Mobilfunk

Telekom enttäuscht von Open-RAN-Test in Neubrandenburg

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Die Deutsche Telekom hatte in Neubrandenburg den offenen Mobilfunkstandard Open RAN ausprobiert. Doch jetzt zog das Unternehmen ein ernüchterndes Fazit.
Veröffentlicht:07.12.2022, 11:54
Aktualisiert:07.12.2022, 12:17

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Die Deutsche Telekom ist nicht zufrieden mit dem Test des Mobilfunk-Standards Open RAN in der Modellstadt Neubrandenburg. „Bei einem flächendeckenden Einsatz von Open RAN kommen wir eher in die zweite Hälfte des Jahrzehnts”, sagte Claudia Nemat, Vorstandsmitglied Technologie & Innovation, auf dem Netzetag der Telekom in Bonn. Das System habe sich langsamer entwickelt, „als wir ursprünglich alle gehofft haben”.

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Wie der Branchendienst golem.de berichtet, habe der Konzern bei dem bundesweit einzigartigen Feldversuch in der Modellregion Neubrandenburg ein enttäuschendes Ergebnis erzielt. Die größten Probleme gerade bei Mobilfunknetzen auf dem Land seien dabei die Energieeffizienz, die Performance der Antennen, das Einbuchen in das Netz sowie die Orchestrierung der technischen Komponenten. Im Mai hieß es von der Telekom noch, dass nach dem Feldtest in Neubrandenburg schon ab 2023 „einsatztaugliche Systeme” erwartet werden.

Öffnung des Marktes für mehr Hersteller

Telekom-Deutschlandchef formulierte den Stellenwert von Open RAN in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" jüngst so: "Entwickelt sich das Open-RAN-Ökosystem so schnell, wie wir alle gehofft hätten? Nein. Sind wir ganz vorn dabei, es einzusetzen? Ja." Wie bei allen neuen Systemen brauche es einfach Zeit, der Mobilfunkstandard "ist ganz klar noch nicht fertig".

Bei Open RAN (Radio Access Network, Funkzugangsnetz) gehe es um die Einführung offener Schnittstellen und damit um die Öffnung des Marktes für mehr Hersteller für die Komponenten von Mobilfunk-Antennennetzen. Hard- und Software unterschiedlicher Lieferanten sollen zueinander passen und gemeinsam eingesetzt werden können. Hierbei handele es sich laut Telekom „um einen globalen Trend zur Erhöhung der Resilienz der Lieferketten, für mehr Kontrolle durch die Netzbetreiber und bessere Effizienz bei künftigen Mobilfunknetzen. Die Telekommunikationsbranche erhofft sich von den offenen Systemen generell mehr Flexibilität und geringere Kosten.

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Neubrandenburg war als Modellstadt ausgewählt worden, weil eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt waren wie die Verfügbarkeit, Typ und Anbindung von Mobilfunk-Standorten, die aktuelle Nutzung von Frequenzbändern und die Größe der Kommune. Grundsätzlich werde Open RAN derzeit vor allem im ländlichen Raum getestet, wo aufgrund geringerer Nutzerdichte keine leistungsstarken Lösungen benötigt werden. Das Projekt O-RAN-Town Neubrandenburg wurde vom Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur mit 10,5 Millionen Euro gefördert.

Erhebliche Probleme bei 1&1

Auch andere Anbieter setzen auf den offenen Mobilfunkstandard. Vodafone hat im sächsischen Plauen ein ähnliches Modellprojekt installiert und jetzt in Bayern zwei 5G-Mobilfunkstationen mit Open RAN in Betrieb genommen. Weitere Pilotsender sollen in Niedersachsen folgen. Laut dem Branchendienst heise.de sei es das Ziel von Vodafone, im Jahr 2030 Open RAN an 30 Prozent aller europäischen Sendestationen zu unterstützen.

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Der Mobilfunkanbieter 1&1 ist ebenfalls dabei und lässt sich derzeit vom japanischen Internetkonzern Rakuten das erste 5G-Mobilfunknetz auf Open-RAN-Technologie in Deutschland bauen. Allerdings gebe es dabei laut Medienberichten derart erhebliche Probleme, dass 1&1-Mutterkonzern United Internet den Verkauf des Unternehmens habe prüfen lassen. Auch vom O2-Mutterkonzern Telefonica hieß es im Sommer, dass es fraglich sei, ob die Open-RAN-Technologie für einen bundesweiten Einsatz überhaupt tauglich ist.