StartseiteRegionalNeubrandenburg▶ Waldbau-Lager der Nazis in Neubrandenburg als Gedenkort?

Außenstelle von Konzentrationslager

▶ Waldbau-Lager der Nazis in Neubrandenburg als Gedenkort?

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Wie die Ruinen des einstigen Waldbau-Lagers als Gedenkort erschlossen werden können, ist noch unklar. Einig sind sich die Beteiligten aber darin, wie es nicht aussehen soll.
Veröffentlicht:18.06.2020, 13:05

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Das ehemalige Waldbaulager in Neubrandenburg, das einstmals größte Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück, in dem bis zu 2000 Frauen Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie verrichten mussten, soll ein Gedenkort werden. Was hier vor mehr als 75 Jahren geschah, soll nicht aus dem Gedächtnis der Region verschwinden.

Kein „Gedenktourismus mit Busschleife”

Wie außerhalb des Stadtgebiets von Neubrandenburg auf Forstgebiet mit Bodendenkmalstatus würdiges Gedenken gestaltet werden kann, beschäftigte jüngst die Akteure und Besucher einer „Vorlesung am besonderen Ort“ der Hochschule Neubrandenburg und einer Podiumsdiskussion über die künftige Nutzung.

Ein Konzept, um das Gelände im Nemerower Holz für Führungen und pädagogische Projekte zugänglich zu machen, hatte die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) zu Jahresbeginn vorgelegt. Doch nicht nur die auswärtige Lage erweist sich als Herausforderung, sondern auch die Vielzahl der Beteiligten, die da übereinkommen müssen.

So hat die Forst die Sicherung der natürlichen Gegebenheiten im Blick, verweist Harald Menning, ab 1. Juli neuer Leiter des Forstamts Neubrandenburg, auf Gefährdungen durch Witterung, Wild und Vandalismus. Angesichts des eindrucksvollen Zusammenwirkens von Natur und Lager-Ruinen plädiert er für eine behutsame, waldangepasste Erschließung des Ortes. Einen „Gedenktourismus mit Busschleife“ möchte er sich nicht vorstellen; über ausgewählte Veranstaltungen hingegen sei gern zu reden.

„Kein zweites Ravensbrück”

„Wir brauchen hier kein zweites Ravensbrück“, spricht sich auch RAA-Projektleiterin Constanze Jaiser für ein Konzept jenseits „klassischer“ Gedenkstätten aus: Ihr Anliegen ist eine lebendige Erinnerungsarbeit, wie sie bereits Spuren hinterließ durch Arbeiten von Schülern, die ebenso in die Landschaft integriert sind wie die Kamm-Silhouetten der Künstlerin Imke Rust, die an das Leid der Häftlingsfrauen erinnern, und das Orte-Mahnmal, das auf weitere Stätten der NS-Zwangsarbeit verweist. Wie bei Ideen zum pädagogischen, künstlerischen, kulturellen Umgang mit dem Ort die verschiedenen Belange unter einen Hut zu bringen sind, solle auch mit Unterstützung der Hochschule ausgelotet werden.

Der für die Studiengänge im Bereich Soziale Arbeit vorgesehene Zuwachs an Exkursionen jedenfalls solle auch das einstige Waldbau-Lager erreichen, wünscht sich Professorin Júlia Wéber. In ihrer „Vorlesung am besonderen Ort“ hatte sie eindringlich über Gefährdungen der Demokratie, Erfordernisse der Erinnerungsarbeit und das Anliegen gesprochen, nicht nur Bildung zu vermitteln, sondern auch Haltung.

Finanzielle Unterstützung seitens der Stadt

Um Nutzungsperspektiven auszuhandeln, sollten alle potenziell Beteiligten an einen Tisch gelangen, hieß es aus dem Publikum der von Nordkurier-Chefreporter Mirko Hertrich moderierten Diskussion. Sich zum Beispiel beim Landkreis für eine Radweg-Anbindung einzusetzen, kündigte Neubrandenburgs Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann an. Auch wenn das einstige Lagergelände außerhalb des Stadtgebiets liege, fühle sich die Stadt Neubrandenburg doch zuständig für dieses Kapitel der Geschichte und wolle Initiativen – wenn nicht finanziell, so doch personell – unterstützen.