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Windrad-Gebiete sorgen für Streit unter Planern und Widerstand

Seenplatte / Lesedauer: 3 min

In Neubrandenburg wurden mögliche Flächen für Windräder vorgestellt. Die überraschend große Planungsgrundlage sorgte für Ärger – an mehreren Stellen.
Veröffentlicht:01.12.2023, 19:19

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Über rund hundert Potenzialflächen für Windräder in der Seenplatte ist im zuständigen Planungsgremium in Neubrandenburg ein hitziger Streit entstanden. „Mich hat erschrocken, was uns vorgelegt wird“, sagte Sven Flechner (SPD), Vorstandsmitglied und Penzliner Bürgermeister, bei der ersten Kenntnisnahme des Vorentwurfs mit 99 Gebieten auf mehr als 15.000 Hektar auf der 58. Versammlung des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte.

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Tausende Hektar Spielraum

Im Vorstand sei der Vorentwurf so nicht durchgesprochen worden, monierte Flechner. Der Unmut der Bevölkerung richte sich gegen den Planungsverband. Doch die Vorgaben kämen aus der Bundespolitik.

Flechner kritisierte die starke Konzentration der Planung in den Räumen um Altentreptow, Demmin, Penzlin, Burg Stargard und südwestlich der Müritz. „Es findet eine absolute Ungleichbehandlung statt.“ Eine Wildwuchs könne kaum schlimmer sein als die aktuelle Vorlage. Flechner ließ darüber abstimmen, den Vorentwurf zurück in den Vorstand zu schicken, scheiterte aber knapp.

„Das ist der blanke Wahnsinn“, sagte Norbert Schumacher (Freier Horizont). Es drohe eine ökologische und ökonomische Katastrophe. Man dürfe sich nicht von der Bundespolitik erpressen lassen. Kriterien seien einfach ausgehebelt worden. „Wenn das Wahrheit wird, werden große Teile der Seenplatte entwertet.“ Es dürfe nicht vorauseilend gehandelt werden. Es sei besser, auf Zeit zu spielen.

Viele Gebiete werden noch ausgeschlossen

„Warum wollen wir so viele Flächen ausweisen?“, fragte Enrico Schult (AfD). Der Landtagsabgeordnete schlug ebenso wie Flechner vor, erst einmal einen Plan für 1,4 Prozent der Landkreisfläche auszuarbeiten und auf mögliche Änderungen der Bundespolitik zu reagieren.

Der Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte, Christoph von Kaufmann, verteidigte allerdings das Vorgehen, erst einmal deutlich mehr Gebiete in Betracht zu ziehen. „Es ist ratsam, mit mehr Flächen ins Rennen zu gehen und nach und nach zu dezimieren.“ So sei die Gefahr geringer, die Ziele gar nicht zu schaffen und einen ungesteuerten Ausbau zu riskieren. "Wir reden noch nicht über Vorranggebiete, nur über mögliche Potenzialflächen“, stellte von Kaufmann klar. Viele Gebiete würden im weiteren Verfahren ausgeschlossen werden. Es handele sich nur um einen Arbeitsstand.

Auch Andreas Grund (parteilos) bemerkte nach eigener Aussage viel Unruhe in den Vorgängen, unterstützte aber grundsätzlich den Planungsvorgang. Es gebe immerhin einen Spielraum von Tausenden von Hektar. „Einen Wildwuchs kann keiner wollen.“

Zahlreiche Windkraftgegner versammelten sich vor dem Haus der Kultur und Bildung.
Zahlreiche Windkraftgegner versammelten sich vor dem Haus der Kultur und Bildung. (Foto: Robin Peters)

Laut Heiko Kärger (CDU), Vorsitzender des Planungsverbandes und Seenplatten-Landrat, gehe es nur darum, Informationen zu sammeln. Es müsse jedoch von Beginn an ehrlich und transparent geplant werden. Man dürfe den Menschen aber nicht vorlügen, dass Flächen rausfallen. Zunächst hat man laut Christoph von Kaufmann in den Überlegungen berücksichtigt, Siedlungen, Tourismusschwerpunkte, Industriestandorte, Denkmalschutz, Naturschutzgebiete nicht erheblich zu beeinträchtigen.

Ein kompletter Entwurf mit deutlich weniger Flächen soll laut Christoph von Kaufmann in rund einem Jahr vorgelegt werden. Bis dahin werde auch ein neuer Umweltbericht erstellt. Die letzte Prüfung sei in die Jahre gekommen. Schließlich sollen ebenso Öffentlichkeitsbeteiligungen stattfinden. Erst bis Mitte 2026 sollen Verbindlichkeitserklärungen geschaffen werden. 

Ein kritisches Banner versperrte kurzzeitig den Eingang.
Ein kritisches Banner versperrte kurzzeitig den Eingang. (Foto: Robin Peters)

Dutzende Gegner des weiteren Ausbaus waren ebenfalls zur Versammlung gekommen und begrüßten die Verbandsmitglieder mit Bannern und Plakaten vor dem Haus der Kultur und Bildung. Harry Mann von „Gegenwind Stargarder Land“ kritisierte, dass Bürger zu wenig in die Planungen eingebunden werden. Aus seiner Sicht geschehe zu viel unter der Hand.

„Jedes Windrad ist eines zu viel“, sagte Margitta Schülke der Bürgerinitiative „Keine Windräder zwischen Schwarz und Buschhof“. Ohne effiziente Speichermöglichkeiten sei ein weiterer Ausbau Irrsinn. Brigitte Lederl aus Fünfseen bemängelte viel zu alte Naturschutzberichte. Eine von Bürgern in Auftrag gegebene Studie beweise ein großes Zugvogelgeschehen zwischen der Müritz und dem Plauer See.