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Krieg in der Ukraine

Flüchtlinge bedanken sich in Neustrelitz mit Friedensfest

Neustrelitz / Lesedauer: 3 min

Die ukrainische Gemeinde hat in Neustrelitz ein Friedensfest auf die Beine gestellt. Das Motto des Konzert-Manifestes lautete: „Die Ukraine will leben“.
Veröffentlicht:10.07.2022, 12:19
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Mit einem Friedensfest, das am Samstag auf dem Marktplatz in Neustrelitz stattfand, haben sich ukrainische Kriegsflüchtlinge für die Hilfe, die sie nach ihrer Flucht erfahren haben, bedankt. „Wir sind mit Verständnis und Freundlichkeit aufgenommen worden. Kein Problem blieb unbeachtet. Der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Neustrelitzer gilt unser aufrichtiger Dank“, hieß es von den Veranstaltern. Und: „Wir haben viele wunderbare Menschen kennengelernt, die zu Freunden geworden sind“.

Stadtpräsident Ernst-August von der Wense nahm den Faden auf und betonte: „Fühlen Sie sich zu Hause“. Er wisse, dass es den Ukrainern schwer ums Herz sei, wenn sie an ihre Heimat denken würden. Bürgermeister Andreas Grund machte zudem den Vorschlag einer eigenen Bürgersprechstunde für Ukrainer. Er bedankte sich bei allen Neustrelitzern, die geholfen haben. Ferner bot er eine Städtepartnerschaft mit einer ukrainischen Stadt an, als Zeichen für den Wiederaufbau.

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Musik, Gedichte, ein Manifest

Bei aller Schwermut konnten sich die Zuschauer auch auf ein umfangreiches Programm freuen. So wurden ukrainische Volkslieder vorgetragen, Gedichte rezitiert sowie Tänze aufgeführt. Kinder spielten Gitarre. Shuichiro Sueoka und Frederike Holdefleiß präsentierten Klavierkompositionen. Anatoliy Mosynk spielte auf dem Fagott traurige und lustige Lieder aus seiner Heimat.

Die ukrainische Gemeinde startete darüber hinaus eine Unterschriftenpetition für die 2500 Kämpfer des Asow-Regiments aus Mariupol, das sich seit zwei Monaten in Kriegsgefangenschaft befindet. Die Unterschriftenliste werde an die Bundesregierung weitergeleitet, hieß es. In der 400 000 Einwohnerstadt seien mehr als 25 000 Menschen getötet und 30 000 zwangsumgesiedelt worden.

Eine Künstlerin erzählt ihre Fluchtgeschichte

Opernsängerin Anna Bychkova, deren glockenhelle Stimme ebenfalls bei einem Auftritt auf dem Friedensfest zu hören war, erzählte ihre Fluchtgeschichte. Sie lebte in Charkiw und arbeitete am Theater. Am 24. Februar sei sie durch die Nachbarn geweckt worden, um sie zu warnen. „Die Wände wackelten. Ich wusste nicht, was ich tun sollte“, sagte sie. Schließlich schnappte sie sich ihren Hund und einen kleinen Rucksack und beschloss, sich auf den Weg nach Kiew zu ihren Eltern zu machen. Drei Anläufe habe es gebraucht, bis sie in den Zug einsteigen konnte. Die Menschen drängelten. Keiner achtete mehr auf die Kinder. „Ich hatte Angst, unter den Zug zu kommen“, so Bychkova. Drei Stunden hätte sie auf den Zug bei minus 18 Grad warten müssen. Auf dem Weg nach Kiew seien drei Kinder zu Tode gekommen, einfach totgetrampelt, sagte sie. Sie habe nur geweint. Ihre Eltern rieten ihr, die Ukraine zu verlassen.

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Über die Grenze nach Polen

Bychkova hatte Glück. Nachdem sie registriert war, sei sie von polnischen Volontären in 50 Minuten über die Grenze gebracht worden. In drei Stunden sei sie in der EU gewesen. Mittlerweile habe sie im Neustrelitzer Theater Arbeit gefunden, sei im Projekt „Carmen“ integriert und habe ab September eine neue Anstellung als Opernsängerin in Nürnberg.

Die Veranstaltung endete mit einem ukrainischen Rundtanz, bei dem Neustrelitzer Bürger und Ukrainer Hand in Hand um den Marktplatz tanzten.