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Sachbeschädigung

Feldberger kämpft gegen Aufkleber an Laternenmasten

Feldberg / Lesedauer: 4 min

Die Zettel sind grundsätzlich ein Problem an öffentlichen Anlagen der Gemeinde, sagt der Vize-Bürgermeister.  Eine Idee, dem Problem beizukommen, gibt es aber. 
Veröffentlicht:15.03.2023, 05:34

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Sie werden gern mit allen möglichen und mitunter auch verfassungsfeindlichen Botschaften zugepflastert und geben häufig ein beschämendes Bild von dem ab, was Leute meinen in die Öffentlichkeit bringen zu müssen. Laternenmasten scheinen Menschen magisch anzuziehen, die vor Sachbeschädigungen nicht zurückschrecken. Denn genau das stellt das Bekleben eines solchen Mastes dar.

Feldberger entfernt Aufkleber  nahe der Schule

In Feldberg hat schon länger ein Mann den mit Aufklebern zugepflasterten Laternenmasten den Kampf angesagt. Hilmar Schädel entfernt die Aufkleber, wo immer es ihm gelingt. Sein besonderes Augenmerk gilt indessen dem Bereich im unmittelbaren Umfeld der Hans–Fallada–Schule. Nach seinen Beobachtungen hätten die Aufkleber dort sehr häufig radikale politische Inhalte aus dem links– und rechtsextremen Spektrum, was als sehr bedenklich anzusehen sei.

Hilmar Schädel engagiert sich gegen Aufkleber an Laternenmasten.
Hilmar Schädel engagiert sich gegen Aufkleber an Laternenmasten. (Foto: ZVG)

Weitere Mitstreiter gewünscht

Hilmar Schädel wünschte sich nun in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Gemeindevertretersitzung mehr Aufmerksamkeit für solcherlei Botschaften an Laternenmasten. Diese sollten nicht einfach hingenommen werden. Er könne sich vorstellen, dass sich noch mehr Menschen im Ehrenamt zusammenfinden, die diese Aufkleber entfernen, machte Hilmar Schädel deutlich.

Termin in der Schule vereinbart

Zudem schlug er vor, zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Hans–Fallada–Schule aktiv zu werden und gemeinsam Aufkleber zu entfernen. Um die Schüler zugleich auch für die Botschaften auf den Aufklebern zu sensibilisieren. Er wäre dazu bereit, sagte Hilmar Schädel und fand dabei die Zustimmung von Gemeindevertretervorsteher Werner Zimmermann. Der empfahl dem aufmerksamen Feldberger Bürger zudem, sich an Schulleiterin Monika Friedrich zu wenden, die für die SPD–Fraktion in der Gemeindevertretung sitzt. Ein Termin in der Schule für die kommende Woche ist nun auch schon festgemacht, wie Hilmar Schädel dem Nordkurier am Dienstag sagte.

Beschichtung soll helfen 

Indessen gehen seine Recherchen noch weiter. So hat sich der Mann darüber belesen, wie die Oberfläche von Laternenmasten so behandelt werden kann, dass Aufkleber gar nicht erst haften bleiben. Es gibt Firmen, die eine bestimmte Beschichtung anbieten, die das Anhaften verhindert, hat der Mann erfahren und dies in dieser Woche auch im Gespräch bei Bürgermeisterin Constance von Buchwaldt (SPD) mitgeteilt. Aus seiner Sicht wäre es den Versuch wert, in einer Art Pilotprojekt zumindest die Masten im Bereich der Schule mit dem speziellen Anstrich zu versehen. Genaueres müsste natürlich in der Gemeinde geklärt werden.

Hilmar Schädel hält es zudem für angeraten, darüber nachzudenken, warum immer wieder Laternenmasten mit Aufklebern versehen werden. Er hält eine Theorie für plausibel, die mit dem Titel Broken Windows (übersetzt kaputte Fenster) umschrieben wird. Ist erst mal in einem Haus ein Fenster eingeschmissen, wird es immer wieder passieren...

Extra eine Leiter angeschafft

Hilmar Schädel macht zudem im Gespräch mit dem Nordkurier unmissverständlich klar, dass es nicht sein Ziel sei, zu Ostern die Aufkleber zu entfernen und dann zu Pfingsten wieder zugeklebte Masten zu haben. „Ich wünsche mir eine nachhaltige Lösung“, sagt er. Mit einer Frau aus der Gemeinde, die sich ähnlich engagiert, sei er bereits im Kontakt. Der Neufeldberger — er lebt seit rund fünf Jahren in der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft — wünscht sich aber noch mehr ehrenamtliche Mitstreiter. Für seine eigenen Einsätze hat er sich bereits eine kleine Leiter zugelegt, um künftig an die Stellen an Laternenmasten zu kommen, an die „ich sonst nicht heranreiche“.

„Szene sehr aktiv“

Hilmar Schädel hat sich für seine Aktivitäten mit der Gemeinde abgestimmt. Das sei nicht Voraussetzung, werde aber begrüßt, wie der Nordkurier aus dem Rathaus erfuhr. Wie es am Dienstag aus dem Feldberger Rathaus hieß, sei die Kleberszene in der Feldberger Seenlandschaft sehr aktiv. Teils würden am Tag zuvor bereinigte öffentliche Flächen bereits in der Nacht darauf wieder zugepflastert. „Es ist teilweise ein Katze– und Mausspiel“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Reiner Stöhring auf Nachfrage.  Für die Gemeindemitarbeiter sei es auch deshalb eine Daueraufgabe, die Aufkleber wieder zu entfernen. Schwerpunkte gebe es nicht nur im Bereich der Feldberger Schule, sondern beispielsweise auch in Dolgen.

Verwaltung prüft Vorschlag

Grundsätzlich würden nicht nur Laternenmasten, sondern auch Verkehrszeichen und Verkehrsspiegel sowie Geländer zum Bekleben genutzt. Aufmerksame Bürger würden vor allem Kleber mit rechtsextremen Hintergrund häufig von sich aus wieder entfernen. Allerdings bittet Reiner Stöhring darum, beim Entfernen der Aufkleber behutsam vorzugehen, um die öffentlichen Anlagen nicht zu beschädigen. Was den Vorschlag von Hilmar Schäde zu speziellen Beschichtungen angeht, machte der stellvertretende Bürgermeister deutlich, dass dieser Vorschlag in der Verwaltung geprüft werde.