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Tage der Raumfahrt - Kosmonaut und Stern stehen im Mittelpunkt

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Die Tage der Raumfahrt in Neustrelitz und Neubrandenburg greifen mit einem ehrgeizigen Programm nach den Sternen, widmen sich aber auch irdischen Problemen.
Veröffentlicht:29.11.2023, 10:00

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Zu den Orten mit der höchsten Raumfahrerdichte der Welt wird die Seenplatte vermutlich recht selten gezählt. Zu Unrecht: Mehr als 50 Menschen, die schon einmal im All gewesen sind, wurden hier bereits begrüßt - dank einer Initiative, die zu ihren jährlichen populärwissenschaftlichen Veranstaltungen stets hochkarätige Besucher aufzubieten weiß. Noch diese Woche kommt ein weiterer Kosmonaut hinzu, der 52. in der Geschichte der „Tage der Raumfahrt“.

Diesmal kommt ein kasachischer Kosmonaut

Ausgerichtet von der Initiative 2000plus, hat sich die Neubrandenburger Reihe mittlerweile ausgeweitet zu „Nordischen Wochen der Raumfahrt und Weltraumforschung“ mit Veranstaltungen auch in Peenemünde und Rostock. Besonders aufregend-informativ wird die diesjährige 38. Auflage aber nun mit dem traditionellen Kern: einem Wissenschaftsabend in Neustrelitz und einer Raumfahrtkonferenz in Neubrandenburg. Zu beiden wird der kasachische Kosmonaut Aidyn Akanowitsch Ajymbetow erwartet, um über seinen Einsatz auf der Internationalen Raumstation ISS im Jahr 2015 sowie die Entwicklung der Raumfahrttechnologie in seinem Heimatland zu berichten.

„Kosmonauten zum Anfassen“, kommentiert Organisator und Tagungsleiter Uwe Schmaling das Selbstverständnis der Veranstalter, mit der Faszination der Raumfahrt ein breites Publikum für Forschungsthemen zu begeistern. Ging es beim Gastspiel in Rostock etwa um Vorstellungen über außerirdisches Leben, liefert am Donnerstag, den 30. November, in Neustrelitz die bevorstehende Adventszeit den Hintergrund eines Vortrags über den „Weihnachtsstern und seine (Be-)Deutung“. Gemeint ist der berühmte Stern von Bethlehem, der vor mehr als 2000 Jahren drei Sterndeuter zum Geburtsort Jesu geführt haben soll. Das bis heute nicht ganz geklärte kosmische Phänomen will Referent Dr. Felix Lühning von der Stiftung Planetarium Berlin aus wissenschaftlicher Sicht betrachten.

Vor allem eine Frage des Geldes?

Einen ehrgeizigen thematischen Bogen schlägt dann die Raumfahrtkonferenz am Wochenende in Neubrandenburg: Da geht es etwa um europäische Beteiligung an der im Mond-Orbit geplanten Raumstation Lunar Gateway, um Visionen astronautischer und gar interstellarer Raumfahrt, die Chancen auf Produktion im Weltall, den Erfolg der indischen Mond-Mission oder die Erforschung der Venus. Beteiligt sind Referenten unter anderem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Airbus Defence and Space GmbH, dem UZH Space Hub der Uni Zürich oder dem World Space Council India.

Die weitere Weltraumforschung ist aus Schmalings Sicht vor allem eine Frage des Geldes; ein bisschen auch der Prioritäten, die etwa in den USA jeder neue Präsident anders setzen mag. Europa verzettle sich überdies in nationalen Bestrebungen, schätzt er ein, China oder Indien hingegen machten „ihr Ding“. Für die „alte Welt“ prognostiziert Schmaling, auch Chefredakteur der von der Initiative 2000plus herausgegebenen Zeitschrift „Raumfahrt Concret“, sie werde sich „nicht die ISS und Mondmissionen gleichzeitig leisten können“. Wenn Europa nicht mehr mithalten könne, werde die private Raumfahrt das Rennen machen.

Erstmals gibt es eine Schulstunde Technik

Zukunftsfragen stehen auch bei den „Tagen der Raumfahrt“ Jahr für Jahr erneut im Raum. Überlegungen, das (auf Hotel- und gastronomische Kapazitäten angewiesene) Tagungsprogramm in Neubrandenburg zu straffen, treffen da auf Interessen etwa aus der Lilienthal-Stadt Anklam, aber auch Stralsund und Schwerin an weiteren Einzelveranstaltungen.

Neubrandenburg samt Umgebung mag (trotz des DLR-Standorts in Neustrelitz) kein prominenter Forschungs- und Technologie-Standort sein. Jedoch macht das Engagement der Initiative 2000plus den Nordosten allemal reizvoll für renommierte Referenten, die bei der Gelegenheit auch gern die „Wiege der Raumfahrt“ in Peenemünde besuchen. Und für ein interessiertes Publikum, das sich gern auch verjüngen darf: Erstmals gibt es bei den Tagen der Raumfahrt diesmal eine „Schulstunde Technik“ speziell für Zehn- bis Sechzehnjährige mit Enthusiasten vom International Space Education Institute Leipzig.

Die Termine in Neustrelitz und Neubrandenburg
Tage der Raumfahrt

Die Termine in Neustrelitz und Neubrandenburg

30. November, 19.30 Uhr, Kulturquartier Neustrelitz: Vortrag „Zeit der Sterne - Stern der Zeit. Der ,Weihnachtsstern‘ und seine (Be-)deutung“ mit Dr. Felix Lühning; anschließend Forum mit Kosmonaut Aidyn Akanowitsch Ajymbetow (Eintritt frei)

2./3. Dezember, jeweils ab 9 Uhr, Evangelische Schule Neubrandenburg: Raumfahrtkonferenz mit zahlreichen Vorträgen sowie „Schulstunde Technik“ für Zehn- bis Sechzehnjährige (Sonnabend, 11.30 Uhr); Anmeldung unter www.raumfahrt-concret.de