StartseiteRegionalNeubrandenburgWie der Vater, so der Sohn – Bäckereihandwerk seit 90 Jahren

Traditionsbäckerei

Wie der Vater, so der Sohn – Bäckereihandwerk seit 90 Jahren

Alt Käbelich / Lesedauer: 3 min

Tradition und Handwerk stehen in der Familienbäckerei Körner an erster Stelle. Nach 90 Jahren und drei Generationen schaut Mario Körner auf sein Familienunternehmen zurück.
Veröffentlicht:07.02.2024, 19:35

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Es war nicht immer leicht. Es war aber immer das Richtige, da sind sich Ines und Mario Körner einig. Vor 19 Jahren im Jahr 2005 übernahmen sie die Bäckerei von Mario Körners Vater, der wiederum hatte sie zuvor von seinem Vater übernommen. Die Bäckerei Körner in Alt Käbelich ist damit ein Familienunternehmen mit 90 Jahren Tradition.

Bäckerei seit 77 Jahren in Alt Käbelich

Angefangen hat alles in Elbing, im heutigen Polen. Gustav Körner war damals schon gelernter Bäckermeister. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Körner eröffnete er 1933 die Bäckerei Körner. Durch den Krieg mussten sie allerdings ihr Zuhause verlassen und kamen nach Neubrandenburg, wo sie schließlich in Alt Käbelich Fuß fassten. „Das Haus war eine Ruine. Hier war außer dem Keller nichts. Mein Opa baute es auf und so entstand hier die Backstube“, erzählt Mario Körner. 1947 wurde die Bäckerei Körner am Standort Alt Käbelich eröffnet und da ist sie nach 77 Jahren noch heute. 

Gustav Körner mit seiner Frau Elisabeth Körner und der erstgeborenen Tochter.
Gustav Körner mit seiner Frau Elisabeth Körner und der erstgeborenen Tochter. (Foto: Fotoarchiv Familie Körner)

Nicht nur Gustav Körner verschrieb sein Leben dem Bäckereihandwerk, auch sein Sohn Winrich Körner lebte dafür. Nachdem er unter anderem bei seinem Vater im Betrieb gelernt hatte, übernahm er 1962 die Bäckerei. „Er war ein strenger Chef, aber das hatte auch Gutes“, erzählt Ines Körner, die als Schwiegertochter damals schon im Verkauf mitarbeitete.

„Gearbeitet habe ich nie woanders“

1981 war dann auch Mario Körner mit seiner Ausbildung zum Bäcker fertig. Auch er lernte wie sein Vater im Familienbetrieb und blieb diesem auch fortan treu. „Gearbeitet habe ich nie woanders“, sagt der heutige Bäckermeister.  Bei dem Vater-Sohn-Gespann gab es dann geteilte Aufgaben. Winrich Körner übernahm den Konditorbereich und Mario Körner den Teigbereich. „Ich mochte schon immer am liebsten das Handwerkliche mit dem Teig. Brot backen ist meins. Torten und Cremes eher nicht so“, sagt er. Im Jahr 2005 übernahm er dann die Bäckerei, als sein Vater Winrich Körner in den Ruhestand ging.

Zwei Generationen von Bäckermeistern: Erika und Winrich Körner (rechts) mit Ines und Mario Körner 
Zwei Generationen von Bäckermeistern: Erika und Winrich Körner (rechts) mit Ines und Mario Körner  (Foto: Fotoarchiv Familie Körner)

Nach drei Generationen bleibt die Frage: Was hat sich in den 90 Jahren verändert? „Wir haben nicht viel verändert“, stellt der 61-Jährige fest. Das Brot auf Sauerteigbasis wird noch nach dem Rezept des Großvaters gebacken und die Kuchenrezepte mit Hefeteig sind auch noch von Gustav Körner. „Viele Rezepte führen wir genauso weiter“, erzählt Mario Körner. Die Torten werden auch immer noch traditionell dekoriert, so wie es Gustav und Winrich Körner taten.

Tradition wird in der Bäckerei also großgeschrieben und das kommt auch an, betont Ines Körner. „Gerade in den letzten Jahren, da wird das Handwerk wieder mehr geschätzt“, führt sie fort. Auf Wunsch werden allerdings auch moderne Torten hergestellt.

Der Heimatverein Alt Käbelich gratulieren Ines und Mario Körner zum 90. Jubiläum ihrer Bäckerei.
Der Heimatverein Alt Käbelich gratulieren Ines und Mario Körner zum 90. Jubiläum ihrer Bäckerei. (Foto: Toni Altenburg )

Bäckerei Körner ist auch mobil

Neben dem Tagesgeschäft in Alt Käbelich führten sie 1990 allerdings doch eine Neuerung ein: Die Bäckerei wurde mobil. „Das erste Auto haben wir damals noch selbst zum Bäckerauto ausgebaut“, erzählt Mario Körner. Heute fahren zwei Bäckerautos übers Land bis nach Friedland, Prenzlau und Burg Stargard. „Die Kunden nehmen es immer noch gut an, allerdings waren die Autos früher doppelt so voll. Denn das Geschäft über Land stirbt leider aus“, bedauert der Bäckereichef. 

Das Ehepaar Körner ist sich aber einig, dass sie besonders viel ihren treuen Kunden zu verdanken haben. „Sie ermöglichen, dass wir heute immer noch existieren und dafür möchten wir uns auch mal bedanken“, sagt Mario Körner. Als Traditionsbäckerei sind sie weit über Alt Käbelich bekannt. Sie haben Stammkunden aus Neubrandenburg, Neustrelitz und Prenzlau, weiß Ines Körner. „Manchmal rufen sie an und sagen, wir kommen heute bei euch vorbei, könnt ihr uns was weglegen?“ Wenn es möglich ist, kommen sie diesen Wünschen gerne nach.

Wie es in der Zukunft weitergehen soll, dass weiß Mario Körner noch nicht. Seine Kinder haben kein Interesse, die Familienbäckerei weiterzuführen. Traurig ist er darüber nicht. „Erzwingen muss man es ja nicht“, sagt der 61-Jährige. Aber eine Nachfolge will er trotzdem finden.