nordkurier Mediengruppe war am Dienstag gegen 17.30 Uhr die Handtasche mitsamt Geldbeutel sowie Privat- und Firmenhandy aus einem Transporter entwendet worden. Die Tat habe sich am Depot des Nordkurier am Juri-Gagarin-Ring in der Neubrandenburger Oststadt ereignet, während drei Mitarbeiter um das Fahrzeug herum gewesen seien, schilderte die Betroffene unserer Zeitung.

Am Depot des Nordkurier in der Neubrandenburger Oststadt wurde einer Mitarbeiterin die Handtasche geklaut. 
Am Depot des Nordkurier in der Neubrandenburger Oststadt wurde einer Mitarbeiterin die Handtasche geklaut.  (Foto: Nordkurier)

Sie hatte während des Ausladens die Handtasche in den Fußraum auf der Beifahrerseite gelegt, der bei dem Transporter von Außen nicht einsehbar ist. Als sie wieder einstieg, wunderte sie sich, dass die Seitentür nur angelehnt war. Das Fehlen der Handtasche bemerkte die Frau aber erst, als sie vor ihrer Haustür stand. „Ich hatte noch jemanden aus dem Augenwinkel gesehen“, erinnerte sie sich an den Tatzeitpunkt zurück. 

Privathandy ließ sich "tracken"

Die Sachbearbeiterin fuhr umgehend zurück zum Depot, die Suche nach der Handtasche verlief erfolglos. Es folgte eine Anzeige bei der Polizei. Anrufe auf den vermissten beiden Handys liefen ins Leere. Auf dem Weg nach Hause kam dem Diebstahlopfer dann die zündende Idee, dass sie ihr Privattelefon "tracken" kann. Über eine Software ist es möglich, sich bei entsprechender Voreinstellung über das Internet den Standort des gesuchten Handys übermitteln zu lassen.

Die Ortung ergab, dass das Telefon sich vermutlich in einer Friedländer Ausländerunterkunft befindet. Zusammen mit Friedländer Polizisten suchte die Frau, nachdem sie in der Hektik noch einen Babysitter für ihr Kind organisiert hatte, dann die betreffende Einrichtung auf. Da war es schon 23 Uhr.

Telefon angeblich auf Ebay gekauft

Dort angekommen, ließ sie ihr Privattelefon per Tracking–Software klingeln und vernahm den Klingelton aus einer Wohnung. "Wir standen direkt davor." Auf Klopfen der Polizei öffneten die Bewohner schließlich die Wohnungstür, nach langem Hin und Her sowie vielen Ausreden wurde das Gerät ausgehändigt. "Sie behaupteten, dass sie das Telefon auf Ebay gekauft haben.“

Vom Diensthandy sowie der Handtasche mitsamt Inhalt fehlte aber weiter jede Spur. Noch in der Tür hätten die Polizisten bei der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft telefonisch angefragt, ob sie die Wohnung durchsuchen dürften, führte die Betroffene an. Dies habe der Bereitschaftsstaatsanwalt aber abgelehnt. Sehr zum Unverständnis des Diebstahlopfers, das sich an die Redaktion wandte.

Staatsanwaltschaft hat Vorgang intern geprüft

Die couragierte Mitarbeiterin hofft, dass die Ermittlungsbehörden der Durchsuchung doch noch zustimmen und sie ihren Besitz wiedererlangen kann. Wie der Nordkurier aus Sicherheitskreisen erfuhr, ist die offenbar staatenlose Familie, die in der Wohnung unterbracht ist, bereits polizeibekannt.

Nach einer internen Prüfung des Vorgangs sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft unserer Zeitung, der Bereitschaftsstaatsanwalt habe irrtümlich angenommen, dass die betreffende Wohnung bereits am Nachmittag das erste Mal aufgesucht worden sei, also keine Gefahr in Vollzug mehr vorgelegen hätte. Unter der Annahme sei das grundsätzlich richtig, "man hätte aber auch anders handeln können“.

Durchsuchung schließlich doch angeordnet

Intern aufgearbeitet werden soll noch, warum das Durchsuchungsanliegen dann nicht am folgenden Morgen nachgeholt wurde. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hätte auch hier die Polizei von sich aus tätig werden können.

Nun sollte nach Absprache noch am Mittwochabend in der Wohnung nach dem möglichen Diebesgut gesucht werden. Ein Durchsuchungsbefehl sei bereits erwirkt, sagte der Sprecher am späten Nachmittag. Zum Ergebnis der Aktion lagen zunächst noch keine Angaben vor.