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Gastronom angegriffen

Wie sicher ist der Neubrandenburger Marktplatz?

Neubrandenburg / Lesedauer: 3 min

Mitten in der Nacht wird ein Gastronom vor seinem Restaurant am Marktplatz angegriffen. Er beklagt, dass sich in der Stadtmitte immer wieder unschöne Szenen zutragen. 
Veröffentlicht:09.08.2023, 05:37

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Ein Gewaltvorfall auf dem Marktplatz hat die Debatte über die Sicherheit in der Neubrandenburger Innenstadt neu entfacht. Der Neubrandenburger Gastronom Ayman El Kazaz wurde nach eigenen Angaben am 22. Juli kurz nach Mitternacht durch einen Flaschenwurf im Gesicht verletzt. Zwar konnte die hinzugerufene Polizei schnell einen Tatverdächtigen ermitteln. Das ungute Gefühl bei dem Betreiber von zwei beliebten Restaurants in Neubrandenburg aber bleibt.

Gruppen mit Hunden und Bierflaschen

Ayman El Kazaz wollte eigener Darstellung zufolge in der Tatnacht eine Mitarbeiterin nach Feierabend nach Hause fahren, er machte aber noch kurz Stopp an seinem Restaurant „Italy“ im Haus der Kultur und Bildung (HKB). Als er mit seinem Wagen anhielt, merkte er nach eigenem Bekunden, wie jemand von hinten gegen sein Auto tritt. Der große und kräftige Mann stieg aus, um den Übeltäter zur Rede zu stellen, sah sich zwei Gruppen mit Hunden gegenüber, darunter Männer mit Glatzen und Tattoos. Nicht die üblichen Punker, die auf der Treppe am HKB immer wieder für Unruhe sorgen, die deswegen auch von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) videoüberwacht wird, nach einer Auflage des Landesdatenschutzbeauftragten aber nur von 6 bis 23 Uhr. 

„Die kannte ich nicht“, sagte der Restaurantbetreiber dem Nordkurier. Er stellte die Männer zur Rede, um die Situation nicht weiter zu eskalieren, stieg der gebürtige Ägypter mit deutschem Pass aber wieder in sein Auto. Dann flogen eine oder mehrere Flaschen. Eine davon fand den Weg durchs halb geöffnete Seitenfenster, traf den Gastronomen am Jochbein und hinterließ eine blutende Wunde im Gesicht. "Ich bin bis heute krankgeschrieben“, sagte der Geschäftsmann. Das linke Auge sei zum Glück nicht getroffen worden, beim Schließen tue es dennoch weh. Seine Mitarbeiterin und er erlitten zudem einen Schock.

Verdächtigen am Bahnhof kontrolliert

Zusammen mit der alarmierten Polizei wurde der Tatverdächtige am Bahnhof eingeholt, der dorthin mit seiner Gruppe und einer Kiste Bier unterwegs war. Ayman El Kazaz findet es schade, dass nur die Personalien aufgenommen wurden sowie ein Alkohol– und Drogentest gemacht wurde. "Mehr war aber wohl nicht drin." Auch wegen des Sachschadens an seinem Auto in Höhe von 3000 Euro will er die Angelegenheit seinem Anwalt übergeben.

Die Polizei bestätige dem Nordkurier, dass zu dem Vorfall gegen einen 32 Jahre alten Deutschen wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt wird. Der alkoholisierte Mann sei bei einer Kontrolle am Bahnhofsvorplatz festgestellt worden. Vor dem mutmaßlichen Flaschenwurf soll er etwas gerufen haben, was das Opfer aber nicht verstanden habe.  

Der Gastronom bedauert, dass es immer wieder Ärger auf dem Marktplatz gibt, auch tagsüber, angefangen von Pöbeleien Betrunkener, Vorfällen mit Hunden bis hin zu exhibitionistischen Handlungen. Manche Gäste würden deswegen sein Restaurant wieder verlassen, sagte Ayman El Kazaz, der seit 22 Jahren in Deutschland lebt und erst vor kurzem seinen Lebensmittelpunkt von Berlin nach Neubrandenburg verlegt hat. „Ich habe zwei Geschäfte, das ist harte Arbeit, solche Sachen stören uns.“

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