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Interview

Der Jäger, der einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat

Neuhof / Lesedauer: 4 min

Klaus Borrmann war jahrelang Leiter des Feldberger Jägerstammtisches. Jetzt hört er auf. Darüber hat der 86–Jährige mit Reporter Bastian Bönisch gesprochen.
Veröffentlicht:31.07.2023, 17:11

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Herr Borrmann, wie kam es dazu, dass Sie 2007 die Leitung des Feldberger Jägerstammtisches übernommen haben?

Mein Vorgänger war damals verstorben, dann wurde gemeinsam entschieden, dass ich die Leitung übernehmen soll. Ich habe schon vorher immer an den Treffen teilgenommen, das ergab sich dann so.

Was ist für Sie das Besondere am Jägerstammtisch?

Wichtig ist, dass wir kein eingetragener Verein, sondern eine lockere Verbindung von interessierten Leuten sind. Es kommen auch manchmal Jäger vorbei, die nur zu Besuch in der Region sind. Die Besonderheit unseres Jägerstammtisches ist, dass es nicht nur ums Biertrinken, sondern vor allem um den Austausch untereinander geht. Darum startet jeder gemeinsame Abend auch mit einem Fachvortrag, der etwa 30 Minuten dauert.

Was hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert?

Sehr viel verändert hat sich eigentlich nicht. Meistens sind 15 bis 20 Personen anwesend, das war auch 1993 schon so. Das Erfreuliche ist, dass nicht nur Feldberger Jäger, sondern auch welche aus Neustrelitz oder Woldegk dabei sind. Das Einzige, was sich oft geändert hat, war die Gaststätte, in der wir uns getroffen haben.

Was war für Sie der Höhepunkt während Ihrer Zeit als Leiter und Organisator?

Ich kann da gar kein bestimmtes Thema hervorheben, weil es so viele Höhepunkte gibt, an die ich mich gerne erinnere. Wichtig für mich ist und war die Vielfalt, also dass wir uns nicht nur Trophäen angeguckt haben, sondern dass wir auch die vielen kleinen Dinge, die man in der Natur beobachten kann, mit auf die Tagesordnung genommen haben.

17 Jahre lang haben Sie die den Jägerstammtisch organisiert – warum geben Sie ihr Amt jetzt ab?

Die Entscheidung, dass ich aufhöre, war gut, weil meine körperlichen Fähigkeiten und die Konzentration mit meinen mittlerweile 86 Jahren nachlassen. Hören tue ich auch nicht mehr gut und das Wichtigste ist, dass mein Augenlicht nachlässt — da habe ich vor fünf Jahren überhaupt nicht dran gedacht, dass man im Alter so viel weniger leistungsfähig ist. Dadurch, dass wir mit Wolfgang Wietasch einen kompetenten Nachfolger gefunden haben, ist mir die Entscheidung aber nicht schwergefallen.

Wie haben die anderen Mitglieder denn reagiert, als Sie ihnen die Entscheidung mitgeteilt haben?

Die anderen Mitglieder des Stammtisches haben es akzeptiert, weil ich meinen Rücktritt mit meinen altersbedingten Problemen erklärt habe. Dass ich mit einem Präsentkorb, der Goldenen Ehrennadel des Landesjagdverbands und vielen Lobreden entlassen wurde, war für mich eine riesige Überraschung, da das natürlich auch die Dankbarkeit mir gegenüber zeigt. Ich kam mir beinahe vor wie auf einer Beerdigung, da wird ja auch immer das Gute hervorgeholt und das Andere weggelassen (lacht). Das Wichtigste war, dass die Idee von meinen Mitstreitern und nicht von oben kam.

Und wie sehen jetzt Ihre Zukunftspläne aus?

Ich habe in letzter Zeit viel für die Nabu-Schriftenreihe „Labus“ gemacht, Ende August werden wir das Jubiläumsheft Nr. 50 rausbringen. Seinerseits habe ich gesagt, dass ich bis Heft Nr. 50 mitmache, jetzt geht es aber nicht mehr so gut. Das muss ich akzeptieren, auch wenn es schwerfällt. Solange ich Spaß dran habe und die meisten Teilnehmer noch erkenne, werde ich auch weiterhin zum Jägerstammtisch gehen. Große Reisen werden meine Frau und ich altersbedingt aber nicht mehr machen können, dafür haben wir aber früher schon gefühlt die halbe Welt bereist.

Als einer der wenigen Feldberger haben Sie sogar einen Wikipedia–Eintrag. Fühlen Sie sich wie eine lokale Berühmtheit?

Nach dem Wikipedia-Eintrag, in dem übrigens nicht alles korrekt ist, hat mich nie jemand gefragt. Aber wenn ich durch Feldberg gehe, merke ich schon, dass mich viele Menschen kennen. Zu DDR-Zeiten habe ich pro Jahr 100 bis 120 Lichtbilder-Vorträge gemacht, von daher kennen mich viele Leute, sogar Charly Hübner. Das macht mich natürlich ein bisschen zufrieden und vielleicht auch stolz, weil das natürlich auch bedeutet, dass ich nicht alles falsch gemacht habe.

Was erhoffen Sie sich denn für den Jägerstammtisch in der Zukunft?

Es soll in erster Linie zeitgemäß weitergehen. Sicherlich wird sich einiges ändern, so wie sich alles im Leben ändert. Der Feldberger Jägerstammtisch soll mit dem richtigen Fingerspitzengefühl geführt werden und der Zusammenhalt soll gefördert werden. Auch würde ich mir wünschen, dass weiterhin versucht wird, zwischen dem Naturschutz und den Nutzern zu vermitteln. Ich bin optimistisch, dass das mit Wolfgang Wietasch gelingen wird.