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IHK–Konjunkturumfrage

Unternehmer hadern mit Kosten und der Politik

Neubrandenburg / Lesedauer: 4 min

Die IHK–Konjunkturumfrage zeigt, dass nicht allein Energie– und Materialpreise für Firmen ein Problem sind. „Noch nie war Politik so unberechenbar“, kritisieren die Unternehmer.
Veröffentlicht:23.05.2023, 11:18

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Als er auf den inzwischen schon legendären Satz von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck angesprochen wurden, musste Frank Wegner unwillkürlich grinsen. Firmen würden möglicherweise aufhören zu produzieren, wenn es sich nicht rechne, aber insolvent seien sie damit nicht, hatte der Grüne im vergangenen Herbst in einer Talkshow verkündet.

"Realitätsferne" Politik

„Realitätsfern“, nannte Wegner, Geschäftsführer der Torney Landfleischerei Pripsleben bei Altentreptow, gestern diese Äußerung. „Wenn wir aufhören, zu produzieren, haben wir keine Arbeitskräfte mehr und auch keinen Betrieb. Dann könnten wir wieder bei Null anfangen“, verwies das Mitglied der Vollversammlung der IHK Neubrandenburg auf die unternehmerische Verantwortung für die rund 135 Mitarbeiter der 1993 gegründeten Firma.

Frank Wegner, Geschäftsführer der Torney Landfleischerei Pripsleben
Frank Wegner, Geschäftsführer der Torney Landfleischerei Pripsleben (Foto: Jörg Franze)

Also mussten Wegner und seine Mitstreiter im vergangenen Jahr Mittel und Wege suchen, um eine Verachtfachung des Gaspreises und einen sechsmal höheren Strompreis irgendwie aufzufangen, ohne den Fortbestand des Betriebes zu riskieren. Hinzu kämen auch noch deutlich höhere Einkaufspreise beispielsweise für Schweinfleisch. Die Preise für die Produkte habe man aber niemals im gleichen Umfang anheben können. Rationalisierung, Strukturänderung, Filialschließung, weniger Gewinn und ja, dann auch eine moderate Preissteigerung — das sei der Mix gewesen, um das Unternehmen auf Kurs zu halten, sagte Wegner.

Als Unternehmer unterstützte er gestern mit aktuellen Beispielen aus der Praxis die mahnenden Worte, die Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg–Vorpommern, angesichts der Ergebnisse der Frühsommer–Konjunkturumfrage an die Politik richtete. Denn auch wenn die Firmen der Region ihre aktuelle Geschäftslage noch überwiegend gut bis befriedigen beurteilten, würden doch mehr Firmenlenker sorgenvoll als optimistisch in die Zukunft blicken.

Verweis auf die aktuelle Heizungsdiskussion

Ganz oben auf der Sorgenliste stehen weiterhin die Energie– und Rohstoffpreise, sagte Haasch. Einige Aspekte könne man dabei schwer nicht kontrollieren, aber die Wirtschaft wolle nicht immer wieder mit neuen Belastungen konfrontiert werden, verwies Frank Wegner zum Beispiel auf die Diskussion, welche Heizungen und Energieträger künftig bei Neuinvestitionen noch erlaubt seien. Die Infrastruktur seines Unternehmens sei zum Beispiel mit Dampferzeuger und Blockheizkraftwerk effizient und sparsam ausgestaltet, müsse aber künftig wohl in Frage gestellt werden.

Drei Gesetze zur Bürokratie-Entlastung verpufft

„Die Firmen wollen wissen woran sie sind. Sonst halten sie sich bei Investitionen, die aufgrund des steigenden Zinsniveaus ohnehin schwieriger geworden sind, noch mehr zurück“, nahm Torsten Haasch den Ball auf und mahnte einen Bürokratieabbau auf allen Ebenen sowie eine schnellere Digitalisierung gerade auch in der öffentlichen Verwaltung an. Es habe in den vergangenen Jahren drei Bürokratie–Entlastungsgesetze gegeben, „doch davon ist nicht angekommen“, so der IHK–Hauptgeschäftsführer. An neuen Vorschriften und Regularien gebe es dagegen eine ganze Menge. „Noch nie war die Politik so unberechenbar wie jetzt“, fasste Frank Wegner zusammen.

Überhaupt wünsche man sich mehr Wertschätzung für das Unternehmertum, sah auch Torsten Haasch aktuell einige Defizite in der öffentlichen Wahrnehmung der Firmenlenker. „Wir brauchen eine Politik zur Sicherung des Wohlstands in diesem Land“, mahnte er. Sonst könne es der Wirtschaft nicht gelingen, nach der Finanz– und Wirtschafts–, der Corona– und nun der Energiekrise endlich mal zu einem längerfristigen Aufschwung zu kommen.

Auch Fachkräftemangel bleibt ein großes Problem

Als weiteren Hemmschuh sehen die IHK–Unternehmen, von denen rund 300 der befragten 900 eine Rückmeldung gegeben hätten, weiterhin die Personalsituation an. Um die Fachkräftesituation, ja den grundlegenden Mangel an Arbeitskräften überhaupt bewältigen zu können, müssten sowohl die Ausgestaltung der schulischen Bildung wie auch die Einstellung ausländischer Fachkräfte als Themen angepackt werden, sagte Torsten Haasch.

Riechen so gut, wie sie aussehen: Würste, frisch aus der Räucherkammer, bringt Manuela Mieglich in der Torney Landfleischerei Pripsleben zum Verpacken.
Riechen so gut, wie sie aussehen: Würste, frisch aus der Räucherkammer, bringt Manuela Mieglich in der Torney Landfleischerei Pripsleben zum Verpacken. (Foto: Anke Krey/NK-Archiv)

Hier konnte Frank Wegner für seine Torney Landfleischerei über gute Erfahrungen mit der sogenannten berufsanschlussfähigen Teilqualifizierung berichten. Damit gelinge es, auch Quereinsteiger in den Beruf zu binden und im Unternehmen zu halten. Denn über den Arbeitsmarkt seien trotz weiterhin vieler Erwerbsloser bestimmte Stellen einfach nicht zu besetzen.

Zu guter Letzt verwies Torsten Haasch auf Probleme mit der Infrastruktur, egal ob Straßen und Schienen oder Wasserwege sowie Flugplätze. Die Firmen der Region seien auf gute Transportwege angewiesen, damit ihre Produkte auch die Konsumenten erreichen könnten.