StartseiteRegionalNeubrandenburg▶ Teure Technik in Flammen - Warum brennen so viele Erntemaschinen?

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▶ Teure Technik in Flammen - Warum brennen so viele Erntemaschinen?

Seenplatte / Lesedauer: 4 min

Immer wieder gehen die großen Erntemaschinen in Flammen auf. Oft brennen sie vollständig aus. Doch man kann ein wenig vorbeugen.
Veröffentlicht:17.08.2020, 18:17

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Wenn Jan Kalisch von der Landbetriebsgesellschaft Rehberg hoch oben im Mähdrescher sitzt und in der Ferne schwarzen Rauch aufsteigen sehen, weiß er: Da hat wohl wieder ein Kollege ein Riesenproblem. Mähdrescherbrände in Mecklenburg-Vorpommern sind weithin sichtbar und bei jedem Bauern gefürchtet.

Die Angst fährt immer mit

Bei Stavenhagen, in der Uckermark, bei Woldegk, bei Anklam, bei Friedland und auf einigen anderen Feldern in Mecklenburg-Vorpommern sind in den vergangenen Wochen Erntemaschinen abgebrannt. Jeder Landwirt hofft, dass es ihn nicht selbst erwischt. Zwar gibt es Handfeuerlöscher an Bord, aber wenn die gigantischen Maschinen Feuer fangen, können die Bauern meist nicht viel ausrichten. „Man muss versuchen, ihn schnell auf eine gemähte Fläche zu fahren und dann nichts wie raus und weg“, sagt Jan Kalischs Kollege Stefan Bielow. In ihrem Betrieb, in dem Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) im vergangenen Jahr selbst einen Mähdrescher fahren durfte, sei so ein Unglück seit 30  Jahren nicht passiert. Trotzdem fahre die Angst immer mit, sagt Geschäftsführerin Christa-Maria Wendig.

Gründliche Reinigung als erster Schritt

Jeder Mitarbeiter setzte deshalb alles daran, Brände zu verhindern. „Bevor es morgens losgeht, werden die Mähdrescher gründlich geputzt“, so Wendig. Eingeklemmtes Stroh oder Spelzen werden penibel entfernt. Sie könnten sich entzünden, wenn sich die Mähdrescher im Dauerbetrieb in der Sonne aufheizen. Zwei Erntemaschinen gehören ihrem Unternehmen. Jede ist mehr als 5,20 Meter hoch und mehr als 9 Meter breit. Da dauert das morgendliche Reinigen gut eineinhalb Stunden.

„Auf dem Feld mähen wir gleich zuerst ringsum einen Streifen ab“, erklärt Christa-Maria Wendig. Dieser soll verhindern, dass ein möglicher Brand ins Dorf, auf den Nachbaracker, den Wald oder den Straßenverkehr überspringt. „Außerdem haben wir immer einen Traktor mit einem großen Wassertank dabei.“ Die großen Landmaschinenhersteller würden forschen und daran arbeiten, die Technik sicherer zu machen. Das Risiko lasse sich aber nur minimieren, nicht ausschließen. Die Kombination von Trockenheit, Stroh und Technik bleibe brandgefährlich.

Ein Funke kann ausreichen

„Die meisten Brände entstehen im Motorbereich, durch technische Defekte oder heiße Stellen. Der Krümmer ist der heißeste Punkt“, weiß Jan Kalisch. Vorne am Mähwerk sind zwei Schleifkufen, die bei Bodenkontakt auf Steine treffen. „Ein Funke kann ausreichen“, ergänzt Stefan Bielow.

Landwirte seien gut beraten, beim Mähen stets auf brenzlichen Geruch zu achten und gegebenenfalls sofort zu reagieren. Man müsse den Mähdrescher ringsum so gut wie möglich im Auge behalten, allerdings gebe es trotz Außenkameras bei so einem Koloss einen „ganz schön großen toten Punkt“. Die Traktorfahrer, die die Mähdrescher begleiten, seien ebenfalls angehalten, immer ein Auge auf die Maschinen zu halten.

„Ein Kollege ist vor ein paar Tagen mit brennendem Mähdrescher weitergefahren. Hinten brannte es, vorne mähte er. Er hat das nicht gemerkt.“ Als der Traktorfahrer vom Abladen zurück aufs Feld kam, habe er seinen Augen nicht getraut und den Mähdrescher-Fahrer gefragt, was er da eigentlich macht. Beide konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, doch der Mähdrescher brannte vollständig aus.

„Man sitzt wie in einem Wohnzimmer“

Wenn Mähdrescher, Strohpressen oder andere Erntetechnik erst einmal brennen, können Feuerwehren meistens nur noch verhindern, dass sich die Flammen ausbreiten. Die Maschinen mit vielen Litern Hydraulik-Öl, großen Reifen und hunderten Litern Diesel im Tank sind selten zu retten.

Jeder von Christa-Maria Wendigs Mähdreschern kostet rund eine halbe Million Euro. „Sie sind hochversichert.“ Das Geld von den Versicherungen zurückzubekommen, sei jedoch nicht leicht. „Wenn ein Mähdrescher ausbrennt, gibt es viel Ärger.“

Anfang Juli haben ihre Mitarbeiter mit der Ernte begonnen, saßen täglich zehn bis zwölf Stunden hinterm Steuer, zuletzt gab es für sie kein einziges freies Wochenende. Trotz Stress und Sorge ums Wetter und Brände ist die Ernte für die meisten Bauern eine tolle Zeit. „Man sitzt wie in einem Wohnzimmer. Das macht richtig Spaß, sonst würde man das nicht bis in die Nacht hinein machen“, sagt Stefan Bielow. „Mähdrescherfahren wird nie langweilig.“